Sport
08.08.2017

Ivona Dadic: erst die Arbeit, dann die Schokolade

Das Siebenkampf-Ass begeisterte in London und hat noch viel vor.

Zwei Sachen hatte sich Ivona Dadic nach ihrem sechsten WM-Platz im Siebenkampf von London fest vorgenommen: Schokolade essen, bis ihr schlecht wird – und auf dem Boden bleiben. Nach der langen Saison wird die Oberösterreicherin jetzt eine sechswöchige Pause einlegen. „Man muss einmal aufhören können und sagen, jetzt reicht es“, weiß die 23-Jährige.

Im vergangenen Oktober fiel bereits der Startschuss für die Saison 2017, und die ist sehr erfolgreich: Silber bei der Hallen-EM in Belgrad mit österreichischem Fünfkampf-Rekord (4767 Punkte), nun WM-Platz sechs und neuer österreichischer Siebenkampf-Rekord (6417). Wie soll es weitergehen? Sicher nicht mit einem Start beim Mehrkampf-Meeting im französischen Talence. „Ich verzichte auf das ganze Geld, ich fahre auf Urlaub. Die Saison war lang, ich bin verletzungsfrei geblieben, ich kann aufhören“, sagt Dadic. Danach beginnt die Vorbereitung auf 2018, wo Anfang März die Hallen-WM in Birmingham und Anfang August die Freiluft-EM in Berlin warten.

Die wichtigste Erkenntnis für Dadic in London? Auch mit einem nicht optimalen Mehrkampf lässt sich ein neuer Rekord fixieren. „Die Punkte überraschen mich mehr als die Platzierung, ich habe ja nur eine persönliche Bestleistung gemacht, und das war auch nur eine Verbesserung um zwei Hundertstelsekunden über die Hürden. Es zeigt, dass man nicht sieben Bestleistungen braucht für einen guten Mehrkampf. Aber wenn mir vielleicht einmal vier gelingen ...“

Vertrauen als Basis

Das sieht auch Trainer Philipp Unfried so, der seinen Schützling beim nicht gut gelaufenen Götzis-Meeting im Mai um Vertrauen bitten musste, dass der Aufbau für London stimmt. „Es ist noch viel Potenzial nach oben da, aber man kann auf dem Niveau nicht mehr davon ausgehen, dass man sich hinstellt und einfach fünf Bestleistungen macht.“ Er sieht aber eine schöne Perspektive für die Zukunft: „Ich gehe davon aus, dass Ivi noch wesentlich mehr Punkte machen wird.“

Zwei Disziplinen waren Knackpunkte: die schwache Leistung in ihrer Paradedisziplin Weitsprung, wo der Anlauf nicht passte, und der überragende Speerwurf. „Der Weitsprung ist meine stärkste Disziplin, mit dem mache ich immer Punkte gut. Und wenn man damit Punkte verliert, ist das ärgerlich. Aber Wolfi (Weitsprung-Coach Wolfgang Adler, Anm.) hat gesagt, dass es einen guten Mehrkämpfer ausmacht, wenn er, nachdem seine gute Disziplin in die Hose gegangen ist, eine Bestleistung macht. Das habe ich.“

Das angepeilte Ziel für die WM war ein Platz unter den ersten zehn, vielleicht acht. „Ich dachte mir schon, wenn sie einen guten Mehrkampf macht, dass sie in die sechs reinkommen kann. Dass es dann wirklich funktioniert, ist natürlich super“, sagte Philipp Unfried nach dem von der Belgierin Nafissatou Thiam mit 6784 Punkten gewonnenen Bewerb. Ivona Dadic weiß: „Ich muss jetzt einfach auf dem Boden bleiben und darf nicht zu gierig werden. Wenn ich meine ganzen Leistungen ein bisserl stabiler bekomme, wenn die sicher funktionieren, wer weiß, was da passieren kann ...“