Sport 10.01.2012

Österreichs Sportler und die Politik-Karrieren

Nicht wenige heutige Politiker haben Sport-Karrieren hinter sich.

Als Franz Voves 2005 das Amt des steirischen Landeshauptmanns antrat, war er vorbereitet. Schließlich war der gebürtige Grazer bereits vor seiner SPÖ-Karriere ein Meister des Schlagabtauschs gewesen. Nicht auf dem politischen Parkett zwar, aber auf einer nicht minder rutschigen Oberfläche – auf dem Eis. Als Center des ATSE Graz hatte sich Franz Voves seit 1967 einen Namen gemacht. 1970 wurde er ins Eishockey-Nationalteam einberufen, wo er 75-mal zum Einsatz kam – darunter sieben Mal bei Weltmeisterschaften und einmal bei Olympischen Spielen (1976 in Innsbruck).

Der steirische Landesvater ist aber längst nicht der einzige heimische Politiker, der auf sportliche Höchstleistungen zurückblicken kann – oder konnte. Liese Prokop , Österreichs Innenministerin, die 2006 nach einem Aorta-Riss verstarb, war vor ihrer ÖVP-Karriere Leichtathletin. Im Fünfkampf gewann Prokop 1968 in Mexiko Olympia-Silber. 1969 stellte die 50-fache österreichische Meisterin mit 5352 Punkten Weltrekord auf und wurde in Athen Europameisterin.

Mit solchen Erfolgen kann Franz Vranitzky nicht aufwarten, immerhin spielte der Ex-Bundeskanzler aber 1960 mit dem Basketball-Nationalteam um die Olympia-Qualifikation – allerdings vergebens.

Auch Patrick Ortlieb, 1992 Olympiasieger in der Abfahrt, zog es in die Politik. Der Vorarlberger galt im Skizirkus als Intellektueller, als Querdenker. Als einer, der vor einem Rennen mehr als ein „Schau’ ma ’mal, dann seh’n ma schon“ zum Besten zu geben hatte. Nach seiner aktiven Zeit ließ sich Ortlieb von Jörg Haider für die FPÖ gewinnen, für die er bis Dezember 2002 als Abgeordneter im Nationalrat saß – so lange, bis der „Parkgaragen-Skandal“ (Ortlieb soll eine Frau belästigt haben) seiner politischen Karriere ein jähes Ende setzte.

Im selben Jahr kandidierte Stephanie Graf für die SPÖ für den Nationalrat. Bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 holte die Leichtathletin aus Klagenfurt für Österreich die Silbermedaille im 800-Meter-Lauf.

Weniger zielstrebig agierte Graf bei den Kärntner Landtagswahlen 2009, wo sie sich partout nicht zwischen SPÖ-Bürgermeister Manzenreiter und dem BZÖ-Landeshauptmann Dörfler entscheiden konnte. Die Ex-Sportlerin zeigte sich politisch flexibel und unterstützte einfach beide.

Zweite Karriere

Aber auch andere Sportler suchten ihr Glück in der Politik: So war die ehemalige ORF -Moderatorin Ingrid Turkovic-Wendl , die in den 1950er-Jahren als Eiskunstläuferin EM-, WM- und Olympia-Medaillen sammelte, von 2002 bis 2006 ÖVP-Abgeordnete. Hürdensprinter Elmar Lichtenegger saß – trotz Dopingsperre – für FPÖ und BZÖ im Nationalrat; Schwimmerin Vera Lischka zog via SPÖ-Liste in den oberösterreichischen Landtag ein; Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein warf in Körbe in der Basketball-A-Liga; Schwimmer Dinko Jukic (ÖVP) und Wasserspringerin Anja Richter (SPÖ) versuchten sich mit mäßigem Erfolg bei den Wiener Landtagswahlen 2010.

Und dann war da ja noch Toni Sailer, der 2004 mit dem Gedanken gespielt hatte, Bürgermeister von Kitzbühel zu werden, es sich dann aber doch noch aus Zeitmangel anders überlegte.

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( Kurier ) Erstellt am 10.01.2012