Wirbel um schwulenfeind­li­ches Plakat

Arsenal's Oliver Giroud, front, and Bayern's Javie…
Foto: AP/Matthias Schrader Beim Spiel FC Bayern gegen Arsenal wurde ein schwulenfeindliches Plakat gezeigt.

Ein schwulenfeindliches Transparent aus Tirol könnte dem FC Bayern eine Strafe einbringen.

Das eher glanzlose Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Arsenal aus London sorgt im Nachhinein für internationale Schlagzeilen. Verantworlich dafür ist ein Plakat, das laut orf.at  von Fußballfans aus Tirol gemalt wurde. Es zeigt eine beleidigende Karikatur des deutschen Arsenal-Legionärs Mesut Özil ohne Hose. In großen Lettern ist zudem "Gay Gunners" ("schwules Arsenal") zu lesen - und daneben "Tirol". Präsentiert wurde das schwulenfeindliche Transparent in der Allianz Arena.

Auf Twitter und Co. wurde die Aufnahme geteilt:

Strafe?

Aufgefallen ist dieses diskriminierende Transparent einem Pressefotografen. Schnell verbreitete sich sein Schnappschuss im Internet aus. Das Netzwerk "Fußball gegen Rassismus" wurde so  auf diese geschmacklose Botschaft aufmerksam und informierte umgehend den europäischen Fußballverband UEFA. Dem FC Bayern droht deshalb eine Strafe. Bis zu 60.000 Euro könnte diese laut dem britischen Telegraph betragen. Welche Fangruppierung hinter dem Transparent steckt, ist bisher noch nicht bekannt.

