© apa

Peter Schröcksnadel
02/17/2013

„Bin nicht beratungsresistent“

Präsidiale Bilanz: ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel über Flutlicht-Abfahrten, Druck und Kritiker.

von Wolfgang Winheim

Sie sind zwar nicht mehr böse aufeinander wie bei der WM 2001 in St. Anton, aber den Gefallen, die WM von Schladming als die beste aller Zeiten zu bezeichnen, tat FIS-Präsident Gianfranco Kasper dem ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel bei der gemeinsamen Abschlusspressekonferenz eine Stunde vor dem WM-Slalom dennoch nicht. „Ich behaupte auch nicht, dass 1932 die beste WM war, weil man die Zeiten nicht miteinander vergleichen kann.“

Obwohl sich Kasper, 69, und Schröcksnadel, 71, langsam einem päpstlichen Alter nähern, haben die beiden alpinen Würdenträger nach wie vor Visionen.

So ist allen Ernstes angedacht, die Olympia-Abfahrt 2018 in Südkorea als Abendrennen unter Flutlicht auszutragen. Und zwar aus dem gleichen Grund, aus dem der WM-Slalom von Schladming, wo die Nachtrennen Winter für Winter bis zu 50.000 angelockt hatten, gestern bei Tageslicht durchgeführt werden musste: wegen des Fernsehens.

Den deutschen TV-Anstalten wären Schladminger Rennbeginnzeiten ab 19 Uhr zu spät gewesen, weil der alpine Rennlauf jenseits des Weißwurstäquators zu wenig populär ist, um Berücksichtigung im Hauptabendprogramm zu finden.

Der übliche Vormittag-Start wiederum wird Europas großen TV-Sendern bei den ersten südkoreanischen Winterspielen aufgrund der Zeitdifferenz zu früh sein, weil um vier Uhr Früh mit keinen guten Quoten gerechnet werden kann.

Ob Peter Schröcksnadel 2018 noch ÖSV-Präsident sein wird, wollte bzw. konnte Österreichs erfolgreichster Sportfunktionär am WM-Finaltag nicht sagen. Zu anderen Themen hingegen nahm er sich kein Blatt vor den Mund.

Schröcksnadel über. . .

. . .sein WM-Highlight vor dem letzten Rennen: „Das war die erste Bronzene. Ich war so happy, dass die Niki Hosp die geholt hat.“

. . . die Kritik an der Eröffnungsfeier: „Ich hör’ nicht auf Pseudointellektuelle. Mir san eben die Oper, der Mozart, die Schuachplattler, die Lipizzaner. Wenn ich das nicht mehr herzeigen darf, dann sollen eher die Kritiker das Land verlassen.“

. . . Hermann Maiers Online-Kritik: „Ist nicht ein Herr Weltmasta bei der Heim-WM 2001 in Anton auch nur Dritter geworden? Aber ich freue mich, wenn sich der Hermann mit mir persönlich in Verbindung setzt. Ich bin net beratungsresistent. Nur: Wenn es dem Team schlecht geht, ist Kritik von außen kontraproduktiv. Wir haben aber auch mit Hannes Trinkl und Patrick Ortlieb Weltmeister und Olympiasieger im ÖSV, die jetzt selbst Präsidenten sind. Die kennen sich gut aus und den Unterschied zwischen Rennläufer und Funktionär. Wenn man plötzlich nicht der ist, der kritisiert, sondern kritisiert wird. . .“

. . . Medien-Druck: „Der Marcel Koller lässt seine Fußballer einen Tag vor einem Ländermatch auch mit keinem von euch mehr reden. Auch bei uns wird’s künftig einen Tag vor einem Rennen keine Interviews mehr geben. Auch nicht fürs Fernsehen. Warum kann man dafür nicht die Trainer und Funktionäre interviewen?“

. . . eine neuerliche Heim-WM: „Wir in Österreich bekommen frühestens in zehn bis 14 Jahren wieder eine WM. St. Anton/Lech, Kirchberg und Saalbach interessieren sich jetzt schon dafür. In Schladming wird es bis in 20, 30 Jahren leider keine WM mehr geben.“

. . . seine persönliche WM-Bilanz: „Umwelt gut, Sicherheit gut, Verkehr hervorragend. Und der Andreas Gabalier ist mit seinem WM-Song die Nummer eins in der Hitparade. Der ist sowieso a Hammer. Obwohl er von Ö3 nicht gespielt wird.“

. . . die nächsten Tage: „Am liebsten würde ich jetzt fortfliegen zu einem Strand. Aber ich muss ins Val di Fiemme. Zu den Nordischen.“

Nach der WM ist eben vor der WM.