Im Moment dreht sich in der Formel-1-Welt alles um den Zustand des 25-jährigen Marussia-Fahrers Bianchi.

© APA/EPA/AHMAD YUSNI

Ungewissheit
10/06/2014

Die Formel 1 tappt nach Bianchi-Unfall im Dunkeln

Der Unfall von Jules Bianchi in Japan schockiert die Renngemeinde und wirft einige Fragen auf. FIA leitet Untersuchungen ein.

von Philipp Albrechtsberger

Geschockt und theatralisch reagierte die Formel-1-Welt auf den Unfall von Jules Bianchi in Japan am Sonntag. Der Franzose war mit seinem Marussia seitlich in einen Kran gekracht, der gerade dabei war, Adrian Sutils Sauber zu bergen. Bianchi schwebte auch noch am Montag in Lebensgefahr.

Es war nass und düster, als der 25-Jährige die Kontrolle über seine Boliden verlor. "Wenn drei oder vier Fehler auf einmal begangen werden, sind die Folgen verhängnisvoll", schrieb die spanische Marca. Es war ein Crash, der Fragen aufwirft:

  • Hätte das Rennen früher abgebrochen werden müssen?
    Das Rennen in Suzuka ist stets ein Grenzfall. Wegen der Übertragungszeiten im TV-Kernmarkt Europa wird der Grand Prix zu später Ortszeit gestartet. Kommen widrige Bedingungen und Safety-Car-Phasen dazu, wird es eng mit dem Tageslicht. Auf eine frühere Beginnzeit konnten sich Chefvermarkter Ecclestone und Streckenbesitzer Honda nicht einigen. "Es war in den 15 Jahren, seit ich die Rennen an der Strecke verfolge, die dunkelsten Bedingungen, die ich bisher erlebt habe", sagte Williams-Ingenieur Rob Smedley. Die Pfützen auf der Rennpiste waren schwieriger auszumachen – das bereitete vor allem den Piloten in den schlechteren Autos Probleme. Sutil: "Wenn in den langen Kurven ein bisschen Aquaplaning kommt, hat man keine Chance mehr." Dagegen gab WM-Titelanwärter Nico Rosberg (Mercedes) an: "Wir haben ein Auto mit so viel Abtrieb, dass wir kaum Tempo rausnehmen mussten." Der Rennleitung Fahrlässigkeit vorzuwerfen, ist nur bedingt zulässig. In der Anfangsphase ließ man das Safety Car lange auf der Strecke, um so wenig als möglich zu riskieren. Auch deshalb bekam man am Ende Probleme mit dem Tageslicht.
  • Wussten die Piloten über die Bedingungen Bescheid?
    Die Piloten wurden mit doppelt gelben Flaggen gewarnt. Das bedeutet laut Reglement, dass der Pilot in der Lage sein muss, zu jedem Zeitpunkt anzuhalten. Zusätzlich signalisieren eine LED-Leuchttafel und Warnsignale im Cockpit die Gefahr.
  • Haben einige Piloten zu viel riskiert?
    Die langgezogene Kurve 7 gilt als Kriterium. Im Trockenen wird der 300 Meter lange Linksbogen mit 190 km/h angefahren, an seinem Ende haben die Piloten auf Tempo 260 beschleunigt. Bei Nässe sind es immer noch 180 km/h. Bei doppelt gelben Flaggen sollten die Piloten deutlicher vom Gas gehen. Williams-Pilot Valtteri Bottas erläutert das Dilemma: "Allerdings ist man in dieser Kurve gerne etwas schneller unterwegs, weil man den Schwung für die schnelle Bergaufpassage mitnehmen muss."
  • Wie verliefen Erstversorgung und Abtransport?
    Das Medical Car war umgehend zur Stelle. Der Rettungshubschrauber stand nicht mehr zur Verfügung, da die einbrechende Dunkelheit eine gefahrlose Landung unmöglich machte. Aber auch ohne Hubschrauber verliefen Erstversorgung und Abtransport reibungslos. "Das ging recht schnell. Es wurde eigentlich alles korrekt gemacht", sagte Augenzeuge Sutil.

FIA leitet Untersuchung ein

Der Internationale Automobilverband (FIA) hat eine Untersuchung des schweren Unfalls von Formel-1-Pilot Jules Bianchi eingeleitet. Wie die britische Zeitung The Telegraph (Dienstag) berichtete, hat FIA-Präsident Jean Todt den Rennleiter Charlie Whiting zu einem entsprechenden Bericht aufgefordert.

Alexander Wurz, der Vorsitzende der Fahrervereinigung (GPDA), riet laut autosport.com den Piloten, sich nicht zu dem Unfall zu äußern, solange nicht alle Umstände geklärt seien. "Wir müssen den Experten die Zeit geben, alles zu analysieren", sagte der Ex-Formel-1-Pilot und warnte vor voreiligen Schlüssen.

Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone sprach sich unterdessen für eine Untersuchung durch externe Experten aus.

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