Sport 17.12.2011

ÖBSV-Millionen-Affäre: Die Details

Der Österreichische Behindertensportverband ist um 1,069 Millionen Euro ärmer. Darabos sichert Hilfe zu.

Man kann dem langjährigen Finanzreferenten des Österreichischen Behindertensportverbandes (ÖBSV) nicht vorwerfen, uneinsichtig zu sein. "Ich möchte auch noch festhalten, dass mir erst jetzt bewusst wurde, welchen Schaden ich mit meinen Handlungen angerichtet habe. Ich habe alle Werte verraten, die ich in den letzten Jahren verfolgte", schreibt der Mittvierziger im Anhang seiner Selbstanzeige, die am 9. Dezember bei der Staatsanwaltschaft Wien eingegangen ist und den Verband nun in seinen Grundfesten erschüttert.

Die Eckdaten der Affäre: 1,069 Millionen Euro hat der mittlerweile fristlos Entlassene innerhalb der letzten achtzehn Monate alleine von Konten des ÖBSV abgezweigt, um weitere 81.000 Euro soll der Allgemeine Behindertensportverein Wien geschädigt worden sein, dessen Obmann der Geständige war. Die Rechnungsprüfer wurden laut Selbstanzeige "durch manipulierte Bankbelege getäuscht."

Ob persönliche kriminelle Energie der Antrieb für derlei Machenschaften war, werden die Gerichte klären. Offenkundig ist, dass sich der Ex-Finanzreferent mit großer Leichtsinnigkeit auf finstere Finanzspiele eingelassen hat, die über zwei Anlageunternehmen liefen, die ebenfalls im Fokus der Justiz stehen. Diese saßen offiziell in Budapest und Tokio, hatten so klingende Nachnamen wie Solutions oder Financial Group, verzichten jedoch schon auf der Homepage auf jeden Anschein von Transparenz und Seriosität.

Darabos sichert Hilfe zu

Aus der Selbstanzeige: Ständige "Liquiditätsprobleme" (oben) und ein höchst dubioser "Aktienverkäufer"
© Bild: KURIER

Immer wieder ließ sich der Referent zum Nachkauf angeblicher Aktien überreden, um einen Totalverlust zu vermeiden. Selbst im Herbst 2011 wurden noch fünfstellige Beträge nachgeschossen. Ende November habe ihm der zuständige Berater dann "erklärt, dass es keine physischen Aktien mehr gebe, und dass er mir daher kein Depot nennen kann. Heutzutage sind das alles nur noch Werte, die gekauft und verkauft werden." (siehe Faksimile) Zu diesem Zeitpunkt war der Funktionär bereits als Zeuge im Betrugsverfahren gegen die verdächtigen Anlageprofis befragt worden. "Aufgrund der letzten Einvernahme und Information durch den erhebenden Beamten" sei ihm "bewusst geworden, dass er Betrügern aufgesessen ist und es zu keinen Geldrück-flüssen kommen wird."

Sportminister Norbert Darabos sagte dem Behindertensportverband gestern seine volle Unterstützung zu: "Sollte es zu finanziellen Engpässen kommen, werden wir die entsprechenden Mittel zur Verfügung stellen. Es kann nicht sein, dass Sportler für das Fehlverhalten von Funktionären büßen müssen."

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( Kurier ) Erstellt am 17.12.2011