Schütze Farnik startet am Montag mit Luftgewehr
Schütze Thomas Farnik startet am Montag (10.00 Uhr MESZ) in London mit dem Luftgewehr. Allzu große Hoffnungen auf eine Medaille macht sich der mit 45 Jahren nicht nur älteste, sondern auch bei Olympia erfahrenste ÖOC-Teilnehmer zum Auftakt noch nicht.
Die größten Chancen rechnet sich Farnik im KK-Dreistellungsmatch aus. "Im Luftgewehr gibt es ein paar Spezialisten, die schwer zu schlagen sein werden", meinte Farnik. Lediglich die besten acht ziehen in den Royal Artillery Barracks nach 60 Schüssen ins Finale ein. Seine bisher beste Luftgewehr-Platzierung hatte der Wiener beim Olympia-Debüt 1992 mit Rang sechs erzielt. "Ich bin mittlerweile etwas abgeklärter", versicherte Farnik.
Auch von der Verletzung, die er sich beim Lauftraining im Olympischen Dorf zugezogen hat, will er sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Farnik trainierte am Samstag und Sonntag normal, spürte dabei aber Schmerzen in seinem lädierten rechten Oberschenkel. 1:45 Stunden muss er im Luftgewehr-Bewerb darauf stehen.
Vor vier Jahren in Peking war Farnik Fünfter im Dreistellungsmatch. Seine Lieblingsdisziplin steht in London erst als letzter seiner drei Starts am 6. August auf dem Programm. "Ich freue mich auf jeden Wettkampf, aber es wird nicht leicht." Denn Farnik ist kein Profi mehr, sondern geht als Mentaltrainer einem Zivilberuf nach. In der Ausbildung hat der Weltcupgesamtsieger von 2006 allerdings viel dazugelernt - die Bauchatmung etwa, oder wie man die richtigen Bilder im Kopf erzeugt.
"Bei einem Schuss unter Druck trennt sich die Spreu vom Weizen", sagt Farnik in seiner ruhigen, besonnenen Art. Die Pulsbelastung liegt alleine durch die Anspannung bei ca. 140 Schlägen. "Das Geheimnis ist, nach dem Herzschlag zu schießen", verriet der Routinier. "Man muss sich auf die Technik konzentrieren, dann kommen die Ergebnisse von selbst." In den vergangenen Monaten sind sie bei Farnik eher ausgeblieben.
Daran, als Schütze nur alle vier Jahre im öffentlichen Interesse zu stehen, hat sich Farnik mittlerweile gewöhnt. Als Mentalcoach, der unter anderem bereits die Eishockey-Spieler der Vienna Capitals betreut hat, hat er sich ein zweites Standbein geschaffen. Darunter leidet die Zeit für das Schießtraining. "Erfahrung ist in unserem Sport wichtig, dafür wird es mit der Motivation manchmal ein bisschen schwierig", erklärte der Wiener.
Dabei muss gerade im Schießen oft stundenlang an der Ausrüstung - Schießkleidung ebenso wie Gewehr und Munition - getüftelt werden. "Der Sport wird zur Wissenschaft, wenn man Weltklasse werden will", versicherte Farnik. Weltklasse sind vor allem die Chinesen. Zhu Qinan, Olympiasieger von Athen 2004 und Zweiter von Peking 2008, gilt mit dem Luftgewehr als Topfavorit, der Italiener Niccolo Campriani als sein erster Herausforderer.
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