Sebastian Vettel of Germany walks in the paddock during a test at the Jerez racetrack in southern Spain, Thursday Feb. 7, 2013. (AP Photo/Miguel Angel Morenatti)

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Formel 1
06/29/2013

Vettel will für WM-Fadesse sorgen

Er dominiert wieder, doch Red Bull beschäftigt der Zwist mit Mercedes.

Sebastian Vettel ist ein Langeweiler, ein Spielverderber gar. Mit einem Doppelschlag binnen einer Woche bei den Heimspielen in Silverstone (für Red Bull) und auf dem Nürburgring könnte der Titelverteidiger schon vor Saison-Halbzeit eine Vorentscheidung in der WM erzwingen. Nach seinem überlegenen Sieg in Montréal plant der Deutsche beim britischen Grand Prix am Sonntag (14 Uhr MESZ/live ORFeins, RTL, Sky) ganz in der Nähe der Red-Bull-Rennfabrik den nächsten Machtbeweis. „Ich freu mich drauf. Es gibt hier einen schönen Siegerpokal, und ich würde gern wieder meinen Namen drauf lesen“, sagte Vettel.

Vor vier Jahren siegte er schon einmal in Silverstone, drei der letzten vier Rennen im „Home of British Motor Racing“ gewann Red Bull. Schon jetzt ist sicher, dass der 25-Jährige auch zum Nürburgring als WM-Führender kommen wird. Mit 132 Punkten hat Vettel 36 Zähler Vorsprung auf Ferrari-Mann Fernando Alonso. Lotus-Pilot Kimi Räikkönen liegt 44 Punkte zurück, Mercedes-Hoffnung Lewis Hamilton gar 55. „Diese Saison ist ein Auf und Ab“, warnte Vettel. Doch das gilt eher für die anderen.

Als einziger Fahrer im Feld hat Vettel in allen sieben Rennen dieses Jahres jede Runde absolviert, immer war er unter den Top vier. „Vettel hat jedes Mal das Maximum an Punkten herausgeholt“, sagt Verfolger Alonso. Eigentlich war genau das stets die Stärke des Spaniers. Doch heuer wankt der Doppelweltmeister. „Wir haben nicht mehr viel Raum für weitere Fehler“, sagt Alonso.

Streit

Spannender als der Kampf um den Titel ist derzeit der Konflikt zwischen Mercedes und Red Bull nach den exklusiven Reifentests der Deutschen. Das Werksteam wurde vor einer Woche von der FIA zu einer milden Strafe (Verwarnung und Ausschluss von den Nachwuchstests) verurteilt. Nun wurde bekannt, dass Red Bull angeblich den Abzug von 162 WM-Punkten gefordert hatte. Der österreichische Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff reagierte scharf: „Es gibt für mich eine Grenze, und die wurde von Red Bull überschritten. Ich habe es im Sport und in meinen 20 Jahren in der Wirtschaft noch nie erlebt, dass jemand so auftritt. Dauerhaft ist es nicht akzeptabel, dass ein Brausehersteller 100.000 Mercedes-Benz-Mitarbeitern vor der Nase herumfährt.“

Vorausgefahren ist Mercedes am verregneten Trainingstag – in Person von Nico Rosberg.

Bruchpilot

Gar nicht stark präsentierte sich im Training am Freitag wieder einmal Felipe Massa: Der Brasilianer beging einmal mehr einen Fahrfehler und krachte im zweiten Training mit seinem Ferrari hart gegen die Schutzwand.

Massa blieb unverletzt, der Ferrari war Schrott. Es war der vierte schwere Crash des 32-Jährigen innerhalb von fünf Wochen.

Vettel: "Mitsprache-Recht habe ich keines"

Hallo aus Silverstone!

Wie die meisten schon wissen, hat sich Mark heute dazu entschieden, seine Formel 1-Karriere nach dieser Saison zu beenden und demnächst für Porsche zu fahren. Die Situation ist dementsprechend ganz neu für uns und man merkt, dass sich alle erst an diesen Gedanken gewöhnen müssen. Auch wenn Mark und ich oft Schwierigkeiten hatten, haben wir uns im Großen und Ganzen doch immer respektiert. Wir haben noch eine lange Saison vor uns und ich weiß, dass wir die so gut es geht gemeinsam zu Ende bringen werden. Was danach geschieht, kann jetzt niemand sagen. Aber sicher ist, dass wir beide bis dahin alles geben werden, um das Team ganz nach oben zu bringen.

Weil die Situation so neu ist, gibt es auch nichts über angeblich neue Teamkollegen oder ähnliches zu berichten. Wir stecken mitten in der Saison und ich bin mir sicher, dass ein guter und passender Nachfolger für Mark gefunden wird. Mitspracherecht hab ich dabei natürlich nicht. Aber ich vertraue denjenigen, die eines haben und ich weiß, dass jemanden gefunden wird, der hilft, das Team noch weiter nach vorne zu bringen, das Auto noch besser zu machen und gemeinsam mit mir weitere Erfolge feiern kann. Aber wie gesagt – bis dahin ist es noch lange hin und wie sagt man so schön: Über ungelegte Eier sollte man erst gar nicht sprechen.

