Sport 11.12.2011

Ocean Race: Versteckspiel mit Piraten

© Bild: ap

Die Flotte des Volvo Ocean Race muss durch das gefährlichste Piraten-Revier der Welt. Aber wie?

Der Westindische Ozean, die Arabische See, das Somalia-Becken und der Golf von Aden – das sind die mit Abstand gefährlichsten Gewässer der Welt. 2010 waren 1200 Seemänner gekidnappt worden, noch immer sollen Piraten mehr als 300 in ihrer Gewalt haben.

Immer wieder sind Tote, Vermisste oder Verletzte zu beklagen. Oft kommt es zu regelrechten Seeschlachten. Trotz massiver internationaler Marine-Einsätze werden immer wieder Schiffe und Yachten aufgebracht.

Ausgerechnet durch dieses Revier sollten die sechs Skipper des Volvo Ocean Race in den nächsten Wochen ihre Rennmaschinen manövrieren. Sollten.

Zwei-Millionen-Euro-Aktion

Doch jetzt wird etwas passieren, was noch nie passiert ist: Ein von Kriegsschiffen geleitetes und ebenfalls bewaffnetes Containerschiff wird die sechs Rennboote in einem geheim gehaltenen sicheren Hafen auflesen und kurz vor dem Zielort der zweiten Etappe von Kapstadt nach Abu Dhabi (10.000 km) wieder zu Wasser lassen.

Eine Zwei-Millionen-Euro-Aktion. Die letzten paar Hundert Meilen werden dann wieder gesegelt. Man will verhindern, dass zwei Welten aufeinandertreffen: Die Welt der millionenschweren Unternehmen, die diese Hightech-Yachten finanziert einerseits. Andererseits die Welt der Armut, der Banden-Kriminalität, der Korruption, des Hungers im ärmsten Eck der Erde.

"Eine Notlösung, die uns wenigstens ein dramatisches Finish garantiert", sagt Organisationschef Knut Frostad, selbst einst Skipper beim Volvo Ocean Race.

Pflicht

Start in Kapstadt ist am Sonntag. Nach dem Beginn der 3. Etappe von Abu Dhabi nach Sanya in China am 4. Jänner wird der Vorgang wiederholt. "Als Seemann hast du die Pflicht, auf professionelle Empfehlungen zu hören“, sagt Renndirektor Jack Lloyd. „Alle Teams verstehen, was wir da tun."

Obwohl die Flotte aus den schnellsten Fahrten-Yachten der Welt besteht, ist keiner so naiv zu glauben, dass man motorisierten Piraten entrinnen kann. Jene drei Yachten, die während der ersten Etappe ausgeschieden waren, wurden wieder flott gemacht: Puma (Skipper Ken Read) und Abu Dhabi (Ian Walker) bekamen einen neuen Mast, bei der chinesischen Sanya (Mike Sanderson) wurde der Rumpf verstärkt.

In der Gesamtwertung führt Telefónica (Skipper Iker Martinez) vor Camper (Chris Nicholson) und Groupama (Franck Cammas).

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Erstellt am 11.12.2011