Sport 12.12.2011

Reifeprüfung für Musterschüler Thiem

Dominic Thiem siegte bei der Orange Bowl. © Bild: dapd

Der Österreicher setzte sich im Finale der Orange Bowl klar gegen Landsmann Patrick Ofner durch.

Die Jugendzeit ist endgültig vorbei. Dominic Thiem hat die Lehrzeit mit der größten Auszeichnung bestanden, die es im Jugendtennis gibt: mit dem Sieg bei der Orange Bowl. "Für mich ist das der schönste Abschluss, den ich mir vorstellen kann", sagt der 18-Jährige.

Hätte am Sonntag nicht er gewonnen, wäre ein anderer Österreicher in den Genuss des Titels beim größten Jugendturnier gekommen. Aber der Niederösterreicher Thiem ließ dem Kärntner Patrick Ofner keine Chance und nur ein Game: 6:1, 6:0. "Er hat von Beginn an aggressiv gespielt und sein Spiel durchgezogen", sagt Vater Wolfgang nach dem Sieg seines Schützlings über den gleichaltrigen Defensiv-Spezialisten.

Thiem ist der erste österreichische Bursche, der den U18-Bewerb für sich entscheiden konnte. Bei den Mädchen schaffte dieses Kunststück 2006 Nikola Hofmanova, die den Umstieg auf die Profi-Bühne (noch) nicht geschafft hat. Der 2008 tragisch ums Leben gekommene Horst Skoff (1984) und Markus Hipfl (1994) gewannen den U16-Bewerb, Tamira Paszek siegte vor sieben Jahren in der U14-Konkurrenz.

Thiem wird sich aber andere Namen anschauen, die in der Siegerliste neben ihm stehen, wie zum Beispiel Roger Federer, Björn Borg, Jim Courier oder John McEnroe.

Ausgelernt

Auf Thiem wartet die Berufszeit, die Zeit, in der es als Profi gilt, Geld zu verdienen. Nichts Neues. Mit der ATP-Tour hat er ja schon Bekanntschaft gemacht. In Kitzbühel, Schanghai und Wien schlug er bereits auf höchster Ebene auf, auf der Future-Tour zog er Anfang November in sein erstes Finale ein.

Die Nummer 640 ist er derzeit. Nichts. Nichts, im Vergleich zu dem, was noch kommen soll. "Er ist von den Anlagen der perfekteste Spieler weltweit in diesem Alter. Nächstes Jahr wollen wir erst einmal unter die Top 200", sagt Günter Bresnik, der den Burschen vor zehn Jahren unter seine Fittiche nahm und auch harte Zeiten mitmachte. Vor vier Jahren ließ er Thiem das Spiel umstellen, dazu kamen Wachstumsschübe, die seinen Schützling bremsten. Bresnik: "In all der Zeit habe ich aber kein einziges Mal gemerkt, dass er nicht mit voller Leidenschaft trainiert."

Vom großen Talent überzeugten sich auch die Stars Rafael Nadal, Roger Federer und Thomas Muster, die Österreichs größtem Talent Lehr-Stunden gaben. Alle waren sich einig: Aus Dominic Thiem kann ein ganz Großer werden.

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( Kurier ) Erstellt am 12.12.2011