Im Vorwärtsgang: Haas-Pilot Romain Grosjean

© DIENER/EM

Haas-Team
04/01/2016

Wie der Neuling die Formel 1 auf den Kopf stellt

Das neue Team des US-Millionärs Gene Haas ist schnell, mutig und revolutionär.

von Philipp Albrechtsberger

Als die stolze Automobil-Nation USA nach dreißig Jahren in die Formel 1 zurückkehrte, gab es zunächst verwunderte Blicke – und bitterböses Gelächter. Bei der Präsentation des ersten Boliden des neuen Haas-Rennstalls im Februar fiel auf einer Wagenseite die spiegelverkehrt lackierte US-Flagge auf. Was viele für einen peinlichen Irrtum hielten, ist ein eindeutiges Statement.

Die Sterne auf der Flagge sollen immer in Fahrtrichtung zeigen – wie es auch bei US-Militärfahrzeugen Tradition ist. Das Lachen ist einigen vergangen. Mit dem sechsten Platz durch Romain Grosjean beim Auftaktrennen in Melbourne ist der Haas-Rennstall schnurstracks in das Mittelfeld der Königsklasse vorgestoßen, auch beim zweiten Grand Prix des Jahres in Bahrain am Sonntag (17 Uhr MESZ) werden dem Neuling Punkte zugetraut.

Allerdings handelt es sich bei der in North Carolina ansässigen Renngemeinschaft um keinen gewöhnlichen Einsteiger. Die Neuen wissen, wie Motorsport funktioniert. Seit fast 15 Jahren kreisen die Boliden von Gene Haas an der Spitze der populären NASCAR-Serie in den USA. Der Motorsport ist seine Leidenschaft. Dem teuren Hobby des 62-Jährigen kommt entgegen, dass er mit der Herstellung von Industrie-Werkzeugen ein ansehnliches Vermögen zusammengetragen hat. "Wir sind nicht abhängig von Preisgeldern oder zwingend angewiesen auf Sponsoren, um an den Start zu gehen", sagt er.

Hoffnung

Solche Sätze hört man nicht mehr oft in der Formel 1. Neben den wenigen großen Herstellern wie Mercedes oder Renault und den vielen chronisch unterfinanzierten Privatteams gilt der neue Haas-Rennstall als Hoffnungsschimmer für die Rennserie.

Mit dem Einstieg der Amerikaner verabschiedet sich die Formel 1 allmählich von ihrer anspruchsvollen Maxime, jedes Team müsse sein Auto selbst bauen. Seit diesem Jahr ist es erlaubt, mehr als nur den Motor anzukaufen. "Wir sind keine Konstrukteure", sagt Haas. "Die Formel 1 ist ein kniffliges Geschäft. Und wie in jedem kniffligen Geschäft ist es eine gute Idee, sein Handwerk von anderen zu lernen."

Haas lernt von Ferrari. Mit der Scuderia ist der Neuling eine enge Kooperation eingegangen. Neben Motoren oder Elektronik gab es von den Italienern auch einen Piloten: Der Mexikaner Esteban Gutiérrez stammt aus dem Nachwuchsprogramm von Ferrari. "Man kann in der Formel 1 nichts Besseres bekommen als Ferrari", ist Haas überzeugt. Auf Einkaufstour war er nicht nur in Italien: Von jedem anderen Team wurde zumindest eine Fachkraft abgeworben. Sie hören auf die Anweisungen von Günther Steiner. Der Südtiroler arbeitete bei Red Bull erst in der Formel 1, um später den Konzern im NASCAR-Sport zu etablieren.

Begeisterung

Gene Haas gibt zu, dass zwischen der Formel 1 und dem US-Rennsport Welten lägen: "Die pure Komplexität der Formel-1-Autos, die schiere Größe unserer Aufgabe, das ist etwas komplett anderes." Seine Landsleute glaubt er dafür begeistern zu können: "In den USA wollen sie sehen, ob wir die Europäer in einer ihrer Sportarten schlagen können. Und falls nicht, wie schlimm wir scheitern."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.