© APA/HELMUT FOHRINGER

Sport
08/02/2012

Markus Rogan disqualifiziert

Bitterer Abschied in einem Wellenbad der Gefühle: Der kurzen Hoffnung folgte grenzenlose Enttäuschung.

Markus Rogan hat zum letzten Mal angeschlagen. Dem entsprechend angeschlagen schaute der Wiener auch aus der Wäsch`, also aus der Badehose, als er im Aquatics Centre nach 200 m Lagen auftauchte. Die Zeit von 1:58,81 Minuten leuchtete hinter seinem Namen, wenige Sekunden später blinkte "DSQ" auf, das Zeichen für Disqualifikation.

Der 30-Jährige hatte bei der Wende von Rücken auf Brust laut Regel 7.1 einen technischen Fehler begangen. Was ihn auch nicht beruhigen wird: Die Zeit hätte nur zum 9. Platz gereicht, er hätte also das Finale so wie so verpasst. Trotzdem legte Rogan Protest ein, weil er wusste, dass ein schnellerer Kontrahent auf den Start beim Finale verzichten werde. Und siehe da, der Südafrikaner Le Clos zog seine Teilnahme zurück, Rogan wäre damit als Achter im Finale noch mit von der Partie gewesen, wenn ...
... der Protest nicht nach einer Stunde abgewiesen worden wäre.

Ryan Lochte war übrigens Schnellster (1:56,13) vor Laszlo Cseh (1:56,74) und Michael Phelps (1:57,11).

Die Angst

So viel hatte sich Rogan vor seinem letzten internationalen Wettkampf vorgenommen. In Höchstform sei er, hatte der beste Schwimmer, den es in Österreich je gab, wissen lassen. Aber: Gelassenheit sieht anders aus. "Ich kämpfe im Semifinale um eine Karriere-Verlängerung um 24 Stunden. Ich bettle, ich beiße, ich kämpfe und schreie um einen Tag noch", sagte er nach dem Vorlauf, wo er sich in 1:58,66 als Achter für das Semifinale qualifiziert hatte.

Für den Abend hatte er Großes geplant, er musste sich selbst einbremsen. "Das Ego, das ohnehin schon so groß ist, darf ich nicht noch weiter wachsen lassen."

Zumindest das ist Markus Rogan gelungen.

Das Kopfschütteln

In den vergangenen Tagen hatte der Mann wiederholt für Kopfschütteln gesorgt. Vor allem mit seinen Aussagen in der Ö3-Sendung "Frühstück bei mir". Dort sagte er: "Ich glaube, es ist ein Riesenvorteil, wenn du weniger denkfähig bist. Es gibt einen guten Grund, warum die richtig guten Sportler nicht viel im Kopf haben, weil da ist der Kopf nicht im Weg."

So gesehen war Rogan am Mittwoch kein richtig guter Sportler, der viel im Kopf hat.

Auch Kollege Sebastian Stoss konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen. Nach seinem 34. Platz unter 35 Teilnehmern über 200 m Rücken sagte der Wiener: "Ich weiß nun, dass ich zu den intelligentesten Rückenschwimmern gehöre."

Im Aquatic Centre war der Teufel los. 17.000 waren Augenzeugen, als der Ungar Daniel Gyurta die Abend-Session mit einem goldenen Weltrekord über 200 m Brust eröffnete (2:07,28). Die US-Amerikanerin Rebecca Soni legte im Semifinale über 200 m Brust nach – 2:20,00.

Das Becken war also bestens aufgewärmt, als die Lagen-Helden einmarschierten. Rogan kam als Sechster. Er war fokussiert, blickte wild entschlossen. Mit jenem Selbstvertrauen ausgestattet, das ihn berühmt gemacht hat. Wie immer, kniete er nieder und spritzte sich Wasser auf die breite Brust.

Dann ging er baden.

"Ich verstehe den Kampfrichter nicht. Ich kenne ihn, habe mit ihm genau diese Wende trainiert. Ich verstehe es nicht."

Die Gefühlslage? "Ich kann nichts sagen, nur, dass ich mir mein letztes Rennen etwas anders vorgestellt habe." Tränen zum Abschied.

Eine große Karriere ist zu Ende gegangen.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Porträt

  • Bilder

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.