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GP von Abu Dhabi
11/04/2012

Räikkönen gewinnt Krimi

Ferrari-Star Fernando Alonso wird in einem spannenden Rennen vor WM-Leader Sebastian Vettel Zweiter.

Viel mehr hätte für Sebastian Vettel an einem Rennwochenende eigentlich nicht schiefgehen können. Samstagabend Vettel wird in der Startaufstellung von Platz drei auf den letzten Rang versetzt, da er nach dem Qualifying zu wenig Benzin im Tank hat.

Start: Vettel beklagt bereits in der ersten Runde einen Schaden am Frontflügel. Trotzdem macht er innerhalb von vier Runden zehn Plätze gut.

Runde 14: In einer Safety-Car-Phase muss Vettel Toro-Rosso-Fahrer Ricciardo ausweichen. Er rammt ein Schild und muss an die Box den Frontflügel wechseln.

Runde 17: Vettel überholt außerhalb der Strecke und muss den Franzosen Grosjean wieder vorbeilassen.

Doch der 25-jährige Deutsche zeigte, warum er der Favorit auf den WM-Titel ist. Im spektakulären Rennen von Abu Dhabi kämpfte er sich mit einer fantastischen Aufholjagd von Platz 24 bis auf das Podest vor. Ein ähnliches Kunststück gab es zuletzt vor 19 Jahren: 1993 fuhr Damon Hill in Portugal von Position 26 auf Platz drei.

"Ich gebe zu, dass mir die zwei Safety-Car-Phasen geholfen haben", sagte ein hervorragend gelaunter Vettel. "Aber das Rennen wäre ein anderes gewesen, wäre ich von Rang drei gestartet."

So schrumpfte Vettels Vorsprung in der Weltmeisterschaft von 13 auf 10 Punkte. Denn Vettels einzig verbliebener Kontrahent Fernando Alonso holte aus dem Ferrari wieder einmal das Optimum heraus und fuhr auf Rang zwei. „Ich bin wirklich zufrieden. Ich konnte bis zuletzt um den Sieg mitfahren“, sagte der Spanier, ballte die Faust und schickte eine Warnung in Richtung Vettel: „Wir kämpfen bis zum Ende.“

Vorteil Vettel

Doch der Deutsche hat in zwei Wochen den ersten Matchball. Mit einem Sieg beim Grand Prix in den USA wäre er zum dritten Mal in Serie Weltmeister. Red-Bull-Teamchef Christian Horner war gestern bereits zuversichtlich: „Austin kennen wir alle nicht. Aber das letzte Rennen ist in Brasilien, da waren wir immer stark.“

Der stärkste Mann am Sonntag war ein Finne. Kimi Räikkönen gewann sein erstes Rennen nach seiner zweijährigen Rennpause, es war der 19. Sieg des Weltmeisters von 2007. "Ihr beklagt euch immer, dass ich so ernst schaue", sagte der 33-Jährige, der den Spitznamen Iceman trägt. "Aber heute freue ich mich wirklich."

Auf die Frage, was nach dem Sieg in ihm vorgehe, antwortete er gewohnt einsilbig: "Nicht viel." Räikkönen, der als einziger Fahrer jedes Rennen 2012 beendet hatte, profitierte auch vom großen Pech des Lewis Hamilton. Der Engländer war der mit Abstand schnellste Fahrer und lag in Führung, als er seinen McLaren nach 20 Runden mit einem Defekt an der Benzinzufuhr abstellen musste.

Glück im Unglück

Zwei Schutzengel hatten Narain Karthikeyan und Nico Rosberg. Dem Inder brach an seinem inferioren HRT die Lenkung, der Deutsche segelte mit seinem Mercedes wenige Zentimeter über den Kopf des Inders und krachte hart in die Streckenbegrenzung. Beide Piloten blieben unverletzt.

Das Titelduell im Überblick

Siegen ist schön – und kostet immer mehr

Siegen wird teuer. Der internationale Automobilverband FIA erhöhte die Gebühren für die Teams in der Formel 1. Ein Sieg kostet bald mindestens 125.000 Dollar. Je mehr Punkte ein Team sammelt, desto tiefer ist der Griff ins Portemonnaie.

