Sport
02.08.2017

Kitzbühel: Ofner und Melzer im Viertelfinale

Sebastian Ofner eliminierte die Nummer Eins des Turniers, Pablo Cuevas, Gerald Melzer schlug den Qualifikanten Santiago Giraldo.

Er ist der "shooting star" im österreichischen Tennis, der auch international schon für Furore gesorgt hat. Der 21-jährige Sebastian Ofner hat am Mittwoch in Kitzbühel sensationell den topgesetzten Pablo Cuevas aus Uruguay besiegt. Der Steirer gewann nach exakt zwei Stunden mit 6:3,2:6,7:6(3) und steht bei seinem ersten ATP-Tour-Turnier unter den letzten acht.

Ofner, der in Wimbledon bei seinem ersten Rasenturnier und erstem Grand-Slam-Turnier aus der Qualifikation heraus bis in die dritte Runde vorgestoßen war, schickt sich an, auch bei seiner Kitzbühel-Premiere ganz weit zu kommen. Denn im Viertelfinale muss er sich vor dem Argentinier Renzo Olivo, dem 118. im ATP-Ranking, keinesfalls fürchten.

Denn wer die Nummer eins des Turniers aus dem Bewerb nimmt, der hat alle Möglichkeiten. Es war vor rund 4.000 begeisterten Zuschauern im Stadion ein Match auf des Messers Schneide zwischen dem Youngster aus der Steiermark und dem abgebrühten Weltranglisten-27. Ofner begann sehr stark, schaffte gleich ein Break zum 2:0 und hatte schon nach 26 Minuten den ersten Satz mit 6:3 in der Tasche.

Es hat ganz gut gepasst

Ofner, der im gesamten Match immer wieder mit seiner krachenden, beidhändigen Rückhand auch sehenswerte Winner entlang der Linie schlug, ließ danach etwas nach. Cuevas, der sein erstes Kitz-Match nach einem Freilos spielte und sich wohl auch erst an die Höhenlage anpassen musste, steigerte sich hingegen. Beim Stand von 5:2 für Cuevas, 15:30 Aufschlag Ofner musste das Match wegen eines einsetzenden Unwetters für fast 90 Minuten unterbrochen werden.

Zwar verlor Ofner nach Wiederbeginn schnell seinen Aufschlag und damit den Satz. Doch im dritten Durchgang wurden die Karten neu gemischt. "Es war ein bisserl schwierig, weil ich den zweiten Satz relativ glatt verloren habe. Aber ich habe dann im dritten gesagt, jetzt gebe ich noch einmal alles und geschaut, dass ich bei meinen Aufschlag-Spielen solide bin", resümierte Ofner später. "Es hat ganz gut gepasst."

Besonders knapp vor dem Aus stand Ofner bei 4:5 und 0:30 bei eigenem Aufschlag. Der ÖTV-Vertragsspieler, der seit einem Jahr in Kooperation des ÖTV mit der Akademie von Günter Bresnik trainiert, fing sich aber und rettete sich ins Tiebreak. "Ich war froh, dass ich ins Tiebreak gekommen bin. Es waren doch ein paar brenzlige Situationen bei meinen Aufschlag-Spielen. Im Tiebreak habe ich mir nur gedacht, dranbleiben, fokussiert sein, so locker wie möglich."

Vor einem halben Jahr noch weitgehend unbekannt, peitschten die begeisterten Zuschauer den Jungstar zur Sensation. "Als ich den Ball zum 5:1, den Vorhand-Longline-Winner geschlagen habe, da habe ich kurz Gänsehaut gehabt. Weil so etwas habe ich noch nie erlebt", erinnerte sich Ofner an den tosenden Applaus kurz vor dem Sieg im Tiebreak.

Auch Melzer im Viertelfinale

Nach dem 6:3,2:6,7:6(3)-Erfolg des Weltranglisten-157. Ofner über Cuevas, der Ofner übrigens erstmals in die Top 150 hieven wird, folgte ihm auf dem Center Court von Kitzbühel auch Gerald Melzer. Der Vorjahres-Halbfinalist bewies, dass ihm die Höhenlage in der Gamsstadt liegt, und besiegte den kolumbianischen Qualifikanten Santiago Giraldo nach 81 Minuten mit 6:3,7:6(1). Er trifft nun nicht auf Titelverteidiger Paolo Lorenzi (ITA-3), sondern auf Joao Sousa (POR), der den Italiener 6:7(5),6:4,6:1 bezwang.

"Heute habe ich wenig anbrennen lassen. Das Break, das ich im zweiten Satz bekommen habe, da hat er sehr gut gespielt und viel Risiko genommen", sagte der 27-jährige Melzer, dessen verletzter Bruder Jürgen diesmal aus der Ferne zuschaut. Nun scheint auch dem jüngeren Melzer Kitzbühel auch als Schauplatz endgültig ans Herz gewachsen zu sein. "Ja, absolut. Für mich war es immer der größte Wunsch, in Österreich gut zu spielen. Das ist mir jahrelang nicht gelungen, aber seit letztem Jahr fühle ich mich super wohl und genieße es einfach, da drinnen zu stehen."

Gegen Joao Sousa hat Melzer bisher erst einmal beim Davis Cup im Vorjahr in Portugal gespielt. Damals hatte Sousa auf Hartplatz in der Halle mit 3:0-Sätzen gewonnen. Doch am Donnerstag ist der Weltranglisten-150. "Gastgeber" und spielt auf seinem Lieblingsbelag Sand. "Ich habe damals ziemlich eine auf den Deckel bekommen, aber ich glaube, dass es da ein bisserl anders wird. Ich werde schauen, dass ich ihm mein Spiel aufzwingen werde", hoffte Melzer.

Melzer schiebt sich mit dem Erfolg wieder in die Top 130 zurück. An die Rückkehr in die Top 100 bzw. die fixe Qualifikation für die US Open will er aber nicht denken. "Nein, ich habe mich oft genug zerstört an diesem Ziel, dass ich im Grand-Slam-Hauptbewerb sein möchte. Ich schaue einfach, dass ich viele Siege kriege und körperlich fit werde."