Di Grassi erster Sieger eines Formel-E-Rennens
Lucas di Grassi heißt der erste Sieger eines Formel-E-Rennens. Der Brasilianer vom deutschen Team Audi Sport ABT gewann den Auftakt in die neue Motorsport-Serie in Peking vor dem Franzosen Franck Montagny vom Team Andretti und dem Briten Sam Bird (Virgin Racing).
Di Grassi profitierte allerdings von einem Horrorcrash, der sich wenige Meter vor dem Ziel ereignete. Der Wagen des an zweiter Stelle gelegenen Deutschen Nick Heidfeld wurde bei dessen Überholmanöver vom Auto des führenden Nicolas Prost touchiert. Heidfelds Wagen wurde in die Luft geschleudert, krachte gegen die Streckenumrandung und überschlug sich auf dem Kurs im Olympiapark von Peking mehrfach. Heidfeld konnte sich selbstständig aus dem schwerbeschädigten Auto befreien.
Di Grassi, der kurz vor Rennende noch hinter Prost und Heidfeld gelegen hatte, fuhr unbedrängt zum Sieg. "Das fühlt sich großartig an", sagte der Brasilianer. "Aber diesen Unfall in der letzten Kurve mag niemand sehen. So will keiner gewinnen", betonte der Südamerikaner. Er sei vor allem froh, dass es Heidfeld gut gehe und die Autos so sicher seien.
Wut
"Damit es alle wissen: Mit geht es gut...körperlich...Hätte es gewinnen können/sollen/wollen. Jetzt nichts...", twitterte Heidfeld. Wütend war der 37-Jährige umgehend zu Prost gelaufen, nachdem er aus dem völlig demolierten Wagen des Venturi-Teams von Mitbesitzer Leonardo di Caprio gekrochen war.
Prosts Vater Alain, Teambesitzer in der neuen Formel E, schüttelte in der Box ungläubig den Kopf über die rüpelhafte und hochgefährliche Aktion seines Zöglings, die womöglich nachträglich noch bestraft werden könnte. "Ich konnte ihn nicht sehen und habe versucht, ihn vorbei zu lassen", behauptete Nicolas Prost - auf der Strecke hatte das zuvor allerdings anders ausgesehen. Als Heidfeld links an ihm vorbeiziehen wollte, zuckte er mit seinem Wagen kurz vor der letzten Kurve in Richtung des Deutschen.
Bis zu dem heftigen Unfall von Heidfeld war das Rennen mit 25 Runden auf dem Kurs im Olympiapark von Peking weitgehend störungsfrei verlaufen. "Jetzt kommt unsere Arbeit nach zweieinhalb Jahren zum ersten Höhepunkt", betonte Formel-E-Chef Alejandro Agag kurz vor dem Start. "Es ist eine Zukunftsvision", sagte der Präsident des Internationalen Automobilverbandes FIA, Jean Todt, sichtlich stolz und zufrieden, als er mit Agag durch die Startaufstellung mit den umweltfreundlichen Rennwagen flanierte.
Zur Formationsrunde kamen drei Autos nur schwer in Fahrt, beim Start lief alles glatt. Prost verteidigte seine Pole Position, die er sich rund drei Stunden zuvor bei dem komprimierten Ein-Tages-Event gesichert hatte. Dahinter reihte sich di Grassi ein.
Nach einem Crash von Ex-Formel-1-Pilot Bruno Senna musste in der zweiten Runde das Safety Car auf die Strecke, die Autos konnten so Energie in ihren Akkus sparen. Als Gewinner des ersten Wagenwechsels - die Batterie-Power reicht nicht für ein ganzes Rennen - durfte sich Heidfeld fühlen. Er machte noch einmal zwei Plätze gut und nahm die Verfolgung von Prost auf, die dann unmittelbar vor dem Ende jäh und brutal endete.
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