Hintergrund

Homosexualität & Sport

Mutige Bekenntnisse

Das Outing der Tennis-Legende Martina Navratilova war unfreiwillig. Ein Journalist, dem sie 1981 eine Romanze anvertraute, verriet das Geheimnis. Zu jenem Zeitpunkt habe sie selbst nicht über ein Coming-out nachgedacht, sagte sie einige Jahre später. Im selben Jahr bekannte sich auch Billie Jean King, die 20fache Wimbledon-Gewinnerin (Einzel und Doppel) zu ihrer Homosexualität. Die US-Amerikanerin ist eine beispielslose Kämpferin für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Sport. Die Tennis-Ikone wird der US-Delegation bei den Eröffnungs- und Schlussfeiern in Sotschi angehören. Damit setzt die US-Regierung ein Zeichen des Protests gegen die Anti-Homosexuellen-Politik des Wladimir Putin. Im Juni 2012, drei Monate nach ihrem Rücktritt, outete sich der schwedische Ski-alpin-Star Anja Pärson in einem Radiointerview als homosexuell. Die Skandinavierin machte damit die Beziehung zu ihrer acht Jahre älteren Lebensgefährtin Filippa öffentlich. "Ich bin es leid, eine Rolle zu spielen und mich als jemand anderer auszugeben. Ich möchte jetzt die Wahrheit sagen, für mich, und speziell für Filippa", sagte Pärson. Kurze Zeit später wurde die siebenfache Weltmeisterin Mutter eines Buben. 2005 wurde die heute 33-jährige Gro Hammerseng (re.) im norwegischen Fernsehen gefragt, ob sie und ihre Handball-Nationalteamkollegin Katja Nyberg (li.) ein Paar seien – was sie bejahte. 2008 holten sie gemeinsam für Norwegen Olympia-Gold. Doch die Beziehung mit der 34-Jährigen hielt nur bis 2010, da lernt sie Anja Edin kennen. 2012 wurde Gro Mutter, 2013 heiratete das Paar, und seither heißt sie Gro Hammerseng-Edin. Deutschlands Fußball-Torfrau Nadine Angerer (re.) sagte 2012 in einem Interview, dass sie sowohl Männer als auch Frauen anziehend finde. Eine Festlegung sei für sie „total albern“. Die 34-Jährige spielt derzeit in Australien. Ihre Teamkollegen Inka Grings (li.) nahm nie richtig Stellung. Sie war aber angeblich mit Teamkollegin Bresonik zusammen, wechselte dann aber zu Trainer Holger Fach, der ein Jahr später mit Bresonik anbandelte. Robbie Rogers kam im Jänner 2012 zu Leeds United, das ein Jahr später seinen Vertrag nicht verlängerte. Der Amerikaner bekannte sich danach auf seiner Homepage zu seiner Homosexualität und erklärte seinen Rücktritt vom Profisport. Allerdings gab er im Mai ein Comeback bei Los Angeles Galaxy. Er ist damit der erste geoutete homosexuelle Profi, der in der US-Profi- Fußballliga Major League Soccer ein Spiel absolviert hat. Orlando Cruz ist ein Federgewicht – was seine Gewichtsklasse betrifft. Was Mumm angeht, ist der 32-Jährige aus Puerto Rico ein Schwergewicht: Er hat sich 2012 als erster aktiver Profi-Boxer zu seiner Homosexualität bekannt. Auf homophobe Beleidigungen reagiert er gelassen: „Sie nennen mich Schwuchtel, aber das ist mir jetzt egal. Sie können mich nicht mehr verletzen.“ Zwei Wochen später gewann er gegen den Mexikaner Jorge Pazos. Rugby ist die härteste, machohafteste aller Sportarten. Sagt Gareth Thomas – und der sollte das wissen. Der 37-Jährige spielte 100-mal im Nationalteam von Wales, zumeist als Kapitän. Er heiratete 2002, ließ sich aber 2006 wieder scheiden. Im Dezember 2009 sorgte er für Schlagzeilen, als er als erster Rugbyspieler seine Homosexualität in der Öffentlichkeit nicht mehr versteckte. Im Jahr 2011 beendete er seine Karriere. Sie war die erste Frau im Basketball, nach der ein Sportschuh benannt wurde: Der Sportartikelhersteller Nike kreierte den „Air Swoopes“. Die Amerikanerin Sheryl Swoopes holte drei Mal Olympia-Gold. Sie war 1995 bis 1999 mit ihrer Jugendliebe verheiratet. 2005 bekannte sich sich öffentlich zu ihrer Homosexualität. 2011 trennte sie sich von ihrer Partnerin Alisa Scott – und ist seither wieder mit einem Mann zusammen. „I’m a 34-year-old NBA center. I’m black. And I’m gay.“ So stand es im US-Magazin Sports Illustrated. Basketballer Jason Collins war in diesem April der erste Profisportler in den vier großen US-Profiligen (Football, Basketball, Baseball, Eishockey), der sich während seiner Karriere zu seiner Homosexualität bekannte. Seine Trikotnummer 98 ist ein Andenken an Matthew Shepard, der 1998 einem schwulenfeindlichen Mord zum Opfer fiel. Der Eiskunstlauf-Olympiasieger von 1988 Brian Boitano machte seine sexuelle Orientierung im vergangenen Dezember öffentlich. Er soll als Mitglied der US-Delegation bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Sotschi dabei sein. Ebenfalls im Dezember 2013 hat Großbritanniens Wassersprung-Star Tom Daley seine Beziehung zu einem Mann öffentlich gemacht. Seine Liebe zu einem Mann habe den Mädchenschwarm selbst ein wenig überrascht. „Es war immer in meinem Hinterkopf, dass so etwas passieren könnte. Im Frühjahr hat es Klick gemacht. Es fühlt sich gut an, ich dachte: okay.“ „Natürlich stehe ich weiterhin auf Mädchen, aber derzeit treffe ich einen Jungen, und ich könnte nicht glücklicher sein. Ich bin froh, dass ich mir das von der Seele geredet habe“, sagte der 19-Jährige in einem Beitrag, der auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht wurde. Die deutsche Diskuswerferin Nadine Müller heiratete an Silvester ihre langjährige Freundin Sabine. "Ich bin froh, diesen Schritt endlich getan zu haben. Ich fühle mich so befreit. Wir wollen uns nicht weiter verstecken", sagte die 28-Jährige, die bei der Leichtathletik-WM 2011 Silber gewonnen hatte. "Das bisherige Versteckspiel war vor allem von meiner Seite ein Selbstschutz." Die österreichische Skispringerin Daniela Iraschko ging mit ihrer Homosexualität immer offen um, in den Medien war im Jahr 2012 ihre Homosexualität erstmals Thema, im August 2013 heiratete sie ihre Freundin Isabel. Seither heißt sie Daniela Iraschko-Stolz. Vier Monate nach seinem Karriereende bekannte sich der 52-fache deutsche Fußball-Teamspieler Thomas Hitzlsperger in einem Zeit-Interview zu seiner Homosexualität.

