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09.01.2018

Matthias Walkner: "Ich bin vorsichtiger geworden"

Motorrad-Pilot Matthias Walkner macht in Südamerika Jagd auf einen Podestplatz.

Ein Wort genügt, um erkennen zu können, dass Matthias Walkner die Rallye Dakar inzwischen verinnerlicht hat. Es ist ein Wort, das er früher nie freiwillig in den Mund genommen hätte. Passionierter Gasgeber, wie der 31-Jährige nun einmal immer war.

"Dosiert."

Bei seiner vierten Teilnahme am härtesten Rennen der Welt weiß der Salzburger, dass der Pilot, der am schnellsten auf dem Motorrad unterwegs ist, nicht auch zwangsläufig am schnellsten im Ziel sein muss. "Ich bin dosiert bis ins Ziel gefahren", sagte Walkner erst wieder nach seinem dritten Platz bei der zweiten Etappe in Peru. "Nur mit Vollgas wirst du die Dakar nicht gewinnen. Da kommst du normal nicht durch."

Gestern verlor er als Zwölfter etwas an Boden, in der Gesamtwertung liegt er auf Rang sechs.

Matthias Walkner muss heute fast ein wenig schmunzeln, wie naiv er doch war, als er 2015 zu seiner ersten Dakar nach Südamerika aufbrach. Damals hatte er zum Beispiel nie geahnt, wie kalt es in den Anden mitunter werden kann. Bei seinem zweiten Antreten nahm der Kuchler dann schon vorsorglich eine beheizbare Unterwäsche und Expeditionskleidung mit auf sein Abenteuer. "Weil ich gemerkt habe: Wenn dir zu kalt ist, dann verbrauchst du viel zu viel Energie."

Bittere Erfahrungen

Matthias Walkner hat viele Lehren gezogen seit seiner Premiere vor drei Jahren. Damals hatte er als Neuling gleich einmal die dritte Etappe für sich entscheiden können – um dann am nächsten Tag freilich festzustellen, dass so ein Sieg auch Probleme mit sich bringt. "Weil der Sieger bei der nächsten Etappe als Erster fahren muss. Es ist immer feiner, wenn du irgendwelche Spuren siehst, an denen du dich orientieren kannst", erklärt Walkner.

Oder diese leidige Sache mit der Paella, von der Matthias Walkner bei seiner Premiere kostete, während andere Kollegen lieber hungerten. Sie war der Grund, weshalb es den Österreicher mit einem Magen-Darm-Virus aus dem Sattel und zur vorzeitigen Aufgabe zwang. Seit diesen schlechten Erfahrungen hat der 31-Jährige immer Lebensmittel aus der Heimat dabei und greift notfalls zur Flüssignahrung, "wie sie alte Leute oft kriegen. Ich geh’ da jetzt auf Nummer sicher."

Genauso verhält es sich beim Schlafen. Bei seiner ersten Dakar hatte Walkner wegen des Lärms im Fahrerlager in der Nacht oft kein Auge zugetan. "Überall wird an den Autos und Motorrädern geschraubt, da kannst du kaum einschlafen", berichtet Walkner, der mittlerweile stets Schlaftabletten mit im Gepäck hat.

Wichtige Lehren

Die schmerzhafteste Erfahrung musste Matthias Walkner aber vor zwei Jahren machen, als er sich bei einem schweren Sturz den Oberschenkel brach und monatelang außer Gefecht war. "Das war eine harte Zeit", erinnert sich der Österreicher, der spätestens seit dem folgenschweren Unfall sagt: "Ich bin definitiv vorsichtiger geworden."

Und damit fährt sich’s bei der Rallye Dakar besser, wie nicht zuletzt Walkners zweiter Gesamtplatz im vergangenen Jahr bewiesen hat. Bei seinem vierten Start ist der Salzburger nicht mehr bereit, unnötiges Risiko einzugehen. "Früher bin ich bei jeder Düne und überall rausgesprungen. Ich fahre heute sicherlich intelligenter. Lieber verliere ich bei einer Passage einmal zwei Minuten. Aber langfristig ist es sicher besser, auch einmal zu dosieren."