Per Rad die Nordkette hinunter

Es fliegt, es fliegt,...der Mountainbiker.
Foto: apa

Die besten Downhill-Biker der Welt messen sich über Stock, Stein und gefährliche Hindernisse in Innsbruck.

Irgendwo da drinnen muss er sein. Irgendwo in diesem unwegsamen, steilen und dichten Nadelwald oberhalb von Innsbruck. Mächtige Baumstämme, scharfkantige Felsbrocken, hinterlistige Wurzeln, gefährliche Hindernisse, wohin das Auge reicht. Und Matthias Klotz weiß wirklich nichts Besseres, als in dieser Wildnis Fahrrad zu fahren?

Er ist jetzt schon zu hören. Ein Knacksen und Rattern kommt aus dem Wald, es raschelt im Gehölz. Bedrohlich klingt das, fast ein wenig unheimlich. So unheimlich wie dieser Road-Gap, der noch vor ihm liegt. Eine mächtige Rampe aus Holz, die ihn über den Forstweg katapultiert. Fünf Meter Luftstand, 25 Meter weit, dahinter wartet der Abgrund.

Vollgas

Spätestens hier würde jeder Otto-Normal-Mountainbiker endgültig vom Sattel steigen, selbst die größten Adrenalin-Junkies geben am Road-Gap klein bei. Nicht Matthias Klotz, nicht dieser Downhill-Biker aus Leidenschaft. Er schätzt diese Passage sogar. "Am Road-Gap kannst du endlich einmal die Bremse loslassen."

Plötzlich kommt er dahergeschossen. Mitten aus dem Wald. Die Räder wirbeln Steine auf, sein Blick ist auf den Road-Gap gerichtet. Matthias Klotz bremst erst gar nicht, vor der Rampe tritt er sogar noch kräftig in die Pedale, um zu beschleunigen. Dann hebt er ab.

Als er schließlich weit unterhalb der Forststraße landet, staucht es ihn zusammen. Die Spezial-Federn an seinem Downhill-Rad können den Aufprall auf der steilen Wiese ein wenig dämpfen. Matthias Klotz bremst kurz ab, um einem Stein auszuweichen, der ihm im Weg liegt. Wenig später ist er schon wieder verschwunden. Zurück bleiben das bekannte Knacksen und Rattern. Und ein Kopfschütteln.

Schlammtango

Wie macht der das nur? Wie kann ein Mensch bloß mit einem Fahrrad direttissima querwaldein einen steilen Berg hinunterrasen? "Es ist alles nicht so schlimm, wie es aussieht", meint Matthias Klotz. Der Innsbrucker Singletrail auf der Nordkette ist die unwegsame Spielwiese für die wildesten Downhill-Biker der Welt, ein Hindernisparcours der spektakulären Art. Es geht runter und drüber. 4,2 Kilometer lang, über 1000 Höhenmeter Unterschied, ein Steilhang gespickt mit Fallen und anderen Hürden.

Nicht umsonst heißen die Schlüsselstellen Pistenschreck, Stützenalbtraum oder Schlammtango. "Nicht jeder kommt hier runter", sagt Lokalmatador Matthias Klotz, der mit den besten Bikern der Welt beim Downhill.Pro am Samstag der Nordkette mit dem Rad den Buckel runterrutscht.

Hightech

Der Kurs ist ein besserer Trampelpfad, oft nicht breiter als einen halben Meter, auf dem normal Kühe unterwegs sind. Schwindelfreie Kühe. Gefahren wird auf eigenen Downhill-Bikes, die mit einem normalen Fahrrad kaum etwas gemein haben: extrabreite Stollenreifen, verstärkter Alu-Rahmen, spezielle Federgabel. "Mit so einem Rad kannst du nicht länger im Flachen herumfahren", erklärt Klotz.

Der Elektriker befindet sich seit 2005 im Abwärtstrend. Inzwischen ist er hunderte Male die Nordkette heruntergebrettert. Mut allein ist zu wenig, es braucht Köpfchen. "Oft denkst du, es kann nicht gut gehen, aber irgendwie funktioniert es dann doch. "

Stürze passieren zwangsläufig, ein echter Downhiller ist Schmerzen gewohnt. Matthias Klotz ist bis jetzt mit Prellungen und Cuts davon gekommen. Den Muskelkater gibt's gratis dazu. "Zehn Minuten Downhill ist anstrengender als eine Stunde Joggen", sagt er. Vor allem für die Finger. "Man kann sich kaum vorstellen, wie unten die Zeigefinger wehtun vor lauter Bremsen."

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(kurier) Erstellt am
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