Marcel Hirscher: Der 23-jährige Salzburger stand in diesem Weltcup-Winter in jedem Slalom auf dem Podest und gewann fünf Mal.

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Tagebuch
02/15/2013

Hauptsache gesund

Mit Ted Ligety ist im Wettbüro am wenigsten zu gewinnen.

von Wolfgang Winheim

Wer Geld auf Rapid setzt, erhält im Falle eines Titelgewinns der Grün-Weißen acht Mal so viel zurück. Das garantierte tipp3-Vorstand Philipp Newald während der Bundesliga-Pressekonferenz, zu der die Führungsspitze drei Tage vor Ligastart im feinen Zwirn Richtung Schladming aufgebrochen war.

Was Wettexperte Newald nach Abschalten der Kameras in der ORF-Ski-Zentrale verriet: Dass sein Unternehmen beim Herren-Abfahrtslauf sehr, sehr viel Geld verlor.

Der Fußball-Sponsor tipp3 hatte nämlich allen seinen Kunden, sollte Österreich in der Königsdisziplin medaillenlos bleiben, eine Rückerstattung des Wetteinsatzes versprochen. Und Wort gehalten.

Klaus Kröll war „nur“ Vierter geworden. Mittlerweile gibt es für Österreich neben vier vierten Plätzen (Kathrin Zettel, Michaela Kirchgasser, Hannes Reichelt, Kröll) auch die vierte Medaille.

Anna Fenningerbesitzt seit gestern Bronze im Riesenslalom. Was in Anbetracht der Tatsache, dass sie auch dank ihrer vorteilhaften Optik zuletzt ungleich öfters auf Titelseiten als auf der erste Seite der Resultatlisten aufschien, nicht selbstverständlich war. Anna F. hielt dem Nerven-Druck stand. Noch dazu im schwersten Damen-Riesenslalom der WM-Geschichte. Das behauptet, ein Loblied auf Schladming singend, der Rennleiter der schärfsten österreich-internen Konkurrenz: Kitzbühels RennleiterPeter Obernauer.

Was manche Dame als zu eisig und steil empfand, kommt Ted Ligety gerade recht. Auf Wolke sieben schwebend nach zwei Goldenen, strebt der US-Amerikaner heute den Hattrick an.

Ligety wurde vor der Startnummernauslosung bei Interwetten als 2,0-Favorit geführt. Wer auf Marcel Hirscher einen Euro gesetzt hat, erhält im Falle eines Sieges des Salzburgers 3,25.Eine realistische Einschätzung der Buchmacher. Hirscher wirkte beim Abschlusstraining sehr unzufrieden. Er setzt mehr auf den Slalom. Darauf hoffend, dass er bis Sonntag gesund bleibt.

Denn die WM wird mit ihren vielen Konferenzen, PR-Auftritten und Empfängen in überfüllten, klimatisierten Räumen zu einem Wildwechsel der Bakterien. Die ÖSV-Crew um Peter Schröcksnadel ist mehr wegen Hermann Maiers Systemkritik verschnupft.

Skitrainer sind sensibler als ihre besser bezahlten Kollegen (von denen in Schladming grippebedingt Red Bulls Roger Schmidt und der Mattersburger Franz Lederer fehlten) aus der Fußball-Branche. Fehlt nur noch, dass auch darauf gewettet werden kann, wer das erste schwere verbale Foul im Liga-Frühjahr begeht.