epa03546189 A file photo dated 04 November 2012 shows former Vice President of Mercedes-Benz motorsport activity, Norbert Haug (L), and former Austrian racing driver Toto Wolff at the Grand Prix in Abu Dhabi, United Arab Emirates. Reports state on 20 January 2013, that 41-year-old Wolff will be officially presented as successor of Mercedes Motorsport head Haug in the coming days. EPA/JENS BUETTNER

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Motorsport-Chef
03/14/2013

Wolff: "Wenig Raum für Misserfolg"

Der neue Mercedes-Motorsportchef im Interview über Pläne und Erwartungen.

Wie lief das Engagement und wie war Ihr Start in England?
Wolff: "Es war eine neue Situation, denn bis dahin habe ich mit allem Herzblut für Williams gearbeitet. Ich musste mich hinsetzen, als die Frage kam, und habe über die Weihnachtsfeiertage lange nachgedacht. Ich bin dann mit offenen Armen aufgenommen worden und habe mich gleich mit den entscheidenden Leuten zusammengesetzt. Das war extrem positiv. Ich habe die Leute auch gleich gewarnt. Wenn euch einer im Kreisverkehr auf der falschen Seite entgegenkommt, bin das ich. Also bitte ausweichen."

Wie kritisch war oder ist die Situation, nachdem Mercedes in drei Jahren nur ein GP-Sieg gelungen ist?
"Die Situation ist nicht erfreulich, weil Mercedes den Anspruch hat, erfolgreich zu sein. Sowohl in der Formel als auch in der DTM. Diese Ziele wurden nicht erreicht, deshalb hat es auch den Wechsel gegeben. Das sind aber nie Dinge, die von einem Tag auf den anderen passieren. Daher sind meine Ansprüche, dass das erfolgreicher wird als die letzten Jahre."

Wie groß ist der Erfolgsdruck?
"Mir bleibt nicht viel Raum für den Misserfolg. Wenn das Engagement für den Konzern und die Marke nicht erfolgreich ist, bin ich der Allererste der sagt, ich bin nicht der Richtige. Mein Vertrag befristet sich automatisch mit den Erfolgen oder Nicht-Erfolgen."

Müsste man nicht sagen, es zählt erst 2014 mit den neuen Motoren wirklich?
"Unser Anspruch ist, als ein Team wahrgenommen zu werden, das vorne mitfährt. Wir werden daher von Beginn weg an den Ergebnissen gemessen. Die Vergangenheit interessiert niemand mehr, und das wichtigste ist immer das nächste Rennen. Wenn es nicht funktioniert, ist 14 vielleicht eine neue Chance. Aber jetzt geht es um 2013."

War an Ihr Engagement gekoppelt, dass sie auch Mercedes-Anteile übernehmen?
"Ich funktioniere nur als Unternehmer. Das Problem an der Formel 1 ist, dass ein Riesenkonzern einen kleinen Mittelständler managen muss, der 19 Mal im Jahr die Auslage darstellt. Deshalb wollte man einen Mitunternehmer und nicht einen reinen Manager. Eine Großkonzernstruktur funktioniert in der Formel 1 nicht, zu lange Entscheidungswege sind ineffizient. Ein Formel-1-Team musst du über kurze Dienstwege managen. Ich berichte an das Mercedes-GP-Board mit Niki Lauda als Chairman und drei Vorständen."

Niki Lauda ist neuer Aufsichtsratschef, macht aber weiter seine - bekannt kritische - TV-Arbeit für RTL. Sehen Sie da ein Problem?
"Der Niki ist der Niki. Wir wissen, was wir an ihm haben, darüber sind wir sehr happy. Gleichzeitig wird es immer Situationen geben, wo man ausbalancieren muss. Ich sehe da kein Problem, wir sind in Sofortfunktionen. Niki ist Aufsichtsratsvorsitzender, hat also in Wahrheit eine nichtoperationelle Rolle. Er steht uns mit Rat und Tat zur Seite, ist enorm vernetzt und hat viel Erfahrung, ist aber nicht im Tagesgeschäft."

Wie interpretieren Sie die fabelhaften Mercedes-Testbestzeiten in Barcelona?
"Wir sind dort unser Programm gefahren. Ich halte die ganze Blufferei für absoluten Schwachsinn. Am Ende des Tages werden wir am Sonntagabend in Melbourne sehen, wer wo steht. Fix ist nur, dass unsere Tests besser waren als im Jahr davor."

Ihre Frau Susie ist weiter Testfahrerin bei Williams. Wie funktioniert da das Eheleben?
"Gut. Wir haben uns zuletzt zwar wenig gesehen, sind aber gemeinsam nach Australien geflogen und haben den Vorteil, dass wir die ganze Welttournee gemeinsam machen können. Zu Hause wird aber wenig über Motorsport gesprochen. Wir leben in der Formel zwar getrennt von Tisch, sehen uns aber am Abend im Bett. Meist sehr müde."

Mercedes hat offiziell noch keinen Test- und Ersatzfahrer. Ist Ihre Frau ein Thema?
"Sicher nicht, damit schaufle ich mir mein eigenes Grab. Der Ersatzfahrer wird sich künftig aus der Mercedes-Benz-Familie ergeben. Wenn in Australien etwas passiert, würde Sam Bird einspringen."

Haben Sie ihre eigenen Motorsport-Ambitionen völlig eingestellt?
"Über Testtage freue ich mich wie ein Schneekönig. Ich habe aber keine Passion mehr und bin erleichtert, dass mir diese Entwicklung gelungen ist."

Immer mehr Österreicher sind im Spitzen-Management der Formel 1, es gibt aber keine Fahrer mehr. Wissen Sie warum?
"Die Frage stelle ich mir auch. Warum sich keine Fahrer entwickelt haben, ist interessant. Die Formel 1 hat immer ein 'bissl' was Österreichisches gehabt, warum weiß ich aber nicht."

Wie funktioniert bei Mercedes die Parallelentwicklung der Autos für 2013 und der neuen für 2014?
"Aldo Costa ist Projektleiter 2013, Geoff Willis für 2014, alles unter der Führung des Technik-Direktors Bob Bell. 600 Personen sind in der Abteilung Entwicklung und Design tätig, jeden Monat wird rund zehn Prozent mehr Personal in das neue Auto gesteckt. Derzeit hält man bei 25 Prozent, im Sommer werden bereits 60 bis 70 Prozent am neuen Auto arbeiten."

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