Talent: Edwards spielte im Kinofilm seinen eigenen Vater.

© dpa/Thomas Frey

Todesfall
10/15/2013

Rennfahrer Sean Edwards verunglückt

Der 26-jährige Rennfahrer verunglückte am Dienstag bei einem privaten Fahrertraining in Australien.

Der britische Rennfahrer Sean Edwards ist tot. Der 26-Jährige starb am Dienstag nach Angaben seines Teamchefs Hans-Bernd Kamps bei einem privaten Fahrertraining auf dem Queensland Raceway in Willowbank/Australien.

Edwards saß bei dem Unfall auf dem Beifahrersitz. Er sollte am Sonntag im Rahmen des DTM-Rennens in Hockenheim für Kamps Porsche-Team aus Lohne das Saisonfinale im Porsche Carrera Cup bestreiten. Edwards führte das Klassement an.

In der Rolle des Vaters

Der Brite hatte im Mai für Mercedes unter anderem mit DTM-Rekordchampion Bernd Schneider das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gewonnen. Der Pilot war der Sohn des ehemaligen Formel-1-Piloten Guy Edwards. Im Kinofilm „Rush – Alles für den Sieg“ über Niki Lauda und James Hunt spielte Sean Edwards seinen eigenen Vater, der als einer der Lebensretter von Lauda bei dessen Unfall 1976 auf dem Nürburgring galt.

Laut australischen Medien war der Porsche 996 von Edwards, in dem ein 20-Jähriger aus Brisbane hinter dem Lenkrad saß, von der Strecke abgekommen und mit der Beifahrerseite in einen Reifenstapel geprallt. Edwards hatte nach Augenzeugenberichten keine Überlebenschance. Sein Schüler liegt dort auf der Intensivstation.

Rad an Rad nach Hollywood

Nach rund 560 Grands Prix in der Formel 1, von denen ich bei über 500 für den KURIER berichtet habe, steht die Saison 1976 immer noch scharf und denkwürdig vor mir. James Hunt gegen Niki Lauda, das war ein Duell, das die Welt weit über die Rennstrecke hinaus in seinen Bann zog.

Das war nicht der sterile Kampf Vettel gegen Alonso in einer steril gewordenen, überreglementierten Formel 1. Damals war alles wild und voller tödlichen Gefahren. Hunt und Lauda hatten – trotz grundverschiedener Wesenszüge – das Zeug zu Volkshelden: Hier Hunt, der Playboy und Pfeifmirnix, dort Lauda, der Streber und Saubermann.

Laudas Aufstieg war von logischem Denken geprägt. Mit von Willy Dungl verordneter Bio-Kost und gezieltem Fitnesstraining wollte er seinen Speed über die volle Distanz erhalten. Hunt labte sich an Fast Food und versüßte sich das Leben mit Alkohol und Frauen. Hunt war eher ein Arnautovic, Lauda war Lauda: clever, berechnend, voller Effizienz, der Herrscher im Ferrari-Team und ein Wahrheitsfanatiker.

Der Unterschied

Hunt wollte Weltmeister werden, schnelles Geld machen – und aufhören. Als Hunt Jahre später nur noch barfuß durch London radelte, hatte Niki längst seine Fluglinie.

Niki kam widerwillig zum Nürburgring. „Der Ring liegt mir im Magen“, sagte er. In einem Fiat-Coupé chauffierte mich Niki Donnerstagabend um den Ring. Plötzlich passierte etwas Seltsames: Ein Fan holte sich von Niki ein Autogramm, als Dank hielt er ihm ein Farbfoto vor die Nase: „Hier, Herr Lauda. Das ist für Sie. Ich war nämlich in Graz und habe dieses Foto vom Rindt-Grab geschossen.“

Niki schüttelte den Kopf. „Ein Wahnsinn, diese Leute! Was glaubst’, was ich manchmal für Briefe krieg’? Da steht drinnen: ,Lauda, wann dersteßen Sie sich endlich?‘“ Mit dem Farbfoto vom Rindt-Grab im Handschuhfach begannen wir den Nürburgring zu umkreisen. Dass Niki auf unserer Runde ausgerechnet bei Kilometer 10,5, jener Stelle, an der er drei Tage später verunglücken sollte, langsamer fuhr, mutet im Nachhinein bedrückend an. Seine Worte habe ich auf einem Recorder aufgenommen: „Jetzt fahrst du hier im Vierten runter, volles Rohr, würd’ sagen 240 bis 250. Schau, was da ist, wenn dir da ein Rad’l platzt. Da bist’ hin.“

Genau hier flog Lauda im Rennen in die Fangzäune.

