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04.06.2017

MotoGP: Rossis Heimrennen wird zur Gedenkfeier

Der Grand Prix von Italien in Mugello steht am Sonntag im Zeichen des verstorbenen Nicky Hayden.

In den sanften grünen Hügeln südlich von Bologna nördlich von Florenz liegt die beschauliche Landschaft Comunità montana del Mugello. Wanderer streifen durch die Wälder, Radfahrer vergessen die Sorgen des Alltags bei einer Tour über den Apennin, den 903 Meter hohen Passo della Futa. Der See ist eine Oase für Zug- und Wasservögel, Wildschweine schwärmen durch das Unterholz, sogar ein Rudel Apennin-Wölfe hat sich hier angesiedelt.

Doch ein Mal im Jahr ist es mit der Beschaulichkeit urplötzlich vorbei. Wenn das Autodromo del Mugello zum Austragungsort eines der spektakulärsten Rennen des Jahres wird, wenn tausende Rossi-Fans mit ihren Maschinen zur Strecke jagen, um ihr Idol zum Sieg beim Großen Preis von Italien (14.00/live ServusTV) zu brüllen.

Voller Einsatz

Auf keiner anderen Strecke sieht man die fahrende Motorrad-Legende mit mehr Hingabe seinem Beruf nachgehen, als in Mugello beim Großen Preis von Italien. Doch im Vorjahr fuhren die Fans enttäuscht nach Hause. Rossi war auf Rang zwei liegend mit einem Motorschaden ausgeschieden, der Spanier Lorenzo gewann das Rennen, Landsmann Marc Márquez am Ende des Jahres die Weltmeisterschaft.

Heuer kämpft der neunfache Weltmeister Rossi wieder um seinen zehnten WM-Titel. Seit 2009 hat der mittlerweile 38-Jährige die Weltmeisterschaft nicht mehr gewonnen. Einen Rückschlag erlitt er beim bislang letzten Rennen in Le Mans. Um den Sieg kämpfend stürzte er in der letzten Runde. Es feierte Yamaha-Teamkollege Maverick Viñales, der in der WM-Führung übernahm. Der Spanier liegt nach fünf Rennen bei 85 Punkten. Dahinter lauern Honda-Fahrer Dani Pedrosa (68), Rossi (62) und Márquez (58).

Rossis Vorbereitung auf das Rennen war nicht ideal. Am Donnerstag der Vorwoche verletzte sich der Italiener beim Motocrossfahren. Er kam mit Prellungen im Brust- und Rückenbereich noch glimpflich davon.

Das Rennen verspricht spannend zu werden, das Feld ist dichter zusammen denn je. Doch es geht an diesem Wochenende um mehr als die 25 Punkte für den Sieg. Nicky Hayden soll die letzte Ehre erwiesen werden. Der Weltmeister von 2006 starb am 22. Mai an den Folgen eines Fahrradunfalls.

Emotionale Tage

Die Stimmung bei Dani Pedrosa ist gedrückt: "Das Wochenende wird sehr emotional. Es ist hart, einen Freund zu verlieren, vor allem einen, dem man nach drei Jahren als Teamkollege sehr nahe stand. Ich erinnere mich daran, wie stark Nicky pushte, wie hart er kämpfte und nie aufgab, als er seinen Traum vom MotoGP-WM-Titel verfolgte." Marc Márquez erinnert sich: "Er war ein großartiger Fahrer und ein unglaublicher Mensch. Ich erinnere mich, als ich als 15-Jähriger am Beginn meiner WM-Karriere stand und er MotoGP-Weltmeister war."

"Nicky war einer der besten Freunde, die ich im Paddock je hatte", sagte Valentino Rossi zu motogp.com. "Die schönste Erinnerung, die ich von ihm habe, ist, als er mir nach dem unvorhersehbaren Rennen in Valencia 2015, zu seiner Ehrenrunde die Hand reichte. Für ihn war es das Goodbye zur MotoGP, während ich die Weltmeisterschaft verloren hatte. Sein unterstützender Blick durch den Helm, ist eine der schönsten Erinnerungen, die ich an diesen Tag habe."