Radausflug - in eine noch ferne Welt

Thomas Krag, Fahrrad Beauftragter Kopenhagen
Foto: Gerhard Deutsch Entwicklungshelfer: Thomas Krag beim Interview mit dem KURIER.

Kopenhagen ist die Welthauptstadt der Radfahrer.

Die Wiener Straße zwischen Perchtoldsdorf und Liesing an einem anderen Tag als Sonntag. Thomas Krag, der Miterfinder des Wunders von Kopenhagen, atmet tief – viel bleihaltige Luft der vorbeirauschenden Autos. Der Radstreifen ist nicht einmal einen Meter breit. Das Radland Niederösterreich erinnert ihn an die 70er-Jahre in Kopenhagen.

"Damals hat es bei uns langsam begonnen", erzählt Krag beim Radausflug mit dem KURIER. Inzwischen ist Kopenhagen die Welthauptstadt der Radfahrer. 50 Prozent aller Wege werden im Zentrum der dänischen Hauptstadt mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Zeit für eine Gesprächspause! Denn auf der Wiener Straße riskieren Radler ihr Leben, wenn sie nebeneinander fahren und reden.

Grüne Welle

Kopenhagen ist da anders. Der dänische Mobilitätsberater, der täglich mit dem Rad seine Kinder in die Schule bringt und auch zu Terminen radelt, erzählt: "Einige Radwege, die derzeit zwei Meter breit sind, werden jetzt auf vier Meter verbreitert."

Gut bewährt habe sich auch die Grüne Welle. Für Radfahrer, versteht sich: "Wer auf der Welle ist und mit 20 Sachen dahinradelt, für den sind die Ampeln immer auf Grün geschaltet."

Auf den Hauptachsen sind morgens und abends Kolonnen von bis zu vierzig, fünfzig Bikern unterwegs.

Was hierzulande zu Ausschreitungen und Unfällen führen würde, ist in Kopenhagen längst Realität. "Wir haben mit den Radfahrern in der Stadt leben gelernt", sagt Thomas Krag, der sein Rad auch beim Interview gut im Griff hat.

Er zeigt es vor: "Wer im Pulk stehen bleiben möchte, hebt für die Nachkommenden deutlich sichtbar die Hand." Dann fügt er schnell hinzu: "Wer sich nicht an die Regeln hält, wird von den anderen Radfahrern sofort gemaßregelt. Wir Dänen sind da sehr moralisch." Die Statistik bestätigt ihn: Mehr Radfahrer, aber weniger Unfälle.

Derzeit baut man in und im Umland von Kopenhagen sogenannte Bike-Highways. Mit eigenen Brücken, die im Winter früher vom Schnee geräumt werden als die Brücken der Autofahrer.

Zwei Gedanken gibt uns Thomas Krag am Ende noch mit auf den Weg. Schlechtes Wetter gilt in Kopenhagen nicht als Ausrede. Und: Dänische Politiker setzen sich auch dann auf ihr Radl, wenn sie dabei nicht fotografiert werden.

Mehr zum Thema

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?