Seit Jahren sind die Teams zum Sparen aufgerufen, erstmals müssen sie für ihre Punkte der FIA Prämien überweisen. Der Betrag für die Saison 2013 wird bereits am 30. November 2012 fällig – und errechnet sich aus den Ergebnissen des Vorjahres.

Ein WM-Punkt kostet demnach 5000 Dollar (3860 Euro). Der Gewinner der Konstrukteurswertung (in den vergangenen beiden Jahren Red Bull) muss pro Punkt 6000 Dollar (4630 Euro) berappen. Zudem wurde die Startgebühr von 399.800 Dollar auf 500.000 Dollar erhöht.

Zahlen macht Spaß

"Für die Teams, die unter den Top drei oder vier in der WM landen, macht es einen größeren Unterschied aus", kommentierte Mercedes-Teamchef Ross Brawn die Änderung und fügte mit britischem Humor hinzu: "Ich gebe zu: Wir wären froh, wenn wir das Problem hätten."

Die höchsten Gebühren hat das beste Team zu zahlen: Red Bull. Doch Teamchef Christian Horner antwortet auf die Gebührenerhöhung diplomatisch: "Wir verstehen einige der Gründe hinter der neuen Maßnahme und akzeptieren die Position der FIA." Zumal sein Team bei der Ausschüttung der TV-Einnahmen durch das Formula One Management von Bernie Ecclestone wiederum ganz oben steht. Denn dort wird das Geld nach den Platzierungen im Konstrukteurs-Klassement verteilt.

Dem Automobilverband wiederum dürften die Gebührenänderungen Einnahmen von etwa 16 Millionen Dollar (12,35 Mio. Euro) bringen.

Grand Prix von Abu Dhabi

Endstand nach 55 Runden:
1. Kimi Räikkönen FIN Lotus   1*
2. Fernando Alonso ESP Ferrari +0,8 1
3. Sebastian Vettel GER Red Bull 4,1 2
4. Jenson Button GBR McLaren 7,7 1
5. Pastor Maldonado VEN Williams 13,0 1
6. Kamui Kobayashi JPN Sauber 20,0 1
7. Felipe Massa BRA Ferrari 22,8 1
8. Bruno Senna BRA Williams 23,5 1
9. Paul di Resta GBR Force India 24,1 3
10. Daniel Ricciardo AUS Toro Rosso 27,4 2

Ausgeschieden: Lewis Hamilton (GBR/McLaren), Nico Hülkenberg (GER/Force India), Nico Rosberg (GER/Mercedes), Narain Karthikeyan (IND/HRT), Mark Webber (AUS/Red Bull), Romain Grosjean (FRA/Lotus), Charles Pic (FRA/Marussia)

*Boxenstopps

Nach 18 von 20 Rennen

1. Sebastian Vettel GER Red Bull 255
2. Fernando Alonso ESP Ferrari 245
3. Kimi Räikkönen FIN Lotus 198
4. Mark Webber AUS Red Bull 167
5. Lewis Hamilton GBR McLaren 165
6. Jenson Button GBR McLaren 153
7. Felipe Massa BRA Ferrari 95
8. Nico Rosberg GER Mercedes 93
9. Romain Grosjean FRA Lotus 90
10. Sergio Perez MEX Sauber 66
11. Kamui Kobayashi JPN Sauber 58
12. Nico Hülkenberg GER Force India 49
13. Paul di Resta GBR Force India 46
14. Pastor Maldonado VEN Williams 43
15. Michael Schumacher GER Mercedes 43
16. Bruno Senna BRA Williams 30
17. Jean-Eric Vergne FRA Toro Rosso 12
18. Daniel Ricciardo AUS Toro Rosso 10
Stand nach 18 von 20 Rennen

Nach 18 von 20 Rennen

1. Red Bull Racing 422
2. Ferrari 340
3. McLaren 318
4. Lotus 288
5. Mercedes 136
6. Sauber 124
7. Force India 95
8. Williams 73
9. Toro Rosso 22
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