Sport 15.04.2012

Jung gegen Alt, eine Minute Differenz

Der KURIER begleitete einen jungen Läufer bei seiner Premiere und einen Routinier. Sie kamen beinahe zugleich ins Ziel.

Etwa 50.000 Schritte quälen sich Hobbyläufer über die klassische Marathondistanz von 42,195 Kilometer. Im Ziel regieren Erschöpfung, Erleichterung und die breite Brust. Der KURIER begleitete Sonntag beim 29. Wien-Marathon zwei unterschiedliche Läufer-Typen. Kurz vor dem Start lernten einander die beiden kennen und wärmten gemeinsam auf.

Für Lukas Maly, 15, war es die Marathon-Premiere. In der Vorbereitung lief er nur 32 Kilometer: "Das Wetter ist ideal. Ich schaffe es." Der Vorteil des Jungspundes: Er gilt als eines der größten Talente im Schwimmsport und steht voll im Training.

Auf der anderen Seite der "alte Hase". Routinier Herbert Christian, 64, nahm alle Wien Marathons, also 29, unter seine Laufschuh-Sohlen: "Ich kam jedes Mal ins Ziel."

 

Rekord-Event

36.000 Läufer aus 111 Nationen nahmen an allen vier Laufbewerben (Marathon, Halbdistanz, Staffel und Kids-Rennen) teil. Für Veranstalter Wolfgang Konrad, Ex-Weltklasse-Läufer, eine Win-win-Situation: "Dieser Teilnehmerrekord spült an die 18 Millionen Euro Einnahmen in das Stadtbudget. Und der Breitensport erlebt weiteren Auftrieb." Das ideale Laufwetter bescherte dem Wien-Marathon auch einen Streckenrekord (siehe Sportteil) .

Entlang der Strecke spielten sich die üblichen Dramen ab. Vor allem auf der Prater Hauptallee platzte wie jedes Jahr so mancher Marathontraum wie eine Seifenblase.

Diese Niederlagen erlebt Josef Sabor, Lenker des "Besenwagens", Jahr für Jahr hautnah mit: "Wer hinter dem im Schritttempo rollenden Schlusswagen zurückfällt, wird nicht gewertet. Ich muntere die angeschlagenen Läufer immer wieder auf. Aber es hilft nichts, wer einbricht, scheidet aus." Das vorgegebene Zeitlimit beträgt sechs Stunden.

Der "Schrecken aller Marathonis" erlebte Sonntag bei seinem 20. Marathon die skurrilste Situation: "Plötzlich tauchten zwei Engländerinnen neben mir auf und wollten ihre BHs in mein Auto werfen. Ich musste ablehnen. Denn ich darf im Schlusswagen keine Gegenstände transportieren. Obwohl, ich hätte die Damen noch gerne einmal gesehen."

 

Volksfest

Im Ziel am Heldenplatz herrschte Volksfeststimmung. Nach drei Stunden und 46 Minuten Laufzeit hechelte KURIER-Läufer Lukas Maly über die Ziellinie. Er war sichtlich gezeichnet: "Ich bin happy, ich hab’s geschafft. Ob ich das noch einmal bringe, weiß ich nicht."

Routinier Herbert Christian brauchte eine Minute länger, machte jedoch einen frischeren Eindruck: "Super gelaufen. 2013 ist dann meine 30er-Premiere." Und die knappe Minute Rückstand auf den Jungspund? "Ja, ja, das ist die Jugend."

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Reaktion

( Kurier ) Erstellt am 15.04.2012