"Österreichs Tennis braucht Kitzbühel"

Der neue Turnierboss: Alexander Antonitsch setzt auf heimische Stars wie Muster, aber auch auf den Show-Faktor.
Foto: Stephan Boroviczeny

Turnierdirektor Alex Antonitsch hat dem Sandplatz-Klassiker neues Leben eingehaucht.

Kurios ist es schon ein bisserl. Alexander Antonitsch, der zwar ein erfolgreicher Spieler (Nummer 40 der Welt), aber auf Sand so gut wie Thomas Muster auf Rasen war, ist Turnierdirektor des Sandplatz-Klassikers in Kitzbühel (31. Juli bis 6. August). Da muss selbst der neue Chef lachen: "Sand war wirklich nicht mein Belag, aber ich habe dort 1984 meine ersten ATP-Punkte geholt." Er habe immer gerne in Kitzbühel gespielt. "Es wäre undenkbar gewesen, wenn Muster, Skoff oder ich bei den heimischen Turnieren nicht angetreten wären", sagt Antonitsch.

Und da wären wir schon beim Problem: "Wir haben Jürgen Melzer sehr viel Geld geboten. Es ist schade für das Turnier und seine Fans, dass er in Kitzbühel nicht spielt."

Angebote

Melzer pfeift auf Kitzbühel, aber Antonitsch berichtet ohnehin lieber über die schönen Seiten des Turniers, das dank des Lizenzgebers Octagon, des Kitzbüheler Tennisklubs und des Sponsors bet-at-home über Jahre gesichert ist.

"Natürlich hat es Skeptiker gegeben, die gemeint haben, das Turnier wäre nicht wiederzubeleben. Immerhin hat Kitzbühel in den vergangenen fünf Jahren vier Turnierdirektoren verbraucht. Aber wir setzen auf ein attraktives Rahmenprogramm", sagt der 45-jährige Kärntner. Zum Beispiel können pro Tag zwei Zuschauer jeweils 100.000 Euro gewinnen, dazu kommen attraktive Exhibitions und unterhaltsame Kabarettisten, auch der Bambini-Cup wandert für einen Tag von Kufstein nach Kitzbühel. Natürlich gibt es da noch Stefan Koubek, der nächsten Samstag, einen Tag vor Beginn des Hauptbewerbes, seinen Abschied feiert. Doppel-Clown Mansour Bahrami kommt zur seiner Party, vielleicht schaut auch Roger Federer auf einen Sprung vorbei? Antonitsch: "Er hat sich den Termin zumindest in seinem Kalender eingetragen."

Um Punkte und Preisgeld spielen müssen ohnehin andere. Für das Turnier selbst ist ein Federer genauso unerschwinglich wie Nadal, Djokovic oder Murray. Nicht nur das Geld ist ein Problem. Antonitsch: "Da Kitzbühel ein 250er-Turnier (das ist die niedrigste der vier ATP-Kategorien, Anm.) ist, gibt es für die Stars kaum Punkte zu holen. Und wenn ich eine Nummer sieben oder acht hole, muss ich mich immer fragen, ob deshalb mehr Leute kommen."

Heimspiel

Vermutlich nicht. Aber Antonitsch hat die Ticketseller sowieso im eigenen Land. "Wäre Thomas Muster nicht gewesen, hätte man in Kitzbühel nicht den Centrecourt gebaut."

Ebendieser Muster, der für einen 43-Jährigen gut beisammen ist, soll bei seiner Erstrundenpartie (1. August, 17.00 Uhr) Zuschauer anlocken. Wie auch der 17-jährige Dominic Thiem, der sein Debüt auf der Tour gibt, und Wien-Finalist Andreas Haider-Maurer. Die Spieler, topgesetzt ist der Argentinier Chela, würden sich allesamt wohlfühlen. "Es gibt kein Turnier, wo so viele Spieler die gesamte Familie mitnehmen", sagt Antonitsch.

Auch auf die Deutschen hofft Antonitsch. "Sollte Kohlschreiber weit kommen, werden uns viele Bayern besuchen." Wegen Kohlschreiber macht er aber das Turnier nicht. Sondern "weil Österreichs Tennis Kitzbühel einfach braucht".

(kurier) Erstellt am
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