Mayers Verschwörungs­the­o­rien

Gefragter Mann: Walter Mayer war wieder einmal im Zentrum des Interesses. Das Urteil empörte ihn enorm.
Foto: apa

Der zu teilbedingter Haft verurteilte Ex-Trainer Walter Mayer geht in Berufung und wähnt sich als Opfer einer großangelegten Intrige.

Letzter großer Auftritt für den Entertainer Walter Mayer am Wiener Landesgericht. Dutzende Reporterteams aus dem In- und Ausland erfahren ziemlich unverhofft am späten Abend des dritten und letzten Verhandlungstages das Urteil im Dopingprozess gegen den ehemaligen Skilanglauftrainer, der durch beachtliche Erfolge, vor allem aber durch spektakuläre Dopingaffären in die Schlagzeilen geraten war.

15 Monate Haft, teilbedingt. Sieben Wochen müsste der 54-jährige Salzburger Mayer einsitzen, die Untersuchungshaft von 2009 würde angerechnet werden. Das Urteil nach dem Anti-Doping-Gesetz und dem Arzneimittelgesetz ist nicht rechtskräftig. Der frühere Betreuer des ÖSV erhielt zwar Schützenhilfe von ehemaligen Schützlingen wie Ex-Weltmeister Alois Stadlober (was Staatsanwältin Nina Weinberger nicht sonderlich überraschte, "da beim Thema Doping auf Teufel komm' raus geschwiegen wird"), doch andere Zeugen belasteten Mayer schwer.

In der Urteilsbegründung heißt es: Walter Mayer hat zwischen Dezember 2005 und Anfang 2009 zum Zwecke des Dopings im Sport Wachstumshormon, anabole Steroide, Epo und mindestens 20 Packungen Dynepo in einer Menge, die geeignet war, eine Gesundheitsgefährdung bei einer größeren Anzahl von Personen zu bewirken, erworben.

Die Opferthese

Die Arzneimittel habe Walter Mayer "an nicht mehr feststellbare Sportler weitergegeben", wie Richterin Katharina Lewy mittwochabends ausführte. Mayer, der sich als Opfer einer Verschwörung wähnt und den Prozess gegen ihn als eine Art abgekarteten Showact interpretiert ("Das geschah auf Anordnung von IOC-Präsident Rogge und Sportminister Darabos"), will gegen das Urteil ankämpfen. Seine Verteidiger haben bereits Rechtsmittel eingebracht.

Die Urteile gegen drei weitere Beschuldigte: Kraftsportler R., der zugegeben hat, Mayer regelmäßig mit Doping-Präparaten versorgt zu haben, erhielt 18 Monate bedingt. Der Apotheker, von dem R. die Mittel bezogen hatte, fasste ebenso sieben Monate bedingt aus wie eine Krankenschwester, die an Blutmessungen und Infusionen teilgenommen hat. Der Apotheker erbat sich Bedenkzeit, die Urteile der beiden anderen Mitangeklagten sind rechtskräftig.

Die Blutbankiers

Mehrere Zeugen hatten es vorgezogen, nicht zu erscheinen, darunter die mit Spannung erwarteten Verantwortlichen der Firma Humanplasma. Mayer soll mit den Blutbankiers zwischen 2003 und 2006 gemeinsame Sache bei verbotenen Blutabnahmen gemacht haben.

Diese Causa ist zwar nicht Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen (Blutdoping ist erst seit 2008 gesetzlich verboten), doch dürfte ein Prozess wegen Abgabenhinterziehung anstehen, zumal die verbotenen und teuren Abnahmen nicht dem Finanzamt gemeldet wurden. Walter Mayer hat angekündigt, im Falle eines Humanplasma-Prozesses eine große Vorstellung abliefern zu wollen.

Die Geständige

Kurz nach dem Mayer-Urteil wurde in Wien gegen Lisa Hütthaler verhandelt. Die Ex-Triathletin war bereits 2009 vor Gericht gestanden. Damals musste sich Hütthaler wegen Bestechung verantworten, da sie eine Labor-Mitarbeiterin mit Geld überreden wollte, ihre B-Probe zu fälschen. Das brachte ihr fünf Monate Haft ein. Wegen ihres Geständnisses verzichtete der Richter im am Donnerstag zu Ende gegangenen Prozess auf eine weitere Strafe.

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