Sport | Motorsport
02.07.2017

Große Namen: Die Erben der zwei National-Eiligen

Mick Schumacher und Fabian Vettel treten in die Fußstapfen ihrer prominenten Verwandten.

Es ist wie zu den besten Zeiten von Motorsport-Deutschland. Menschen mit knallroten T-Shirts und Kappen drängen sich minutenlang um einen knallroten Lkw, um genau gar nichts zu sehen. Kameras und Mobiltelefone befinden sich im permanenten Bereitschaftsmodus, um exakt nichts Herzeigbares fotografieren zu können.

Von Enttäuschung keine Spur. Mit ein wenig Glück hätte man ja ihn sehen können – genauer: den Sohn von ihm. Er, das ist Michael Schumacher. Rekordweltmeister der Formel 1, Auto-Gott, National-Eiliger – und seit bald vier Jahren nach einem Skiunfall komplett von der Bildfläche verschwunden. Eine mythische Figur, nicht erst seit jenem tragischen Tag im Dezember 2013.

Nun aber dreht sich sein Sohn im Kreis. Und für Mick Schumacher, 18, ist das Rennwochenende auf dem Norisring in Nürnberg sein erstes Heimspiel in der Formel 3. Genau deshalb sind Dutzende Menschen hierher spaziert, an das äußerste Ende des weitläufigen Fahrerlagers am ehemaligen Reichsparteitagsgelände, einen scheußlich-imposanten Ort der Weltgeschichte.

Publikumsmagnet

"Der Rummel ist noch ein Stück größer geworden", sagt Mick Schumacher, "ich wusste nicht genau, worauf ich mich einstellen musste." Er spricht ruhig und überlegt und ohne zu zögern.

Der Teenager und sein Management haben scheinbar das Beste aus den beiden Formel-1-Karrieren seines Vaters vereint. Alles wirkt so vertraut. Der in Rot gehaltene, italienische Prema-Rennstall unterhält einerseits beste Kontakte zu Ferrari, wird in der Formel 3 aber von Mercedes-Motoren angetrieben.

Noch ist offen, wer das Rennen machen wird um Schumacher junior, der als Talent gilt, nicht aber als Wunderkind wie Max Verstappen, der im selben Alter Grand-Prix-Sieger war.

Der Niederländer schloss sein Debütjahr in der Formel 3 als Gesamtdritter ab, eine ähnliche stolze Erfolgsbilanz kann Mick Schumacher nicht vorweisen. Sein Rennstall führt zwar überlegen die Gesamtwertung an, in der Fahrerwertung lag der Deutsche vor dem Rennwochenende in der Heimat allerdings nur an der zehnten Stelle. Gestern fuhr er im ersten von drei Rennen auf dem Norisring als Siebenter ins Ziel. In der Rookie-Wertung - jener Wertung für Debütanten - liegt er an der dritten Position.

Spätstarter

Von solchen ehrgeizigen Zielen ist wiederum Vettel weit entfernt. Richtig gehört: Vettel! Fabian Vettel. Der 18 Jahre alte Bruder von Formel-1-Star Sebastian, 29, ist der zweite prominente (Nach)-Name an diesem Wochenende. Fabian Vettel fährt seit dieser Saison im Audi-TT-Cup, einer Kundensportserie, die gerne im Rahmenprogramm von großen Motorsportveranstaltungen ihre Runden dreht.

Während Bruder Sebastian bereits im Kindergartenalter im Kart saß, ist Fabian Vettel ein Spätstarter. Den Kart- und Formel-Sport ließ er aus, weshalb eine Formel-1-Karriere gar nicht erst infrage kommt. Die ersten Rennsporterfahrungen machte er in einem umgebauten VW Polo auf dem Parkplatz des Hockenheimrings.

Aufgewachsen ist er quasi im elterlichen Wohnmobil, das mit Bruder Sebastian einst von Rennen zu Rennen getingelt ist. Eine Zeit, die Fabian Vettel nicht missen will: "Ich konnte so immer mit der Familie zusammen sein. Das haben nicht alle." Mit dem berühmten Namen müsse er umgehen lernen, "es ist nix Schlimmes".

Fabian Vettel träumt von einem festen Engagement im Tourenwagensport. Es wird nicht leicht, das weiß er: "Ziel kann man das nicht nennen." Nächstes Jahr schließt er die Schule ab, danach könnte er sich ein Ingenieurstudium vorstellen. "Ich brauche einen Plan B."

So einen Satz hat man von seinem Bruder nie gehört.