Worüber wir sprechen sollten ist natürlich das Rennwochenende, das vor uns liegt. Ich denke, dass uns der Sieg in Kanada wahnsinnig gut getan und uns definitiv in die richtige Richtung gepusht hat. Ich weiß, dass einige von einem "Fluch von Montréal" gesprochen haben, weil ich bis zu diesem Jahr noch nie gewinnen konnte. Ich denke, dass wir darauf eine gute Antwort gegeben haben. Wir können alles erreichen, wenn wir es nur wollen und vor allem einen kühlen Kopf behalten. Das war, zugegeben, in den letzten Wochen nicht ganz einfach, weil viel über Reifentests und die Qualität allgemein diskutiert wurde. Dass wir es trotz all dem geschafft haben, zeigt, wie stark wir sind. Genau diese Stärke müssen wir an diesen Tagen wieder auspacken und ich freue mich schon richtig, vor englischem Publikum Gas zu geben.

Ich melde mich nach dem Qualifying

Seb

Sebastian Vettel schreibt diesen Blog für Red Bull. Für aktuelle Infos besuchen sie auch sebastianvettel.de.

Der unbequeme Webber räumt das Cockpit

Ein letztes, wichtiges Mal behielt Mark Webber noch die Kontrolle. Nicht über seinen Rennwagen, nein, viel wichtiger, über seine Karriere.

Er selbst war es, der seinen Abschied von Red Bull, von der Formel 1, mit Saisonende bekannt gab. Der 36-jährige Australier bremste damit ein letztes Mal die Red-Bull-Verantwortlichen aus, die in der Sommerpause über die Personalie hätten entscheiden wollen.

Bei seinem Arbeitgeber kam Webbers Vorpreschen gar nicht gut an. „Eine Stunde Vorwarnung ist ein bisschen wenig“, sagte Christian Horner. Webber habe den Teamchef von Red Bull erst am Morgen informiert.

Doch Webber gab das Steuer nicht aus der Hand – und er wird es auch künftig nicht tun. Im selben Atemzug mit dem Abschied aus der Königsklasse gab der neunfache Grand-Prix-Sieger seinen Einstieg beim neu formierten Langstrecken-Projekt von Porsche bekannt. „Es ist mir eine Ehre, Porsche bei seiner Rückkehr nach Le Mans zu begleiten“, ließ Webber auf seiner Website verlautbaren, ehe er im Fahrerlager von Silverstone eintraf, wo am Sonntag der achte Saisonlauf gefahren werden wird.

Langer Atem

Der Große Preis von Großbritannien ist Webbers 204. Start bei einem Formel-1-Rennen, am Ende der Saison werden es 215 sein, 130 davon wird er für Red Bull gefahren sein. Neun Mal konnte er bisher gewinnen.

Das liest sich mager. Teamkollege Sebastian Vettel konnte bei 82 Versuchen am Steuer eines Red Bull 28 Mal gewinnen, dazu noch drei Weltmeisterschaften.

Webber benötigte mit 130 Versuchen so lange wie kein zweiter Pilot für seinen Premierensieg. „Du brauchst das richtige Auto zum Siegen“, sagte Webber im Juli 2010 im KURIER-Interview, „es gibt viele Fahrer, die das Potenzial für einen Sieg hatten, aber nie die Möglichkeit. Ich bin sehr dankbar für diese Chance.“

Die Bilanz wird Webber nicht gerecht. Seit 2007 leistete der Australier Aufbauarbeit bei dem jungen Red-Bull-Team, das aus den Resten des Jaguar-Rennstalls hervorgegangen war.

Offene Feindschaft

2009 kam Vettel – und mit ihm der Erfolg. Der deutsche Aufsteiger und der Spätstarter aus Australien bildeten ein ungleiches Duo. Doch sie dominierten. Als der erste WM-Titel vor ihnen auf der Strecke lag, verschlechterte sich das Klima zusehends. Die offen gelebte Feindschaft prägte die Königsklasse. Die Öffentlichkeit sah gespannt zu.

37 Rennen haben Vettel und Webber in ihren gemeinsamen Jahren bei Red Bull gewonnen, 13 davon als Erster und Zweiter. Das wird die Messlatte für den Nachfolger von Mark Webber sein.

Kandidaten für das begehrteste Cockpit, das die Formel 1 derzeit zu bieten hat, gibt es einige. Neben den aufstrebenden Piloten Daniel Ricciardo (Aus) und Jean-Eric Vergne (F) vom Schwesterteam Toro Rosso werden Kimi Räikkönen, 32, beste Karten eingeräumt, wie Red-Bull-Teamchef Christian Horner bestätigt: „Kimi wäre sicher eine Option, wenn er verfügbar wäre.“ Ist er. Der Vertrag des Finnen bei Lotus läuft aus. Red Bull ist eines der wenigen Teams, das sich das fürstliche Salär des Ex-Weltmeisters (rund 20 Millionen) leisten kann.

Räikkönens Kommentar fällt gewohnt ungewöhnlich aus: „Ich weiß, was ich will.“

Die Topverdiener der Formel 1:

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