Kein Feiertag für Jubilar Schumacher

Schumacher: "Der Rummel, die Prominenz, der Hype – danach habe ich mich nicht gesehnt."
Foto: ap

Kein Porträt, keine Abrechnung, sondern der Versuch, den erfolgreichsten Rennfahrer aller Zeiten zu definieren.

Vorweg die erfreulichste oder enttäuschendste Nachricht - je nachdem, wie es um die Sympathien bestellt ist: Michael Schumacher ist kein Gott.

Gott ist unfehlbar. Und Michael Schumacher? Weit davon entfernt. Es gab Zeiten, da musste man ernsthaft daran zweifeln, doch die zweite Karriere hat vieles wieder gerade gerückt im Mikrokosmos Formel 1.

Auch in Spa, wo die Qualifikation für ihn nach zwei Minuten beendet war. Der Große Preis von Belgien am Sonntag (14 Uhr) wird für Schumacher daher nur zur ganz großen Ehrenrunde.

Vor zwanzig Jahren drückte der heute 42-Jährige dort zum ersten Mal das Gaspedal eines Formel-1-Boliden und ließ es danach für lange Zeit nicht mehr los.

Unfassbar

Die Öffentlichkeit gratuliert, analysiert, kritisiert, kondoliert. "Es gibt wichtigere Dinge als Ruhm", hatte Schumacher vor wenigen Tagen zur Frankfurter Allgemeine Zeitung gesagt. Einmal mehr wurde jede Silbe des Rekordweltmeisters zerpflückt, einmal mehr bekam man ihn nicht zu fassen.

Vielleicht ist jede gestellte Frage zu viel und jeder gedeutete Gesichtszug überflüssig. Vielleicht muss man sich Michael Schumacher nähern, in dem man beschreibt, was er nicht ist.

Michael Schumacher ist zum Beispiel sicher kein Glamour-Boy. Sowohl Diamant-Ohrstecker als auch ein ausgeprägtes Party-Tiger-Image sind beim Deutschen eher schwer vorstellbar. Zumindest die eine oder andere Sause in einer Karaoke-Bar in der Nähe von Suzuka ist überliefert. Gerüchte, wonach es sich bei Schumachers Lieblingssong um "Zweierbeziehung" von Rainhard Fendrich handeln soll, konnten nicht bestätigt werden.

Michael Schumacher ist definitiv kein kollegialer Angestellter, der zum Wohle des Unternehmens gerne auch einmal zurücksteckt. Rubens Barrichello kann ein Lied davon singen. "Ich fahre lieber in einem beschissenen Honda, als bei Ferrari, wo mir gesagt wurde, was ich wann zu tun habe", sagte der Brasilianer, nachdem er bei den Italienern seine Kappe nahm/nehmen musste.

Michael Schumacher ist kein verständnisvoller Bruder, der den jüngeren auch einmal gewinnen lässt.

Trotz eines Verdienstes während seiner ersten Formel-1-Karriere von etwa einer halben Milliarde Euro ist Michael Schumacher kein Verschwender. "In Deutschland sind sie ja dumm, wenn sie mir kein Angebot machen und dafür gänzlich auf meine Steuergelder verzichten", sagte er, nachdem er seine Heimat Richtung Schweiz verlassen hatte.

Zur Feier des Jubiläums lud er in Spa übrigens zu Currywurst und Kölsch.

Gourmet ist er also auch keiner, der Jubilar.

(kurier) Erstellt am
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