Köpferollen bei den Dopingjägern

APAAPAGIN01 - 171102008 - WIEN - OESTERREICH: ZU APA SI - Der Geschaeftsfuehrer der neuen Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) Andreas Schwab, waehrend eines Interviews mit der Austria Presse Agentur am Donnerstag, 13. November 2008, in Wien. APA-FOTO: H
Foto: APA Abschied: Andreas Schwab muss seinen Sessel als Geschäftsführer der Anti-Ddoping Agentur räumen.

Kahlschlag in der Nationalen Anti-Doping-Agentur. Geschäftsführer Schwab und die Kommission gehen.

Es war ein Paukenschlag mit Ansage. Zu viel war in den letzten Wochen und Monaten vorgefallen, zu laut war die Kritik am Wirken der Nationalen Anti-Doping Agentur, kurz NADA, geworden. Aufregungen und Affären, die nun Konsequenzen nach sich ziehen: Andreas Schwab, der umstrittene Geschäftsführer der NADA, wird abgelöst, alle Mitglieder der Rechtskommission werden ihrer Ämter enthoben.

Der personelle Kahlschlag soll einen Imageschaden für den österreichischen Sport im Allgemeinen, für die Dopingbekämpfung im Besonderen verhindern. "Einen personellen Neustart halte ich im Interesse des Kampfes gegen Doping für den richtigen Schritt", erklärte denn auch Sportminister Norbert Darabos. "Damit kann in der Öffentlichkeit wieder das notwendige Vertrauen zur NADA aufgebaut werden."

Tonbandprotokoll

Die Glaubwürdigkeit und Seriosität der Anti-Doping Agentur war zuletzt durch ein Tonband infrage gestellt worden. Ein geheimer Telefon-Mitschnitt von Ex-Langläufer Christian Hoffmann, der im Dezember zu einer sechsjährigen Sperre verurteilt worden war, hatte die eigenwilligen Praktiken bei der Entscheidungsfindung der NADA-Rechtskommission offenbart.

Sportminister Darabos hatte unverzüglich eine umfassende Überprüfung und Aufklärung angeordnet. Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten – auch nicht die ersten Reaktionen auf die Personalrochaden bei der NADA. "Ich finde das einen Superzug", sagte etwa Dinko Jukic, "der Herr Sportminister hat meine volle Unterstützung."

Kritik

Der Wiener Schwimmer hatte im Vorjahr ebenfalls negative Erfahrungen mit der NADA gemacht. Im Sommer 2011 war gegen Jukic ein Doping-Verfahren eingeleitet worden, nachdem er aus "hygienischen Gründen" einer Trainingskontrolle nicht nachgekommen war. Nach etlichen Verhandlungen war Jukic schließlich im Oktober freigesprochen worden. Mit der Rechtskommission geht der Schwimmer hart ins Gericht: "Die stellen ohnehin nur irgendwelche Behauptungen in den Raum, verhandeln wie sie wollen und kassieren 100 Euro Honorar pro Stunde", poltert Jukic. "Bei mir haben sie 30 Stunden verhandelt."

Interessenskonflikt

Auch die Rolle von Ex-Geschäftsführer Schwab findet Jukic fragwürdig. Dessen Sohn Matthias zählt zu den größten Golf-Talenten des Landes. Jukic ortet grobe Missstände. "Jeder, der einen gesunden Menschenverstand hat, erkennt diesen Interessenskonflikt. Ich hätte gerne gesehen, was die Leute sagen, wenn mein Vater NADA-Chef wäre und meine Schwester Mirna Olympia-Gold gemacht hätte."

Nach dem Paukenschlag sollen bereits in den nächsten Wochen die personellen Weichen bei der NADA gestellt werden. Denn so mancher fürchtet nun eine rechtsfreie Zone für Sportler, die dopen wollen. "Dadurch, dass jetzt in einem Aufwischen alle entfernt wurden, ist zu befürchten, dass ein gewisses Vakuum entsteht. Dieses könnte wiederum von Sportlern, die dopen wollen, ausgenützt werden", meint Leichtathletik-Coach Wilhelm Lilge, ein unermüdlicher Anti-Doping-Aktivist. "Bis neue Leute für diese Funktionen gefunden und diese eingeschult sind, wird viel Zeit vergehen. Ich bezweifle, dass irgendetwas besser wird", meint Lilge.

Andreas Schwab wollte sich gegenüber dem KURIER nicht äußern.

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(kurier) Erstellt am
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