Webtipp: Zeit-Interview mit Hitzlsperger über Homosexualität im September 2012

Die schwierige Jobsuche des geouteten Basketballers:

 

Jason Collins fühlt sich endlich frei. Und er genießt seinen neuen Freiraum. In Talkshows kann der 34 Jahre alte Basketball-Profi offen über seine wahren sexuellen Gefühle reden, Anfang Juni marschierte er stolz neben zehntausenden Schwulen und Lesben bei der Pride-Parade in Boston mit. Am 29. April hatte sich Collins in einem Artikel der Sports Illustrated zu seiner Homosexualität bekannt und somit für ein Novum im nordamerikanischen Profisport gesorgt. Nie zuvor hatte sich ein Athlet während seiner Karriere geoutet. Das Echo war überwältigend. Barack Obama gratulierte ebenso wie Bill Clinton oder NBA-Superstar Kobe Bryant. Auf der Internetseite der Sports Illustrated lasen 3,713 Millionen Menschen an jenem Montag seine Titel-Story „Ich bin ein 34 Jahre alter NBA-Center. Ich bin schwarz. Und ich bin schwul“. Nie zuvor hatte si.com so hohe Klickzahlen vermeldet. Doch bald stellten Medien die Frage: „Welches NBA-Team wird Collins nächste Saison verpflichten?“ Eine Antwort gibt es auch vier Monate nach dem mutigen Outing noch nicht. Bereits am 1. Juli begann in der NBA der Zeitraum, in dem vereinslose Spieler verpflichtet werden können. Collins ist einer von ihnen. Zwölf Jahre hat der Center in der besten Basketball-Liga der Welt gespielt, zuletzt für die Washington Wizards. Zweimal stand er in den Finals (2002 und 2003 mit den New Jersey Nets), doch das ist lange her. Collins trainiert täglich in Los Angeles, wo er die Saisonpause bei seiner Familie verbringt. Und er wartet darauf, dass sein Berater Arn Tellum irgendwann mit „good news“ kommt. Tellum ist „vorsichtig optimistisch“, dass sein Klient zu Saisonbeginn am 29. Oktober einen Klub haben wird. Er weiß, dass Collins' Vereinssuche genauer beobachtet wird als die anderer. Die New York Times sieht gar eine „soziologische Signifikanz“ darin, ob Collins fündig wird oder nicht. Er selbst fokussiert sich ausschließlich auf Basketball. „Für mich ist es wie in den vergangenen Jahren, als ich vereinslos war. Ich weiß, dass ich Geduld haben muss“, sagt Collins. Einer wie er gilt als 14. oder 15. Mann im Kader. Solche Leute erhalten für gewöhnlich erst einen Kontrakt, wenn Vereine ihre Teams fast komplett haben. Collins kennt das. Vor einem Jahr gaben ihm die Boston Celtics am 31. Juli einen Kontrakt, 2009 dauerte es bei den Atlanta Hawks sogar bis zum 2. September. 38 Spiele hatte der Center für Boston und Washington in der Vorsaison absolviert, kam dabei auf einen dürftigen Schnitt von 1,1 Punkten und 1,6 Rebounds pro Partie. Dennoch sehen ihn viele als Profi mit Führungsqualitäten. Seine Meinung hat Gewicht, er gilt als intelligent, loyal, harter Arbeiter. Und deshalb sind sich Experten einig: der wahre Wert eines Jason Collins lässt sich nicht an den NBA-Statistiken erkennen. Doch die Frage ist, ob Manager bereit sind, sich mit seiner Verpflichtung mögliche Nebengeräusche in den Verein zu holen. Wie reagieren Mitspieler, Fans, Medien - vor allem, wenn es nicht läuft oder Collins Fehler unterlaufen? Für Jim Buzinski wäre es „eine Enttäuschung“, wenn Collins vereinslos bleiben sollte. Buzinski ist Mitbegründer von „Outsport“, einer Internetseite über Homosexuelle und Sport. Collins' nächster Verein, sagt Buzinski, könnte als „Trendsetter“ gelten. Allerdings glaubt er nicht, dass jemand Collins verpflichten werde, nur weil er homosexuell sei. Robbie Rogers hat gezeigt, dass es eine Profi-Karriere nach dem Outing geben kann. Der 25-jährige US-Fußballprofi machte im Februar seine Homosexualität öffentlich und erklärte zugleich sein Karriereende. Nur drei Monate später gab er jedoch für die Los Angeles Galaxy sein Comeback. „Für ein, zwei Wochen war das ein Thema“, erinnert sich Collins, „und dann ging's wieder nur um Fußball.“ Collins sieht die Chance, dass seine Vertragsunterschrift als nächster Schritt für die Gesellschaft gefeiert werden könnte. Als Zeichen, dass in der Macho-Welt NBA auch Platz für Schwule ist. Sollte er keinen Job finden, bestehe durchaus die Gefahr, dass dies als Rückschritt für Homosexuelle interpretiert wird. Collins selbst setzt sich nicht sehr unter Druck. „Ich habe zwölf Jahre NBA gespielt, das können nicht viele behaupten.“
(kurier / mawe) Erstellt am