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Sport | Motorsport
01/03/2019

Licht und Schatten: Michael Schumacher wird 50

Der beste Rennfahrer der Welt ist seit seinem Skiunfall vor fünf Jahren aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Nur Angela Merkel ist von Deutschlands Persönlichkeiten derzeit noch populärer als Michael Schumacher. In der News-Rubrik der Google-Suche kommt die Bundeskanzlerin auf 37 Millionen Treffer, der siebenfache Formel-1-Weltmeister wurde immerhin 28 Millionen Mal gesucht.

Und das, obwohl die letzte offizielle Meldung zu Michael Schumacher aus dem Jahr 2014 stammt. In diesem Monat wurde der zurückgetretene Rennfahrer nach seinem folgenschweren Skiunfall aus dem französischen Spital in seine Schweizer Wahlheimat nach Gland am Genfer See verlegt, wo er bis heute an seiner Rehabilitation arbeitet.

Seither herrscht Funkstille – zumindest von offizieller Seite. Schumachers Familie und sein Management achten penibel darauf, was zum Gesundheitszustand nach außen dringt: am besten gar nichts. An Spekulationen zum Gesundheitszustand des erfolgreichsten Formel-1-Piloten der Geschichte ändert das freilich nichts.

Skiunfall in Méribel

Vor allem rund um den Jahreswechsel 2018/2019 erreicht das mediale Interesse an der Person Schumacher neue Höhen. Das liegt auch an zwei Jahrestagen: Am 29. Dezember war es fünf Jahre her, dass Schumachers Leben an jenem Skihang in Méribel eine letzte, tragische Wendung nahm.Offizielle Diagnose: ein schweres, zeitweise lebensbedrohliches Schädel-Hirn-Trauma.

Am 3. Jänner wiederum wird Schumacher ein halbes Jahrhundert alt.

Das Jubiläum nehmen zahlreiche Medien rund um den Globus zum Anlass, die Ikone mit Spezialberichten ausgiebig zu feiern. In Deutschlands Medienlandschaft gehört die Michael-Schumacher-Serie derzeit zum Pflichtprogramm. Im Angebot ist alles, was der Journalismus zu bieten hat: von der interessanten Reportage aus seiner Geburtsstadt Kerpen bis zum widerlichen Voyeurismus aus seiner Reha. Nicht selten liest sich das eine oder andere Stück schon wie ein Nachruf. Denn vor allem eine Frage lässt sich auch heute nicht beantworten: Wie geht es Michael Schumacher wirklich? Im Juni 2014 gab es die bisher letzte offizielle Äußerung seiner Familie zu seinem Gesundheitszustand: Der Patient sei nicht mehr im Koma, er habe das Hospital verlassen und werde die „lange Phase der Rehabilitation“ nun fortsetzen.

Wer es wagt, der Antwort nahezukommen, bekommt rasch Post von den Anwälten des Rekordweltmeisters. Den letzten Aufreger lieferte der deutsche Bischof Georg Gänswein. Der schilderte im November 2018 in der Bild-Zeitung von einem Besuch bei Schumacher im Sommer 2016.

#keepfighting

Dass das Interesse nicht abnimmt, ist von seiner Familie durchaus gewollt. In den sozialen Netzwerken zählt Michael Schumacher zwei Millionen Fans, unter dem Schlagwort #keepfighting (Kämpfe weiter) werden täglich Hunderte Nachrichten abgesetzt.

Die PR-Maschine Schumacher läuft wie in seinen besten Rennfahrerjahren. Pünktlich zum 50. Geburtstag gibt es für alle Fans nun die „Offizielle Michael Schumacher App“ als Download. Management und Familie pflegen dabei exakt jene Strategie, die er selbst während seiner aktiven Karriere perfektioniert hatte. Wie sagte Schumacher im Jahr 2006: „Ich habe über viele Jahre gemauert und mich abgeschirmt. Rennsportfans hatten nie wirklich die Chance zu erkennen, wer denn dieser Schumacher in Wirklichkeit ist. Natürlich wollte ich von meinen Landsleuten immer mehr geliebt werden.“

Das wird er gerade jetzt.

Von der Popularität profitiert auch sein Sohn Mick Schumacher. An finanzieller Unterstützung fehlt es dem 19-Jährigen nicht. Michael Schumacher hingegen verbrachte seine Jugend nicht in Saus und Braus. Vater Rolf betrieb die Kartbahn in Kerpen-Manheim, Mutter Elisabeth den Kiosk an der Strecke.

Im Forbes-Ranking der reichsten Sportler der Geschichte rangiert Michael Schumacher mit einem Privatvermögen von einer Milliarde Dollar als erster Europäer auf Rang sechs. Eine Verfügung des Schweizer Friedensgericht in Nyon sieht vor, das Ehefrau Corinna Schumacher die Geschäfte ihres Mannes Michael abwickeln darf, da dieser laut einer Richterin „urteilsunfähig“ sei.

Wie der Vater, so der Sohn: Micks Weg in die Formel 1

Mit dem Aufstieg in die Formel 2 in diesem Jahr wird Mick Schumacher mehr denn je im Scheinwerferlicht stehen. Das Aussehen, der Gang, der Klang seiner Stimme – viele fühlen sich an den großen Michael erinnert, wenn sie Schumacher junior begegnen. „Ich bin froh, wenn man mich mit meinem Vater vergleicht. Er ist mein Idol, er ist der, zu dem ich aufschaue“, sagt der 19-Jährige.

Formel-3-Europameister

Mick nimmt den wachsenden Rummel zumindest äußerlich gelassen. „Das war immer so. Das ist normal für mich. Ich hatte die Zeit, da reinzuwachsen. Das hat mir sehr geholfen“, sagt Mick Schumacher. Dass er dem enormen Erwartungsdruck bislang gewachsen ist, bewies er spätestens mit seinem Triumph in der Formel-3-EM im vergangenen Jahr. In der neuen Saison fährt Schumacher in der Formel 2, die ihre Rennen im Rahmenprogramm der Formel 1 austrägt.

„Er ist ein ganz prächtiger junger Mann. Dass er so ausbalanciert ist, zeigt auch, wie die Familie das Ganze handhabt. Man findet bei Mick nicht mal einen Anflug von Arroganz oder übertriebenen Selbstbewusstseins“, lobt der einstige Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Der 66-Jährige hat Michael Schumacher vor rund 30 Jahren ein Stück auf seinem Weg in die Formel 1 begleitet.

Durchbruch in Spa

Im belgischen Spa-Francorchamps, wo Vater Michael 1991 sein erstes Formel-1-Rennen bestritt und 1992 seinen ersten Grand Prix gewann, holte sich Mick seinen Premieren-Erfolg in der Formel 3. „Wenn es ein Hollywood-Streifen wäre, würde man es nicht glauben“, sagt Norbert Haug. Denn plötzlich gelang Mick Schumacher Sieg um Sieg, bis ihm in Hockenheim der EM-Titel sicher war. „Das macht man nicht, weil die Sonne in den Auspuff scheint, sondern weil man mit Gaspedal und Lenkrad gut umgehen kann“, meint Haug.

Bevor er sich aber in die Formel 1 wagt, wolle er „zu 100 Prozent bereit dafür sein“, versichert Mick Schumacher. Ferrari und Mercedes haben bereits Interesse erkennen lassen. „Er hat großes Talent, wie es auch sein Vater hatte“, sagt Mercedes-Superstar Lewis Hamilton, der gerade seinen fünften WM-Titel holte und nun sogar die größten Rekorde von Michael Schumacher jagt.