Klitschko: "Keine Angst vor dem Tod"

Gezeichnet von der Risikosportart Boxen: Klitschko nach seiner Niederlage gegen Lennox Lewis 2003.
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Box-Weltmeister Witali Klitschko spricht nach dem Ableben seines Vaters über den Tod und das Thema Sterbehilfe.

Anfang Juli hatten die Klitschko-Brüder Witali (40) und Wladimir (35) ihr gemeinsames Lebensziel erreicht. Sie zementierten durch Wladimirs Punktsieg gegen David Haye endgültig ihren Alleinanspruch auf die Krone im Schwergewichtsboxen. Alle relevanten Weltmeistergürtel befinden sich seit damals in ihrem Besitz.

Mitte Juli, knapp zwei Wochen nach dem sportlichen Triumph, wurden sie durch den Tod ihres Vaters vom Schicksal eingeholt. Wladimir Klitschko senior, ehemaliger Sowjet-Offizier im Tschernobyl-Einsatz, erlag mit 64 Jahren einem hartnäckigen und langwierigen Krebsleiden. Wladimirs Kampf gegen Haye verfolgte er noch von einem Hamburger Krankenbett aus.

Witali, der ältere der beiden Brüder, bereitet sich seit wenigen Tagen in Going auf seine Titelverteidigung (WBC) gegen den Polen Tomasz Adamek am 10. September im polnischen Wroclaw vor.

"Das Recht zum Sterben"

Gezeichnet von der Risikosportart Boxen: Klitschko nach seiner Niederlage gegen Lennox Lewis 2003. Foto: ap Gezeichnet von der Risikosportart Boxen: Klitschko nach seiner Niederlage gegen Lennox Lewis 2003.

"Es war eine schwierige Zeit und ich wusste nicht wirklich, wie ich damit umgehen soll", beschrieb der Zwei-Meter-Hüne im Interview mit dem Hamburger Abendblatt die Tage nach dem Ableben seines Vaters. Seinen eigenen Kindern hat der Boxer noch nichts erzählt: "Wir haben noch nicht den Mut gefunden, es ihnen zu sagen und ich weiß auch noch nicht genau, wie wir es machen werden."

Durch die Stationierung des Vaters in Tschernobyl erlebten auch seine Söhne das Reaktorunglück aus nächster Nähe. Witali versucht, das Thema nicht zu nahe an sich heran zu lassen. "Wir haben ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Man muss das wissen, aber man darf nicht ständig daran denken, sonst wird man verrückt im Kopf", gab er der Zeitung zu Protokoll.

Angesprochen auf das brisante Thema Sterbehilfe bezog Klitscho eine klare Position: "Jeder Mensch, der nicht die Kraft zum Durchhalten hat, sollte das Recht zum Sterben haben. Wer Schmerzen nicht ertragen will, dem sollte geholfen werden, einen leichteren Abgang zu bekommen." Weil die Brüder als Profiboxer einen schlimmstenfalls lebensgefährlichen Beruf ausüben, haben sie eine Vereinbarung getroffen. Sollte einer nicht mehr in der Lage dazu sein, über seine medizinische Betreuung zu entscheiden, fällt diese Verantwortung dem anderen Bruder zu.

Die Angst vor dem eigenen Tod bestreitet Klitschko: "Ich habe davor keine Angst, wir können sowieso nicht ändern, dass wir sterben müssen."

Sportliche Herausforderung

Gezeichnet von der Risikosportart Boxen: Klitschko nach seiner Niederlage gegen Lennox Lewis 2003. Foto: ap Gezeichnet von der Risikosportart Boxen: Klitschko nach seiner Niederlage gegen Lennox Lewis 2003.

In den Tiroler Bergen, wo mittlerweile die Sparringskämpfe zur Vorbereitung auf den Adamek-Kampf begonnen haben, darf sich Witali solche Gedanken nicht erlauben.

Mit dem Polen trifft der 40-Jährige Ukrainer, wie zuvor sein Bruder gegen Haye, auf einen Aufsteiger aus dem Cruisergewicht. Adamek, der schon Weltmeister im Halbschwergewicht (WBC) und Cruisergewicht (IBF) war, hält bei 44 Siegen (28 durch K.o.) und einer Niederlage. Der mittlerweile in New Jersey (USA) lebende 34-Jährige kann sich in Wroclaw der Unterstützung des polnischen Heimpublikum sicher sein. Gepaart mit seinen außergewöhnlichen Nehmerqualitäten ist der Weltranglistendritte (boxrec.com) Adamek sehr wohl ein würdiger Herausforderer für den Weltmeister. Nachteile bei Kampfgewicht und Schlagkraft machen ihn aber dennoch zum krassen Außenseiter.

(KURIER.at) Erstellt am
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