Sport
04.04.2017

Die Geburtsstunde des Weltstars Tiger Woods

Vor zwanzig Jahren gewann Tiger Woods erstmals das Masters und veränderte den Sport. Heuer ist er Zuseher.

Wenn es um das Leben und Wirken von Tiger Woods geht, kann sogar ein Hydrant zur Sehenswürdigkeit werden. Besagter Hydrant steht in Bay Hill, Florida, und erlangte Berühmtheit, als ihn der untreue Golfstar auf der Flucht vor seiner wütenden Ehefrau übersah und den Wagen zerstörte.

Das war im November 2009, und noch immer pilgern täglich Schaulustige in jene luxuriöse Wohnanlage und knipsen Fotos. Einer davon war vor wenigen Wochen die österreichische Golf-Hoffnung Matthias Schwab, der in Bay Hill sein Debüt auf der PGA-Tour gab.

So ist das eben im Leben von Tiger Woods. Er bewegt. Wenn der mittlerweile 42-jährige Amerikaner einen neuen Schläger anpreist, gehen am kommenden Tag Tausende ins Golfgeschäft; wenn er für ein Turnier zusagt, strömen Zehntausende zu den Ticketschaltern; wenn er eine Nachricht auf Twitter schreibt, lesen die binnen kurzer Zeit Millionen.

Eine Zeitenwende

Seinen Ursprung genommen hat alles vor zwanzig Jahren. Am 13. April 1997 gewann der damals 21-jährige Tiger Woods in seinem erst zweiten Jahr als Profi das legendäre Masters-Turnier in Augusta.

Nie zuvor war der Gewinner des wichtigsten Golfturniers der Welt jünger, nie zuvor war der Vorsprung auf den Zweitplatzierten größer (18 Schläge), nie zuvor schlüpfte ein Schwarzer in das prestigeträchtige grüne Sakko für den Sieger.

Woods’ Triumph markierte eine Zeitenwende. "Mein Sieg wird viele Türen öffnen und Menschen zum Golf bringen, die vorher nicht dran gedacht hatten", ahnte Woods damals bereits. Und er sollte recht behalten.

Laut der Studie einer US-Universität bescherte der neue Golfstar seinem Exklusiv-Ausrüster Nike bereits in den ersten Jahren fünf Millionen neue Kunden.

Ein Unsterblicher

Sportlich trug Woods wie kein Zweiter zur Professionalisierung seines Sports bei. Als Erster konnte er den Ball konstant mehr als 300 Meter weit schlagen. Die dafür nötige Muskelkraft eignete er sich an einem Ort an, den seine Gegner damals noch mieden: die Kraftkammer.

"Ich habe alle Sterblichen geschlagen", sagte der damals zweitplatzierte Tom Kite. Chancenlos war auch er in jener Woche. Wer es nicht glauben mag, kann die Sternstunde noch einmal erleben. Zum Jahrestag ist auf der Website www.masters.com Woods’ Schlussrunde in der damaligen CBS-Originalübertragung abrufbar. Richtungsweisend war das Masters 1997 nicht nur für die Golfwelt, sondern auch für den Star selbst. Mitte März gab er ein Buch heraus mit dem Titel: "Das 1997er-Masters: Meine Geschichte."

Der mittlerweile 14-fache Major-Turniersieger und vierfache Masters-Champion (zuletzt 2005) gibt Augusta auch heuer die Ehre – allerdings nur als Zuseher. Anhaltende Rückenprobleme zwingen den Dominator von einst zur Zwangspause.

In Augusta ist Woods ein gern gesehener Gast mit lebenslanger Spielberechtigung. Kaum vorstellbar, dass bis 1989 dunkelhäutigen Menschen die Mitgliedschaft im konservativen Golf-Club verwehrt wurde.

Schottische Schafsmägen und burgenländische Träume

Auch ohne Tiger Woods am Abschlag hat die 81. Auflage des Masters viel zu bieten. Die offenen Fragen zur wichtigsten Woche im Welt-Golf.

Wer sind die Favoriten? Als Topfavorit kommt Dustin Johnson zum Masters. Mit dem 32-jährigen Amerikaner reist erstmals ein Golfer nach Augusta, der die jüngsten drei Turniere, bei denen er am Start war, gewonnen hat. Der absolute Durchbruch gelang Johnson erst im Vorjahr, als er mit den US Open zum ersten Mal ein Major-Turnier gewinnen konnte. Vor sieben Wochen erklomm er auch die Spitze der Weltrangliste. Neben Johnson ist auch Rory McIlroy auf den Listen der Buchmacher weit oben zu finden. Der Nordire versucht erneut, seinen Karriere-Grand-Slam zu vollenden. Das Masters ist das einzige der vier Major-Turniere, das das Ausnahmetalent noch nie gewinnen konnte. Gelingt es McIlroy diesmal, wäre der 27-Jährige der erst sechste Spieler in der Geschichte des Golfsports, der Masters, US Open, British Open und PGA Championship zumindest einmal gewonnen hat.

Wer ist Titelverteidiger? Danny Willett werden heuer bestenfalls Außenseiterchancen eingeräumt. Seit seinem Premieren- und Sensationssieg 2016 sucht der Engländer seine Form. In Augusta steht der 29-Jährige aber wieder im Rampenlicht. Traditionell darf der Titelverteidiger am Dienstag das Menü beim Championship-Dinner für alle anwesenden Masters-Sieger bestimmen. Präsentiert wird gerne Kulinarisches aus der Heimatregion des Titelverteidigers. Der Schotte Sandy Lyle schockte 1989 die feine Tischgesellschaft mit Haggis (mit Innereien gefüllter Schafsmagen), der junge Tiger Woods ließ Cheeseburger, Pommes und Milchshake servieren.

Wie stehen die Chancen von Bernd Wiesberger? Dem Burgenländer, der 2015 als erster Österreicher für das Masters qualifiziert war, liegt der schwierige Kurs in Augusta. Bei seiner Premiere wurde er als bester Debütant starker 22., im Vorjahr landete er auf Rang 34. Letzte Woche zeigte der 31-Jährige beim PGA-Turnier in Houston auf (23.).

Live zu sehen ist das Turnier in Österreich auf Sky Sport. Darüber hinaus geht der altehrwürdige Club neue Wege. Höhepunkte der Woche wie der Auftakt am Donnerstag oder die Siegerehrung am Sonntag sind erstmals über Facebook oder direkt auf der Turnier-Website (www.masters.com) zu sehen.