Sport | Fußball
02.09.2017

WM-Qualifikation: Wales weist den Weg

Auf dem Spiel stehen Österreichs Chancen und Kollers Zukunft.

Es herrscht Hektik im Terminal 3. Journalisten vermischen sich mit abflugbereiten Urlaubern auf gemeinsamer Jagd nach Worten, Bildern und Selfies zu einer unruhigen Masse, die in ihrer Geschlossenheit dem Teamchef immer näher rückt.

Eine Frau ahnt Besonderes, will wissen, was denn da los sei. "Das Team fliegt weg." Aber das reicht ihr nicht: "Welches?"

Blicke, die ihr völlige Ahnungslosigkeit vorwerfen, treffen sie. Fußball. Was sonst?

Und der bedrängte Marcel Koller meint mit dem Rücken zur eilig aufgestellten Sponsorenwand, seine Mannschaft empfinde nicht so einen großen Druck, der einem gewinnbringenden Spiel am Samstag gegen Wales in Cardiff (20.45 Uhr, live ORFeins) hinderlich sein könnte.

Tabelle:

1.

Serbien

6

3

3

0

13:7

6

12

2.

Irland

6

3

3

0

8:4

4

12

3.

Wales

6

1

5

0

9:5

4

8

4.

Österreich

6

2

2

2

9:8

1

8

5.

Georgien

6

0

3

3

6:10

-4

3

6.

Moldau

6

0

2

4

4:15

-11

2

Denn genau das ist der Auftrag, will sich Österreich nicht frühzeitig im Gerangel um die Qualifikation für die WM 2018 in die unfreiwillige Zuschauerrolle begeben. Drei Punkte in Cardiff würden die Ausgangsposition zwar verbessern, verlangen aber nach einer weiteren Erfolgsserie gegen Georgien (nächsten Dienstag in Wien), Serbien und Moldau.

Darum geht es. Und ganz nebenbei auch darum, ob Kollers Vertrag als Teamchef eine Verlängerung findet. Eine Frage der Zukunft, die möglicherweise bald beginnen wird. Ein Tabu allerdings noch für die Verantwortlichen des Österreichische Fußballbunds. Angegriffen wird das Thema wie eine heiße Kartoffel. Ja nicht verbrennen, ja nichts sagen zum Werdegang des Schweizers, dessen Ära – vertraglich vorbestimmt – mit gescheiterter Qualifikation enden würde.

Wegschieben

Koller erklärt in seiner offiziellen Mission sämtliche Gedanken, die ihn zu diesem Thema beschäftigen könnten, für nicht existent. "Ich konzentriere mich voll auf dieses Spiel", sagt er. Das entspricht seiner professionellen Auffassung. Und sonst? "Ich bin schon so lange dabei. Ich weiß, wie es in diesem Geschäft läuft." Er habe sie außerdem schon gemacht, die Erfahrung "weggeschickt" zu werden. Wenn Koller das sagt, nimmt man ihm sein Lockerheit ab. Weil er als zweifellos ehrgeiziger Teamchef immer Optimismus zu versprühen hat? Oder weil sich in greifbarer Zukunft vielleicht doch die Gelegenheit auftut, wieder ein Klubtrainer zu sein? Das bleibt Kollers Geheimnis.

Zuversicht

Eine positivere Berichterstattung, nämlich jene vom wachsenden Glauben an eine gelungene Qualifikation, habe Koller in den letzten Wochen medial vermittelt bekommen. Fußball-Ästheten müssen sich ohnehin gedulden, denn in dieser Phase zählten nur die drei Punkte, weiß Koller. "Egal, wie schlecht das Spiel auch aussehen mag."

Also ist vorerst einmal Optimismus gefragt. Die Mannschaft habe jedenfalls sehr gut trainiert, sei fokussiert auf die Waliser, auf deren Härte auf deren Ausnahmekönner Bale und Ramsey. Er werde etwas probieren, vermittelt der Teamchef. Was es ist, verrät er nicht. Also unterstellt man ihm vorerst, auf die taktisch wie personell im Irland-Spiel bewährte Viererkette zu vertrauen, und Angreifer Martin Harnik für den verletzten Burgstaller auf die Spitzen-Position zu stellen. Alaba bleibt, wo er ist, nämlich im Mittelfeld, in offensiver Rolle vor Ilsanker und Baumgartlinger.

Unterdessen gelingt es Cardiff, der typischen britischen 350.000-Einwohner-Stadt, eine aufkeimende Fußball-Euphorie relativ geschickt zu verbergen. In den Zeitungen ist Superstar Gareth Bale ein Thema, aber vorrangig wegen seiner Probleme bei Real Madrid.

Und irgendwie erscheint es verwunderlich, dass nach einer sehr guten Europameisterschaft 2016 nicht das Millennium Stadium, das Nationalstadion, der Austragungsort des Spiels des gegen die Österreicher sein wird. Das Cardiff City Stadium ist Schauplatz einer Vorentscheidung in der WM-Qualifikation. Es bietet "nur" 33.000 Plätze. Die bis vor ein paar Tagen noch nicht alle vergeben waren.