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Bolt kämpft gegen den Lauf der Zeit
Was ist nur mit Usain Bolt los? Der Sprint- Star läuft vor der WM der Form früherer Jahre hinterher.
Zumindest eine Sache ist schon einmal geklärt: Wenn sich nicht noch sein Iliosakralgelenk in Erinnerung ruft oder ihm kurzfristig etwas anderes in den Sinn kommt, dann wird Usain Bolt der Leichtathletik-WM in Peking (22. bis 30. 8.) die Ehre erweisen.
Aber trotz seiner Startzusage bleiben viele offene Fragen rund um den schnellsten Menschen der Welt, dem das Geheimnisvolle schon die gesamte Karriere über an den Fersen heftet. Jahrelang hatte die Öffentlichkeit gerätselt, wie jemand mit so einer spielerischen Leichtigkeit nur so schnell laufen kann. Mittlerweile herrscht allerorts Verwunderung darüber, wie selten dieser Usain Bolt seit einiger Zeit noch auf Tartanbahnen anzutreffen ist.
Vor der WM, bei der Bolt drei Titel (100 und 200 Meter, Staffel) zu verteidigen hat, fragen sich die Leichtathletik-Fans zu Recht: Wie fit ist der Jamaikaner eigentlich? Macht ihm das Laufen überhaupt noch Spaß? Und wird er jemals wieder in der Lage sein, Zeiten wie zu seinen besten Weltrekordzeiten zu sprinten? "Ich kann definitiv wieder dieses Level erreichen", versichert der 28-Jährige. "Je mehr Rennen ich laufe, desto besser fühle ich mich."
Aufholbedarf
Aber genau das ist das große Dilemma des größten Sprinters der Gegenwart. Bolt hat heuer auch wegen eines blockierten Iliosakralgelenks (das ist die Verbindung zwischen Kreuz- und Darmbein) erst einen ernst zu nehmenden Wettkampf in den Beinen, und die 9,87 Sekunden, mit denen er die 100 Meter in London gewann, waren kein Bewerbungsschreiben für WM-Gold. Mit dieser Zeit ist der Jamaikaner im Jahresranking nur die Nummer sechs, vor allem Justin Gatlin macht dem Weltrekordhalter Beine. Der Amerikaner unterbot heuer vier Mal die 9,80 und ist seit 22 Monaten ungeschlagen. "Ich bin immer noch die Nummer eins, Gatlin wird meinen Weltrekord nie brechen", sagt Bolt nur.
Erklärungsbedarf
Doch sogar in seiner Heimat wird er inzwischen kritischer beäugt. Nach den vielen Absagen fragt die Zeitung Jamaica-Gleaner: "Rennt Bolt vor den Niederlagen davon?"
Bolt läuft jedenfalls vermehrt beim Après-Leichtathletik zur Höchstform auf. In Kingston laufen immer mehr Beschwerden gegen den Star ein. "Er ist ein Partyclown", beschwerte sich eine Nachbarin und berichtete von "fürchterlicher Musik, Motorrädern und Geschrei". Die Süddeutsche nannte Bolt einen "alternden Popstar".
Und wie reagiert der? Er freue sich auf die WM im Olympiastadion in Peking, in dem er 2008 mit offenen Schuhbändern zu Olympia-Gold gesprintet war. "Ich habe gute Erinnerungen an diese Stadt." Sprach’s und sagte rasch noch einen Termin ab: Das Letzigrund-Meeting in Zürich wird im September ohne Bolt über die Bühne gehen. Nach der WM benötige er eine Schaffenspause.