Sport
05.12.2011

Kein Urlaub für die Football-Idealisten

Am Samstag startet Österreich in die Football-Weltmeisterschaft. Im Trainingslager in Wolfsberg holte sich das Team den letzten Feinschliff.

Ferienzeit. Urlaubszeit. Endlich Zeit für die Familie, für ein gutes Buch im Liegestuhl, für einen Cocktail am Strand mit Blick in den Sonnenuntergang.

Doch da gibt es diese Gruppe von 45 Enthusiasten, die sich ihren Jahresurlaub für etwas anderes aufgespart haben. Für ein spezielles Projekt: die Football-WM im eigenen Land. Nur auf den ersten Blick fühlt man sich im sonnigen Wolfsberg an Urlaub erinnert: Vögel zwitschern über der Lavanttal-Arena, die Jugend spielt auf den Beachvolleyball-Plätzen. Im Freibad tollen Kinder herum, an den Hängen weiden Kühe.

Doch ein Blick auf den Trainingsplatz des österreichischen Teams zeigt die Realität: Pünktlich zu Beginn des Nachmittagstrainings setzt Regen ein. Zuerst noch schwach, innerhalb von Minuten wird aus dem Nieseln ein heftiger Wolkenbruch. Die Stimmung bleibt gut, die Spieler nehmen es mit Gelassenheit und Humor.

Voller Einsatz

Zwei bullige Linemen krachen aufeinander, ein Kicker trifft zwischen die Goal-Posts, der Quarterback wirft einen präzisen 45-Yards-Pass. Die Anweisungen kommen vom US-amerikanischen Headcoach Rick Rhoades und seinen sechs Assistenz-Trainern auf Englisch, untereinander sprechen die Spieler deutsch.

Begleitet werden sie von zwei Physiotherapeuten, zwei Masseuren, einem Arzt und zwei Equipment-Managern. 60 Personen umfasst der Tross. Ein Hauch von NFL weht über den Trainingsplatz.

Doch im Gegensatz zu den millionenschweren Superstars aus der besten Liga der Welt sind die österreichischen Football-Nationalspieler allesamt reine Amateure. Ohne Frauen oder Freundinnen und ohne Kinder verbringen sie heuer ihren Urlaub; zwei Mal täglich schwitzen sie beim Training unter ihrer schweren Ausrüstung; dazu kommen drei taktische Meetings.

Ob die Schinderei etwas gebracht hat, wird man am Samstag beim ersten Spiel in Graz sehen, wenn Japan der WM-Gegner der Österreicher ist (UPC-Arena, 15 Uhr/live ORF Sport Plus). "Die Stimmung im Trainingslager war fantastisch", sagt Headcoach Rick Rhoades. "Alle Spieler sind total fokussiert. Die Energie und der Enthusiasmus geben uns Selbstvertrauen."

Hohes Ziel

Ein Mindestziel gibt Rhoades aber nicht aus. Ganz im Gegensatz zu Christoph Gross: "Wir wollen eine Medaille", sagt der Quarterback der Österreicher. "Das haben sich unsere Fans verdient."

Voraussetzung dafür wäre allerdings ein Überraschungssieg gegen Japan oder einer gegen Kanada am Montag, also gegen eine Nation mit einer starken College-Liga. Ein schweres Unterfangen, aber die Spieler wissen um die Einzigartigkeit des Events Bescheid. "Das Jahr 2011 ist das sportliche Highlight meiner Karriere", sagt Christoph Gross. "Den Spielern ist klar, worum es geht. Wir sind total fokussiert. Und wir wissen alle ganz genau: Das ist kein Urlaubstrip."

Denn klassischen Sommerurlaub gibt es für die Österreicher keinen, was auch die Familien der Aktiven zu akzeptieren lernen mussten. Die Väter unter den Spielern nutzten den freien Sonntag, um ihre Kinder zu besuchen. "Als sie zurückgekommen sind, hat man ihnen den neuen Elan richtig angemerkt", sagt Gross.

Doch am Samstag ist das Team ganz auf sich gestellt. Quarterback Gross fiebert dem Auftakt gegen Japan entgegen. Schon seit Monaten: "Ich freue mich darauf, bei der Hymne unten auf dem Feld zu stehen. Und darauf, beim ersten Spielzug den Ball in der Hand zu haben." Denn dann geht's los.

Gruppe A (Innsbruck)
USAAustralien, DeutschlandMexiko; 10. Juli, 15 Uhr: MexikoAustralien, 19 Uhr: DeutschlandUSA; 12. Juli, 15 Uhr: AustralienDeutschland, 19 Uhr: USAMexiko.

Gruppe B (Graz)
9. Juli, 15 Uhr: ÖsterreichJapan*, 19 Uhr: FrankreichKanada; 11. Juli, 15 Uhr:
JapanFrankreich*, 19 Uhr: KanadaÖsterreich*; 13. Juli, 15 Uhr: JapanKanada*, 19 Uhr: ÖsterreichFrankreich*.

Finalspiele (Wien)
15. Juli, 15 Uhr: Spiel um Platz 7*, 19 Uhr: Spiel um Bronze*; 16. Juli, 15 Uhr: Spiel um Platz 5*, 19 Uhr: Spiel um Gold*.
(* = live auf ORF Sport Plus )

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