Der Unfall

1. August 1976. Eine Stunde vor dem Start zum Großen Preis von Deutschland telefonierte ich mit der KURIER-Sportredaktion, und man sagte mir, die Reichsbrücke wäre eingestürzt.

Ich lief ins Fahrerlager zum kleinen Wohnwagen, in dem Niki gerade Abreißvisiere auf seinen Sturzhelm montierte. „Was glaubst’, was in Wien passiert ist“, rief ich ihm durch die Tür zu, „die Reichsbrücke ist eingestürzt!“ Niki legte den Helm beiseite und sagte: „Das gibt’s ja nicht.“

Wenig später passierte bei Kilometer 10,5 der Unfall. Der Ferrari brach in dem Linksknick mit dem Heck völlig unnatürlich nach rechts aus. Höchstwahrscheinlich brach die Radaufhängung. Die Autos hatten damals noch keinen Kohlefaserrumpf, sondern waren zerbrechliche Kisten aus Alublech.

Der Schmerz

Der Ferrari ging nach dem Anprall auf die Böschung in Flammen auf. Der Helm wurde Niki vom Kopf gerissen. Mit dem Ferrari segelte der dicht aufgefahrene Guy Edwards im Hesketh von der Bahn. Der nachkommende Brett Lunger knallte in den Ferrari, und auch Harald Ertl konnte der Straßensperre nicht ausweichen. Lauda saß ohne Sturzhelm, nur noch von der Asbestkapuze geschützt, für 50 Sekunden in den Flammen. Der herbeigeeilte Merzario sagte später: „Laudas Schreie waren furchtbar.“

Was sich zwischen dem 1. und 6. August 1976 abspielte, war schwer zu fassen. Niki rang in Mannheim mit dem Tod. Die BBC brachte Sondermeldungen, die österreichischen Zeitungen hatten nur zwei Themen: Laudas „Buserer mit dem Jenseits“, wie Profil ätzend schrieb, und den Einsturz der Reichsbrücke. Ferrari verkündete den Rückzug vom Rennsport. Die britischen Rennställe jubelten. James Hunt: „Der alte Enzo Ferrari muss schon sehr senil sein, wenn er so einen Entschluss trifft und auch noch sagt, das wäre im Geiste von Niki.“

Am 7. September, fünf Wochen, nachdem er die Intensivstation verlassen hatte, stieg Niki auf der Ferrari-Teststrecke in Fiorano ins Auto. KURIER-Fotograf Kristian Bissuti und ich durften im Privatflugzeug mit nach Bologna fliegen. Der Tag in Fiorano wird mir unvergesslich bleiben. Die Polizei hatte alles abgeriegelt, auf den Mauern hingen dennoch die Tifosi.

Der Rummel

Enzo Ferrari verfolgte Nikis Auferstehung mit todernstem Gesicht hinter einer Glastür. Der Rummel widerstrebte ihm, längst hatte er Lauda abgeschrieben. Mit Carlos Reutemann stand bereits sein Nachfolger mit süffisantem Grinsen parat. Laudas damalige Frau Marlene war empört: „Das ist ja ein Begräbnis erster Klasse.“

Spätestens jetzt war es Stoff für Hollywood: Lauda stieg aus dem Grab in den Rennwagen, mit verbranntem Gesicht. Er überwand die Angst und beschloss, fünf Tage später in Monza zu starten.

Der Entschluss

Im letzten Rennen in Japan musste die Titelentscheidung fallen. Hunt war der Titelsüchtigere, „aber sterben will ich nicht.“ In der Nacht vor dem Rennen kam der Regen. Nach zwei Runden fuhr Lauda an die Box, nahm den Sturzhelm ab und sagte: „Es gibt wichtigere Dinge im Leben als den WM-Titel.“

Ferrari-Rennleiter Audetto zog Niki zur Seite: „Sag, es war ein Motorschaden, sag, was du willst, erfinden wir eine Entschuldigung.“ Lauda erwidert: „Wir bleiben bei der Wahrheit. Unter solchen Bedingungen bin ich nicht gewillt, mich umzubringen.“

Nikis Entscheidung wurde zwischen „heroisch“ und „lächerlich“ eingestuft. Hunt wurde in Fuji Dritter und mit einem Punkt Vorsprung Weltmeister 1976. Drei Jahre später stieg Hunt aus der Formel 1 aus. Er starb 1993 mit 45 Jahren an einem Herzinfarkt.

Am Montag, rund zwanzig Jahre nach dem Tod seines Freundes und Rivalen, stand Niki auf dem roten Teppich und bewarb den Hollywood-Film „Rush“.

Das Leben von Niki Lauda und James Hunt

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