© Copyright 2012, Austria Presse Agentur, Wien, Österreich, alle Rechte vorbehalten

Sport
08/03/2012

Jukic bestimmte Österreichs Schwimm-Schlagzeilen

Anders als bei den Spielen 2004 in Athen und 2008 in Peking haben die olympischen Schwimmbewerbe 2012 in London Österreich keine Medaillen gebracht.

Dinko Jukic als Vierter über 200 m Delfin und Neunter über 100 m Delfin hat für die einzigen Top-Ten-Platzierungen gesorgt.

"Ich kann mit meiner Ausbeute zufrieden sein", resümierte Jukic am Tag nach dem 100-m-Semifinale. Nur 14/100 Sekunden fehlten dem 23-Jährigen auf seine zweite Endlauf-Teilnahme bei diesem Großereignis. "Das einzige, das nicht so schön ist, dass ich einmal die Medaillen und einmal das Finale jeweils um einen Platz verpasst habe." In Richtung Rio de Janeiro 2016 sieht der Wiener noch Potenzial nach oben, was in einen Medaillengewinn münden soll.

Die Aufmerksamkeit durch seine guten Leistungen hat Jukic genutzt, um auf - seiner Meinung nach - Unzulänglichkeiten im Verband hinzuweisen. Hatte er am Vorabend gemeint, bei einer Sperre im vom österreichischen Verband ( OSV) gegen ihn eingeleiteten Disziplinarverfahren seine Karriere beenden zu wollen, hat er das am Freitag im Austria House Tirol noch ausgeweitet. "Wenn es bei den OSV-Wahlen am 15. September keine Veränderungen gibt, war das mein letztes Rennen."

Der Austria-Wien-Athlet meinte, dass der Verband von den Aktiven-Erfolgen leben würde, nicht die Athleten vom Verband. "Wenn ich nicht Vierter, sondern 25. geworden wäre, dann würde das niemanden interessieren, würde der Verband keine Förderungen bekommen", führte Jukic aus. Er betonte auch noch einmal, dass er seine Aussagen als konstruktive Kritik verstanden haben will. Von den Funktionären verlangt er, dass es ihnen primär um die Leistungen der Aktiven gehen soll.

Auf dem Trainersektor hätte Jukic gerne eine Art Nationaltrainer, mit dem von allen qualifizierten Athleten vor Großereignissen zusammengearbeitet wird. Andere Nationen seien diesen Weg schon lange gegangen. Zudem möchte der Gewinner von neun Medaillen dem Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC) mehr Gewicht geben. "Das ÖOC sollte die Macht haben, in den Verbänden durchzugreifen. Es darf da keine Autonomie der Verbände geben."

Die Jukic-Aussagen bewegten in Österreich fast über die gesamte Dauer der olympischen Schwimm-Wettkämpfe, da es sportlich außer seinen Leistungen nicht so viel zu berichten gab. Markus Rogan hätte die Möglichkeit dazu gehabt, doch machte ihm ein Kampfrichter einen Strich durch die Rechnung. Die Medaille wäre es aber ohnehin nicht geworden, das haben seine Leistungen in Vorlauf und Semifinale gezeigt. Das Training war wohl so gut wie nie, aber das Mentale wog schwer.

Wenn Rogan nach diesen Spielen seine internationale Karriere tatsächlich beendet, geht eine Ära im österreichischen Schwimmsport zu Ende. Der 30-Jährige ist der erfolgreichste Sportler der OSV-Geschichte. Sein fünftes Antreten bei Olympischen Spielen hat er selbst mehr oder weniger ausgeschlossen, doch ein Start bei der WM in Barcelona 2013 scheint noch denkmöglich. Denn Rogan, der auch mit unglücklichen Aussagen für Schlagzeilen gesorgt hatte, würde sich nur ungern mit einer Disqualifikation von der Schwimm-Bühne verabschieden.

Hinter dem OSV-Top-Duo gab es nicht viele Lichtblicke. Schon ein solcher war Lisa Zaiser. Die mit 17 Jahren Jüngste im 70-köpfigen ÖOC-Aufgebot wurde über 200 m Lagen mit ihrer zweitschnellsten Karriere-Zeit 19., die Kärntnerin war knapp am Semifinale dran. Sonst muss man die positiven Aspekte länger suchen. Nina Dittrich schwamm über 800 m Kraul um knapp zehn Sekunden schneller als bei der Debrecen-EM, Christian Scherübl legte in der Staffel eine gute Leistung hin.

Das konnte aber nicht verhindern, dass es über 4 x 200 m Kraul mit dem 16. nur den letzten Platz gab. Auch Jördis Steinegger, Hunor Mate oder Sebastian Stoss schwammen in den Ergebnislisten hinterher. Schuld ist auch das erstmals vom internationalen Verband (FINA) angewandte Qualifikationssystem, indem die Startfelder spät auf insgesamt 900 Schwimmer aufgefüllt wurden. Jene, die spät dazukamen, waren nicht immer olympiareif, aber vor allem nicht mehr gut im Training.

OSV-Präsident Paul Schauer verwies darauf, dass mit Zaiser und Scherübl der OSV die jüngste und den jüngsten ÖOC-Aktiven stellt und das für die Nachwuchsarbeit sprechen würde. Dass Scherübl im Vorfeld für bereits nominierte Einzelstrecken nachträglich wieder gestrichen wurde, ist für die Entwicklung des 18-Jährigen wohl eher weniger förderlich. Nach Rogans Abgang wird die Jugend künftig jedenfalls mehr Chancen haben, sich nach vor zu schieben.

Bei den heuer ausstehenden Kurzbahn-Großereignissen mit den Europameisterschaften vom 22. bis 25. November in Chartres/FRA und den Weltmeisterschaften vom 12. bis 16. Dezember in Istanbul wird auch Jukic nicht dabei sein. "Ich habe seit 2005 kein Großereignis ausgelassen", sagte er. "Ich werde jetzt ein, zwei Monate abschalten und steige erst dann in die nächste Olympia-Periode ein. Mein Körper braucht auch einmal eine Pause."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.