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Marlies Schild
02/15/2013

Die große Jagd auf die Slalom-Königin

Titelverteidigerin Marlies Schild gibt im letzten WM-Rennen ihr Comeback nach der Verletzungspause.

von Stefan Sigwarth, Christina Pertl

Die Königin kam, herzte die Kolleginnen, posierte mit ihrem Hofstaat für die Fotografen – und verschwand in ihren Gemächern. Marlies Schild hatte bereits am Vortag zum versammelten Journalistenvolk gesprochen. Über ihre Blitzheilung nach dem Innenbandriss im Dezember („ein Geschenk“), ihren WM-Start („ein Versuch“) und ihre Erwartungen („keine“).

Dem hatte die amtierende Slalom-Queen auch am Tag vor der Krönungsmesse 2013 (10 und 13.30 Uhr, live ORFeins) nichts mehr hinzuzufügen. Außer: „Ich freu’ mich aufs Rennen.“ Sprach’s, lächelte und war auch schon wieder in den Weiten des Hotels Pichlmayrgut verschwunden.

Das Wunder scheint perfekt, die Hoffnung auf die Sensation lebendig. Wie gut die 31-jährige Titelverteidigerin 58 Tage nach ihrem Trainingssturz aber wirklich in Form ist, kann niemand so genau sagen. Vielleicht will man es auch nicht verschreien, vielleicht sind sie scheu, diese Wunder. „Sie fährt sicher ganz anständig“, sagt Damen-Cheftrainer Herbert Mandl. „Sie hat schon wieder eine recht ordentliche Form. Wie die Wettkampfform ist, wird man dann am Samstag sehen“, stimmt Technik-Trainer Günter Obkircher zu, auch er spart nicht mit dem Wort „anständig“.

Die Gejagte

Ordentlich? Anständig? – Das klingt nach Ministranten-Casting und nicht nach der erfolgreichsten aktiven Slalom-Läuferin, der nur mehr ein Weltcupsieg auf die 34 Erfolge von Rekordhalterin Vreni Schneider (CH) fehlt. „Wer Marlies und ihre Routine kennt, der weiß, dass ihr viel zuzutrauen ist“, ist sich Bernadette Schild sicher. Die 23-jährige Salzburgerin ist froh, die acht Jahre ältere Schwester bei der WM dabei zu haben: „Ich war sehr lange sehr skeptisch und bin sehr überrascht, dass es ihr so gut geht. Für mich ist das natürlich voll cool“, erzählt die jüngere Schild-Bürgerin im Skizirkus, die ihren Startplatz im Slalom-Quintett guten Saisonergebnissen wie dem sechsten Platz in Flachau verdankt.

Neben Marlies Schild gehen zwei weitere Medaillengewinnerinnen für Österreich an den Start. Nicole Hosp (Bronze in St. Moritz 2003) nimmt die Jagd nach dem dritten WM-Erfolg nach Team-Gold und Kombi-Bronze gelassen: „Wenn’s noch einmal klappt, ist das wunderschön. Wenn nicht, werd’ ich auch nicht traurig sein.“

ALPINE SKI-WM IN SCHLADMING: TIROLBERG- HOSP

ARCHIVBILD: MIACHEALA KIRCHGASSER

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ARCHIVBILD: MARLIES SCHILD

SKI WELTCUP FINALE - SLALOM DAMEN: ZETTEL (AUT)

Kathrin Zettel (Silber in Garmisch 2011) will im letzten WM-Bewerb volles Risiko nehmen: „Das musst du auch, das tun alle.“

Und Michaela Kirchgasser, Team-Weltmeisterin und Vierte in der Kombination, wird sich das Rennen vom vergangenen März noch einmal ansehen. Als Motivation, denn beim Saisonfinale war die 27-jährige Salzburgerin als Schnellste im Ziel.

Zur Riege der Favoritinnen zählt einmal mehr Tina Maze, die 29-jährige Slowenin, die bereits Gold im Super-G und Silber in Superkombi und Riesentorlauf holte. Maria Höfl-Riesch (D/Siegerin in Levi), Veronika Velez Zuzulova (Slk/München und Semmering) und Mikaela Shiffrin (USA/Åre, Zagreb, Flachau) sind die erfolgreichsten Jägerinnen nach der Krone von Marlies Schild.

Shiffrins WM-Debüt ist erst der Anfang

„Ihre Unbekümmertheit ist ihre Stärke.“ Das wäre ein Weg, um sich Mikaela Shiffrin anzunähern. Aber die 17-jährige Amerikanerin ist natürlich noch viel mehr als einfach nur unbekümmert. Sie ist dreifache Saisonsiegerin im Slalom; sie war bei ihrem Schladminger WM-Debüt im Riesenslalom ausgezeichnete Sechste (so gut war sie im Weltcup noch nie); und sie gilt als wertvollste Zukunftsaktie, die der Damen-Skisport zu bieten hat.

Der Schladminger Trubel lässt sie kalt, da können die Zehntausenden Fans noch so schreien. „Sie helfen mir eher, als dass sie mich bremsen“, sagt Shiffrin. „Ich muss nur fokussiert bleiben.“ Laut eigener Aussage ist sie übrigens nur da „um Erfahrungen zu sammeln, ich betrachte mich in diesem Slalom nicht als Favoritin“.

"Habe Gelernt, das Rennfahren zu lieben"

Wobei ihr die vermeintliche Außenseiterrolle immer schon gefallen hat. „Ich wollte immer meinen um zwei Jahre älteren Bruder Taylor im Skifahren schlagen.“ Bald nahm sie es auch mit anderen Burschen auf; egal, bei welchen Bedingungen, bei Regen, bei Schneetreiben. „Ich habe gelernt, das Rennfahren zu lieben“, sagt Mikaela Shiffrin, die seit 14 Jahren auf den Brettern steht, die ihr die Welt bedeuten.

Als Mikaela acht Jahre jung war, übersiedelte die Familie von Vail (WM-Gastgeber 2015) an die US-Ostküste nach Vermont, wo in der Burke Mountain Academy jener Rohdiamant geschaffen wurde, der nun im Skiweltcup für Aufsehen sorgt.

Der ganze Medienrummel bringt Mikaela Shiffrin nicht von ihrem Pfad ab. Mit ein Verdienst ihres Vorarlberger Managers Kilian Albrecht, nicht zuletzt aber auch eine weitere jener Gaben, die ihr in die Wiege gelegt worden sind.

Die Zusammenarbeit mit Shiffrin, sagt ihr österreichischer Trainer Roland Pfeifer, sei „ganz leicht. Sie ist einfach eine außerordentliche Athletin.“ Dazu ein Vergleich: Für die drei Weltcupsiege der 17-Jährigen musste eine gewisse Lindsey Vonn (damals Kildow) 21 Jahre alt werden.