Sport
30.12.2012

Richter kritisiert Rad-Profis

Die Doping-Skandale der letzten Jahre soll nichts an der Praxis geändert haben.

Benedetto Roberti, Richter im Fall des wegen seiner Doping-Verwicklungen angeklagten Mediziners Michele Ferrari, hat dem Radsport ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. „Nichts hat sich geändert. Es ist nicht wahr, dass sich die Situation in den vergangenen Jahren gebessert hat. Ich habe Dinge gesehen, die kann man sich nicht vorstellen“, sagte der angesehene Jurist in einem Interview des italienischen Radsport-Magazins Tuttobici.

Der selbst aktive Radsportler, der auch mit der US-Anti-Doping-Behörde (USADA) zusammenarbeitete, die Lance Armstrong zu Fall gebracht hatte, sprach von neuen EPO-Mitteln, die nicht nachzuweisen sind. Alle Radsport-Ebenen bis zum Amateursport seien dopingverseucht.

„Wir haben es mit skrupellosen Leuten zu tun, die sich alles spritzen, ohne die Folgen zu bedenken. Sie verwenden aus Krankenhäusern gestohlene Produkte und Mittel aus Osteuropa oder Fernost, ohne jede Qualitätsgarantie“, meinte Roberti.
Der Richter forderte den Weltverband (UCI) auf, Bjarne Riis die Lizenz zu entziehen. Der Toursieger von 1996 und Chef des Saxo-Tinkoff-Teams hatte Doping zugegeben. Sein Name war auch im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Armstrong gefallen.

Diese hatten in diesem Jahr den größten Dopingfall der Sportgeschichte aufgedeckt und bewiesen, dass Armstrong und sein Team ein umfassendes und höchst professionelles Doping-Netzwerk aufgebaut hatten.