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14.03.2016

Red Bull Racing spürt den Aufwind

Nach der sieglosen Vorsaison will Red Bull heuer wieder an der Spitze mitfahren.

Die Saison 2015 war eine Seuchensaison für das erfolgsverwöhnte Red-Bull-Team. Kein Sieg, nur drei Podestplätze - für das Team, das von 2010 bis 2013 viermal in Folge zur WM-Krone fuhr und seit 2009 jedes Jahr zumindest drei Grand-Prix-Siege geholt hatte, eine untragbare Leistung. Und mit Motorenlieferant Renault war rasch ein Sündenbock gefunden, zumal Verbesserungen während der Saison ausblieben.

Rosenkrieg und Versöhnung mit Renault

Dementsprechend wich der anfängliche Zweckoptimismus rasch der Frustration. Red Bull suchte fieberhaft nach einem anderen Motorenlieferanten, gab zwischenzeitlich die Trennung von Renault bekannt und stand dann ohne einen Antriebsstrang für 2016 da. In der Not wurde die Partnerschaft mit Renault neu geschmiedet - unter anderem Namen: Die Triebwerke im Heck von Red Bull heißen in der neuen Saison TAG-Heuer.

Über den Winter scheint - wohl auch aufgrund der werksseitigen Rückkehr von Renault - ein Schritt nach vorne gelungen zu sein. Leistung und Standfestigkeit machten bei den Vorsaison-Tests schon Mut. Das liegt auch an der Partnerschaft mit Motorbau-Legende Mario Illien. Der Schweizer war in den späten 90er Jahren für den überlegenen McLaren-Mercedes-Motor verantwortlich und soll seine Expertise in die Kooperation mit Renault einbringen.

Neues Chassis ist ein "Meisterwerk"

Auch aerodynamisch dürfte dem österreichischen Team, das seine Basis im englischen Milton Keynes hat, ein großer Wurf gelungen sein. Motorsport-Berater Helmut Marko bezeichnete den RB12 als "exzellent", Teambesitzer und Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz sprach gar von einem "Meisterwerk". Und das, obwohl sich das langjährige Design-Genie Adrian Newey seit Ende 2014 im Hintergrund hält.

Verbesserter Motor, meisterhaftes Chassis - die Konstante im Team ist die Fahrerpaarung. Der Australier Daniel Ricciardo geht in seine mittlerweile dritte Saison als Red-Bull-Fahrer, sein russischer Teamkollege Daniil Kvyat ist seit Anfang 2015 beim Team.

Hoffnung auf den dritten Platz

Die Testfahrten vor der Saison waren für Red Bull zufriedenstellend. Der Reifenverschleiß war vor allem in den Longruns gering, was angesichts der neuen Reifenregeln Mut macht. Auch die Rundenzeiten waren ansprechend. Die Laufleistung 2016 war hingegen der größte Fortschritt. "Wir sind dort mehr als die letzten zwei Jahre zusammen gefahren", lobte Marko die Leistung bei den Testfahrten in Barcelona.

Das Saisonziel für 2016 ist es, einen deutlichen Schritt nach vorne zu machen. Am Ende der vergangenen Saison reichte es nur zum vierten Platz in der Konstrukteurswertung, neben Dominator Mercedes und Ferrari musste man auch Williams den Vortritt lassen. Das soll sich heuer ändern. "Es wird ein harter Kampf hinter Mercedes und Ferrari zwischen Toro Rosso, Williams, Force India und uns", prognostiziert Marko. "Dort wird anfangs der Saison die Spannung des GP-Geschehens liegen."

"Wir sind bei weitem nicht dort, wo wir sein müssten. Aber am richtigen Weg. Nach dem Motor-Update, also spätestens Montreal, schauen wir, wo wir stehen. Dann wird die weitere Vorgangsweise beschlossen. Toro Rosso hat den 2015er-Motor von Ferrari, der ist derzeit sehr gut. Es gibt aber keine Weiterentwicklung, die werden ab Saisonmitte also zurückfallen."

"Im Auto ist der Fahrer eine Puppe"

Ende der vergangenen Saison stand ein Rückzug Red Bulls aus der Formel 1 drohend im Raum. Diese Gefahr besteht auch weiterhin, denn für Red-Bull-Boss Mateschitz ist es wenig reizvoll, um den dritten oder vierten Gesamtrang zu kämpfen. Sollte sich also nicht spätestens für 2017 abzeichnen, dass Red Bull wieder um den Titel fahren kann, dann ist ein Rückzug eine realistische Alternative.

Hoffnung setzt Marko in dieser Hinsicht vor allem in die geplante Regel-Revolution, die 2017 das Starterfeld wieder enger zusammenrücken lassen könnte. "Es geht in die Richtung, dass das Auto schneller und schwieriger zu fahren ist", meint er. "Damit trägt man dem Wunsch Rechnung, dass der Fahrer wieder mehr in den Vordergrund tritt und nicht die Ingenieure."

Vor allem im Vergleich mit der Motorrad-Weltmeisterschaft schneidet die Formel 1 für Marko momentan schlecht ab. "Der Fahrer steht in der MotoGP im Vordergrund. Es geht um die absolute Beherrschung in Extremsituationen. Das Motorrad schlingert und rutscht, das Vorderrad hebt sich. Es ist nicht technisch überzogen. Beim Auto ist der Fahrer mehr oder minder eine Puppe, das kriegen die Leute mit."