Schumacher hofft auf das nächste Jahr

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Formel 1: Wie schon 2010 konzentriert sich Mercedes zur Saison-Mitte bereits auf die nächste WM.

Kannst du in 18 Runden 20 Sekunden herausholen?" Michael Schumacher konnte es. Der Triumph im Grand Prix von Ungarn 1998 gilt als eines der Meisterstücke des Rekordchampions und seines damaligen Ferrari-Chefstrategen Ross Brawn in der Formel 1. 13 Jahre später dürfte das Duo am Wochenende auf dem Hungaroring aber nicht nach dem Sieg greifen. "Realistisch gesehen sind unsere Ziele Platz sieben und acht", erklärte Schumacher.

Seit seinem Comeback für Mercedes im Vorjahr muss der siebenfache Weltmeister kleinere Brötchen backen. Noch keinen Podestplatz hat der 42-jährige Deutsche in den 29 Rennen seiner zweiten Karriere herausgefahren, ist stattdessen immer wieder mit Kollisionen im Mittelfeld aufgefallen. Das ist auch auf das Auto zurückzuführen, wenngleich Schumacher in der WM mit 32 Zählern auch hinter seinem Teamkollegen Nico Rosberg (46) liegt.

In den Qualifying-Duellen dieser Saison führt sein 16 Jahre jüngerer Landsmann gar 9:1 gegen Schumacher. "Im Rennen bin ich gar nicht so weit weg", meinte der Altmeister. An Resultaten könne man das nicht festmachen. Im Mittelpunkt stehe ohnehin der Plan, das Team konkurrenzfähiger zu machen. Schumachers Drei-Jahres-Vertrag läuft bis Ende 2012, daher konzentrieren sich auch die Arbeiten bereits auf das Auto für die kommende Saison.

Krasse Außenseiter

"Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir auf das nächstjährige Auto abzielen", verriet Schumacher. Das war von Mercedes aber auch schon Mitte der Vorsaison versprochen worden. Mit folgendem Ergebnis: "Wir sind ganz klar nicht dort, wo wir sein wollen", gestand Schumacher. "Wir wollten uns verbessern, keine Frage. Das ist uns aber nicht gelungen." Zwar seien die richtigen Schritte eingeleitet. "Zaubern können wir aber nicht."

Daher zählen Schumacher und Rosberg auch auf dem Hungaroring hinter den drei Topteams Red Bull, Ferrari und McLaren nur zu den krassen Außenseitern. Dabei hatte "Schumi" dort einige seiner größten Siege errungen - allen voran die taktische Meisterleistung von 1998, mit der ihn sein aktueller Teamchef Brawn an den überlegenen McLaren von Mika Häkkinen und David Coulthard vorbei mit einem zusätzlichen Boxenstopp zum Sieg dirigiert hatte.

Gelassen und beinhart

2001 krönte sich Schumacher mit seinem Sieg in Ungarn bereits am 19. August zum Weltmeister - früher als das jemals zuvor oder danach einem Piloten gelungen ist. Im Vorjahr sorgte der Deutsche aber auch mit einem gemeingefährlichen Manöver gegen Rubens Barrichello für Kopfschütteln. Im Kampf um Platz zehn (!) hätte Schumacher seinen einstigen Domestiken beinahe in die Boxenmauer gedrängt. Eine Entschuldigung folgte erst mit Verspätung.

So gelassen Schumacher mittlerweile nach außen mit ausbleibenden Erfolgen umgeht ("Ich bin eine Portion relaxter als ich es früher war"), so beinhart kann er im Zweikampf noch immer sein. Seinen Rekord vom WM-Titel bereits im August wird auch Landsmann Sebastian Vettel nicht brechen. Der Red-Bull-Pilot liegt nach zehn von 19 Rennen 77 Punkte vor Teamkollege Mark Webber. "Eigentlich kann er die WM jetzt nur noch verlieren", meinte Schumacher.

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Erstellt am 05.12.2011