Sport | Motorsport
05.12.2011

25 Jahre Hungaroring

Ostblock-Flair, Kabinenparty und Bernies exklusive Avenue. Alles Dinge, die man mit dem Hungaroring verbindet.

Es war vor genau 25 Jahren - und es war ein gewagter Plan. Inmitten des Kalten Krieges, zu einer Zeit, als Perestroika und Glasnost noch kaum Begriffe waren, wagte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone den historischen Schritt in einen neuen Markt. 1986 veranstaltete Ungarn den ersten Grand Prix im damaligen Ostblock.

Das Sinnbild des kapitalistischen Gewinnstrebens fiel im kommunistischen Ungarn ein - Werbebanden verstellten die Landschaft, die Piloten spazierten als wandelnde Litfaßsäulen herum. "Die erzkapitalistische Raserei vor Werbekulissen will die Intervision des Ostblocks von Prag bis Moskau und bis in entfernte sibirische Blockhütten übertragen", schrieb der Spiegel im Jänner 1986.

Der Zeitpunkt von Ecclestones Vorstoß nach Osten war wohlüberlegt: 1985 fand der Grand Prix von Südafrika aufgrund der zunehmenden Unruhen wegen der Apartheid zum vorerst letzten Mal in Kyalami statt, und in Europa hatten die Veranstalter mit massiven Zuschauereinbrüchen zu kämpfen. Nur 45.000 Fans kamen auf den Nürburgring, gar nur 11.000 zum Grand Prix von Portugal nach Estoril.

Euphorie

Im Ostblock hingegen herrschte motorsportlicher Nachholbedarf. Auch Moskau und Prag hatten Interesse an einem Rennen angemeldet, doch nur in Ungarn fand Ecclestone "die Mentalität vor, die zur Durchführung eines WM-Laufes unerlässlich ist". Sprich: Verständnis für den Kapitalismus. 260.000 Zuschauer kamen am ersten Wochenende an die Strecke, 120.000 alleine am Rennsonntag. Fans aus Österreich und Deutschland füllten die Hotel-Betten in Budapest und brachten wichtige Devisen ins Land.

"Die Ungarn waren so stolz, dass sie einen Grand Prix hatten", erinnert sich der Engländer Martin Brundle, der damals im Tyrrell-Renault an den Start ging. "Aber das Wochenende war anders als alles, was wir zuvor erlebt hatten. Wenn man ein Leihauto wollte, musste man ganz früh reservieren. Dafür hat man einen Lada bekommen. Wer später dran war, ist im Trabant gefahren. Und wenn du noch langsamer warst, hat's gar nichts gegeben."
Auch heute noch strahlen die hässlichen alten Stahlrohr-Tribünen Ostblock-Flair aus, doch der Hungaroring ist nach drei Veränderungen am Layout der Strecke in der Gegenwart angekommen.

Sympathie

Die Meinungen der Fahrer über den langsamsten permanenten Kurs der Saison sind gespalten; es gibt kaum Überholmöglichkeiten, der Belag ist wellig. Die Fans hingegen lieben die Strecke, die vor 25 Jahren ins öde Hügelland nordöstlich von Budapest gebaut wurde. Sie campen an den Hängen, vernichten Unmengen an Bier, hissen Fahnen, spielen die Musik aus ihrem Land. In Ungarn sind "I Am From Austria" und "Kabinenparty" die Hits.

Bis zu 20.000 Formel-1-Fans aus Österreich pilgern Jahr für Jahr zum Grand Prix nach Ungarn, der nach dem Aus für Spielberg 2004 zum Heimrennen geworden ist. 85 Prozent der Zuschauer kommen aus dem Ausland. Viele aus Deutschland und einige aus Finnland und Dänemark. Die verbringen anschließend ihren Urlaub am Plattensee oder weiter südlich. Auch Polen sind da, trotz des verletzungsbedingten Fehlens von Robert Kubica.

Doch nicht nur den Zuschauern ist das Rennen in den vergangenen 25 Jahren ans Herz gewachsen. Auch Bernie Ecclestone zählt den Hungaroring zu seinen Lieblingsstrecken und gewährte den Veranstaltern sogar Sonderkonditionen. Somit ist der Grand Prix zumindest bis 2016 gesichert.

Die Ungarn danken es ihm. Von der Autobahn zur Strecke führt die "Bernie Avenue".