Sport
13.04.2012

Sechs Fäuste für ein Olympia-Ticket

Nicole Trimmel, Ivan Obradovic und Arbi Tschakajew wollen sich bei Box-Großevents für die Spiele qualifizieren.

Wer die freundliche und sympathische Nicole Trimmel auf der Straße trifft, würde kaum darauf kommen, welcher Sportart sie nachgeht. Denn die 29-Jährige Burgenländerin ist mehrfache Welt- und Europameisterin im Kickboxen. Jetzt hat sie ein neues Ziel vor Augen und will als Boxerin zu Olympia in London.

Erst im Jänner hat die erfolgreiche Kickboxerin das Metier gewechselt und sich dazu entschlossen, die Beine vorläufig am Boden zu lassen. Neben der Beschränkung auf die Fäuste mussten auch einige Kilos purzeln, um in der Olympia-Qualifikation in der Gewichtsklasse bis 60 kg starten zu können.

 

Bikos Erbe

Nach den ersten internationalen Turnierteilnahmen und –Siegen geht es im Mai bei der Amateur-WM der Frauen in China um das begehrte Ticket. Dort muss die Osliperin unter die ersten vier Europäerinnen kommen, um das Erbe von Biko Botowamungu anzutreten, der 1988 als letzter Österreicher bei Olympia dabei war.

Trimmel, die beim Vorbereitungsturnier in Usti (CZE) Lospech hatte und in Runde eins nur ganz knapp an Vizeeuropameisterin Sandra Brügger aus der Schweiz scheiterte, gibt sich vor der WM optimistisch: "Bei einem Starterfeld von über 60 Teilnehmerinnen ist das keine leichte Aufgabe, aber eine, für die es sich zu kämpfen lohnt". Auch Bundestrainer Adolf Angrick glaubt an seine Boxerin: "Mit Nicole können wir dieses Projekt wagen. Sie hat Chancen und ist wettkampffest. Mit einer anderen Athletin hätte es in der kurzen Zeit keinen Sinn gemacht."

Der ehemalige Box-Staatsmeister Wolfgang Reiterer, der die Athletin fit für den Boxring gemacht und bei der Umstellung wertvolle Dienste geleistet hat, wird Trimmel ebenfalls nach China begleiten.

 

Außenseiter

Bereits ab Samstag geht es im türkischen Trabzon auch für den Leichtgewichtler Ivan Obradovic  (bis 60 kg) und den Mittelgewichtler Arbi Tschakajew (bis 75 kg) noch um ein Olympiaticket. Ihre Aussichten auf eine Teilnahme sind jedoch gering, Obradovic müsste ins Halbfinale und Tschakajew gar ins Finale vorstoßen.

Der 21-jährige Tschakajew und der 20-jährige HSZ-Soldat Obradovic haben in ihren Karrieren noch genug Zeit, um ein vorzeitiges Ausscheiden in Trabzon zu verkraften. "Beide werden für die Qualifikation um Olympia 2016 in Rio de Janeiro profitieren und wir haben noch ein, zwei andere Boxer, die es bis dahin schaffen können", meinte Marius Korner, Sportdirektor beim österreichischen Boxverband, der die Boxer gemeinsam mit Bundestrainer Angrick in die Türkei begleiten wird.