Coach Günter Bresnik, Spieler Dominic Thiem

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Tennis
06/03/2016

Der Mann hinter Thiems Erfolg

Günter Bresnik: Querdenker, Tennis-Fanatiker, Vater-Figur.

Er ist ein Querdenker, der manchmal unbequeme Wahrheiten sagen kann. Aber er ist ein Tennis-Fanatiker, der diesen Sport lebt und liebt wie nur wenige andere. Günter Bresnik, mittlerweile 55-jähriger, in Wien geborener Coach verwirklicht diese Tage in Paris vielleicht seinen größten Traum. Einen Spieler, den er von Kindesbeinen an betreut, zum großen Star zu formen. Sein Name: Dominic Thiem.

Als Vater Wolfgang Thiem dem schon damals renommierten Coach Bresnik vor 14 Jahren seinen Sohn Dominic vorgestellt hat, da begann etwas Besonderes. Eine Zusammenarbeit, die zu einer engen Freundschaft mit dem Vater und einer einem Adoptiv-Vater ähnlichen Rolle führte. "Mit ihm verbringe ich mehr Zeit als mit meinen Kindern", sagte Günter Bresnik in Paris über Dominic Thiem. "Der Kontakt ist eng, weil seit ich mit ihm trainiere sein Vater mein bester Freund ist." Auch mit der Mutter Karin und dem kleinen Bruder Dominics, Moritz, ist Bresnik eng verbunden. "Wir haben uns in den letzten Jahren auch privat viel gesehen, sie waren auch bei meiner Hochzeit. Da ist natürlich ein besonderes Verhältnis."

Bresnik hat im Verlauf seiner rund 30-jährigen Karriere als Tennis-Trainer schon Namen wie Boris Becker, Patrick McEnroe, Amos Mansdorf, Henri Leconte, Horst Skoff und Stefan Koubek betreut. "Ich habe mit Koubek auch sehr lange trainiert - nur habe ich ihn übernommen als er 17 oder fast 18 war. Das ist etwas anderes, als wenn du jemanden so komplett mitformst von klein auf. Jetzt erkennt man schon gewisse Dinge, die sicherlich aufgrund dieser Zusammenarbeit entstanden sind", freut sich Bresnik über Thiems Aufstieg.

Gefragter Mann

Der Vater von vier Töchtern lebt mit seiner Familie in Innermanzing (NÖ). Er war 1992/93 und von 1998 bis 2004 auch schon zwei Mal Davis-Cup-Kapitän des ÖTV. Bresnik genießt auf der Tour einen ausgezeichneten Ruf, immer wieder wird er als Coach angefragt. "Ich habe unter den Coaches sicher momentan den besten Namen. Das wird heute von allen goutiert", scheut sich Bresnik nicht vor Eigenlob, wenn er findet, es sei angebracht. "Oder wenn ein John McEnroe in einer Pressekonferenz sagt, dass Domi der erste Spieler ist, der von einem Coach kreiert wurde. Das ist schon ein großes Kompliment", berichtete Bresnik. Er kennt die Tennis-Legende aus New York schon seit vielen Jahren.

Er selbst würde durchaus auch gerne weitere Spieler als Trainer betreuen. "Aber die, die so gut sind, dass es interessant wäre, wollen nur Einzelbetreuung haben", weiß Bresnik.

Großer Coup

Mit der Verpflichtung des auf der Tour renommierten Physiotherapeuten Alex Stober ist Bresnik Ende vergangenen Jahres ein großer Coup gelungen. Seit zwei Jahren sei er dem Deutschen nachgelaufen, nun sieht man auch die Resultate. Thiem ist fitter denn je, regeneriert schneller denn je und Stober sieht noch großes Steigerungspotenzial in dem erst 22-jährigen Lichtenwörther.

Am liebsten würde Bresnik aber noch einen weiteren großen Namen aus der Tennis-Szene in sein "Thiem-Team" holen. "Der absolute Traum wäre Paganini noch dazu", gesteht Bresnik. Er meinte Pierre Paganini, der Schweizer, der seit über zehn Jahren mit Roger Federer und Stan Wawrinka arbeitet. "Aber er ist mit den beiden komplett ausgelastet und kommt dann in ein Alter, wo es ihn vielleicht nicht mehr so interessiert. Der hat alles, was Fitness für einen Tennisspieler bedeutet, im kleinen Finger", schwärmt Bresnik.

Darum hat er Paganini vor Jahren für eine Woche nach Wien gebeten, um Dominic Thiem zu analysieren. "Da war Dominic 16, und ich wollte wissen, wie er in Sachen Schnelligkeit beieinander ist, weil wenn er nicht schnell ist, dann kannst du es vergessen", erinnert sich Bresnik. "Er hat mir gesagt, der ist sauschnell, dann war die Sache erledigt."

Sein berufliches Erbe? "Ich will, dass alle meine Trainer, die mit mir arbeiten, so weitermachen wie ich es gemacht habe. Wolfgang (Thiem) setzt das meines Erachtens von allen am besten um." Doch von einem Ruhestand ist bei Bresnik nichts zu bemerken. Wer ihn als ruhigen Beobachter in all den Jahren gesehen hat, und ihn nun bei besonderen Höhepunkten von Dominic Thiem emotional ausbrechen sieht, der weiß: Bresnik hat noch genügend Feuer für den Sport in sich. Mit seinem neuen Top-Ten-Spieler Dominic Thiem, der ab Montag zumindest Nummer 7 der Welt sein wird, wird er, aber auch Tennis-Österreich, noch viel Freude haben.

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