Sport
17.01.2012

Großer Tennis-Frust mit kleiner Hoffnung

Österreich ist im Einzel in Melbourne nur noch durch Paszek vertreten – doch die Situation könnte sich bald bessern.

Jürgen Melzer hätte am Montag gerne ein bisserl Tennis gespielt. Und noch viel lieber gewonnen. "Er hat mir überhaupt keinen Rhythmus gegeben, da kommst du nicht ins Spielen", philosophierte der Österreicher nach der 6:7-5:7-3:6-Auftaktpleite gegen den 2,08-Meter-Mann Ivo Karlovic.

Der Kroate schlug 24 Asse, musste aber sonst nicht über sich hinauswachsen: Melzer spielte das ganze Match sehr fehleranfällig. Nach der ersten Niederlage im sechsten Duell mit Karlovic wird der 30-Jährige nicht mehr Top 40-Spieler sein – erstmals seit Oktober 2009.
Patricia Mayr-Achleitner ist die Nummer 98 und wird so schnell auch nicht nach oben kommen. Die Tirolerin unterlag der unbekannten Weißrussin Olga Goworzowa 2:6, 4:6. Die bereits bei Turnierstart dezimierten Österreicher (nur drei Starter im Hauptbewerb) sind damit nur noch durch Tamira Paszek vertreten. Weil die Vorarlbergerin erst spielt – am Dienstag gegen US-Topstar Serena Williams.

Trotz des schlechten Abschneidens in Melbourne wäre Potenzial für einen Aufschwung vorhanden:

Die zwei Solisten

Scheiden Jürgen Melzer ("Ich zähle mich noch immer zu den besseren Tennisspielern") und Tamira Paszek bei einem Großereignis frühzeitig im Einzel aus, ist das Turnier aus österreichischer Sicht zumeist uninteressant. Sowohl bei den Herren, als auch bei den Damen ist außer dem Top-Duo niemand mehr im Einzel aktiv, der schon mehr als eine zweite Runde bei einem Grand-Slam-Turnier erreicht hat.

Die zweite Geige

Andreas Haider-Maurer hätte großes Potenzial, verzichtete nach Verletzungsproblemen (Rücken) auf die Australian Open. Der 24-Jährige hat nach seinem überraschenden Finaleinzug in Wien 2010 nie den Durchbruch gemeistert. Eine Veränderung beim Aufschlag soll ihn nach vorne bringen. Patricia Mayr-Achleitner ist gut beraten, wieder einen professionellen Coach zu engagieren. Seit sie Håkan Dahlbo verließ, ging es abwärts.

Die Nebengeräusche

In die Südstadt wurde in den letzten Jahren viel investiert, herausgekommen ist dabei annähernd nichts. Von den allesamt 20- bis 22-jährigen Hoffnungsträgern, die zwischen Platz 300 und 500 im Ranking platziert sind, war noch Marc Rath am längsten beim Verband, wie Gerald Melzer und Michael Linzer versucht aber auch er aus privaten Mitteln, nach oben zu kommen.

Neue Männer beim Verband (Sportdirektor Clemens Trimmel, Präsident Ronnie Leitgeb) sollen zum Aufschwung verhelfen. Sinnvoll wäre auch eine Bündelung der besten Kräfte im Land unter den Trainern. Denn an guten Ausbildnern mangelnd es nicht (zB. Günter Bresnik, Dahlbo).

Die Zukunftsmusik

Die Athletik nimmt einen immer größeren Stellenwert ein, dazu kommt die große Dichte an Spielern – gewannen Thomas Muster oder Horst Skoff schon als Teenager Turniere, werden gegenwärtig die Durchstarter immer älter. Beim 18-jährigen Bresnik-Schützling Dominic Thiem, auch kein Südstadt-Schüler, ist deshalb Geduld angesagt.

In zwei, drei Jahren könnte der Niederösterreicher, dem Größen wie Ivan Lendl oder Roger Federer eine große Karriere voraussagen, Melzer – oder gar Muster – folgen. Auch die Entwicklung von Patrick Ofner (18) und Barbara Haas (15) verspricht Gutes.

Mehr zum Thema

  • Hintergrund

  • Hintergrund