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05.12.2011

Wieder ein verlorenes Nationalteam-Jahr

Die Qualifikation für die EM ist noch möglich. Theoretisch. Praktisch waren die letzten zwölf Monate zum Vergessen.

Es ist erst ein Jahr her. Am 7. September 2010 startete Österreich in Salzburg in das Rennen um einen Startplatz für die EM 2012.

Nur ein Jahr und sieben Qualifikationsspiele später hat Österreich noch theoretische Chancen auf Platz zwei.

Doch das bisherige Auftreten in der Qualifikation ist eine Chronologie des sportlichen Scheiterns.

- Stotterstart

Ein fulminanter Start schaut anders aus. Linz murkste gegen Kasachstan den Ball kurz vor dem Schlusspfiff ins Tor, das 2:0 von Hoffer in der Nachspielzeit war glückliche Draufgabe. Die taktische Finesse des Teamchefs: Er ließ Strafraumstürmer Linz im offensiven Mittelfeld spielen. Das Positive: Erstmals seit 25 Spielen kassierte das Team keinen Gegentreffer.

- Pflichtübung

Das Spiel gegen Aserbaidschan war das einzig souveräne Auftreten in der Qualifikation. Zwei Treffer beim 3:0 in Wien erzielte Marko Arnautovic und zeigte, dass er für das Team wichtig sein kann.

- Thriller

Am 12. Oktober 2010 erlebten Spieler und Fans in Belgien eine Fahrt auf der Hochschaubahn der Gefühle. Belgien 1:0, Schiemer gleicht aus, Arnautovic erzielt die Führung, Belgien 2:2, wieder trifft Schiemer, Scharner sieht rot, Belgien 3:3, Belgien 4:3 in der 90. Minute. Harnik gleicht in der Nachspielzeit noch aus. Weil die Türkei gegen Aserbaidschan verliert ist Österreich hinter Deutschland sogar Gruppenzweiter.

- Vorspiel I

Im Dezember geht Co-Trainer Peischl als Sportdirektor nach St. Gallen. Sein Posten wird nicht nachbesetzt. Constantini sagt: "Es machte oft den Eindruck, dass Zsak im Hintergrund steht. Jetzt rückt er eben mehr in den Vordergrund." Er sollte Recht behalten.

- Horror

Alle Sympathien, die sich das Nationalteam mühsam erworben hat, sind mit einem Spiel weg. Am 25. März 2011 verliert die Mannschaft in Wien gegen Belgien 0:2. Geht sang- und klanglos unter. "Absturz in die Realität", titelte der KURIER. Und, in weiser Vorausahnung: "K. o. in der vierten Runde." Mitten drin: Marko Arnautovic taumelte lustlos durchs Mittelfeld und trat danach gegen Stadionmobiliar. Der KURIER: "Der Star des Konjunktivs. Er könnte ein ganz Großer werden Aber warum will er es nicht?"

- Eklat

Der Bremer Legionär legte vier Tage später nach, zeigte zumindest Allüren eines Stars. Weil er angeblich verletzt war, stand er gegen die Türkei nicht in der Startelf. Er kam erst in der 69. Minute beim Stand von 0:1. Fünf Minuten vor dem Ende führten die Türken mit 2:0, Österreich bekam einen Elfer, Maierhofer schnappte sich den Ball und verschoss. In der Kabine rastete Arnautovic, der den Elfer schießen wollte, aus. Vor allem Pogatetz machte ihm eindringlich klar, dass er zu weit gegangen sei. Der KURIER zum Spiel: "Und wieder ein planloser Auftritt" und "Die Irrläufer von Istanbul".

- Lichtblick

Mangels sozialer Kompatibilität fehlte Arnautovic im Aufgebot für das Länderspiel gegen Deutschland. Vor dem 3. Juni wurde oft diskutiert, wie hoch denn die Niederlage ausfallen werde. Aber die Österreicher zeigten sich ambitioniert und lieferten die beste Partie der Qualifikation ab.

- Vorspiel II

Vor dem Deutschland-Spiel verlässt Constantini nach einer kritischen Frage genervt eine Pressekonferenz. Co-Trainer Zsak (wie von Constantini prophezeit) rückte in den Vordergrund. Er analysiert mit Tormanntrainer Wohlfahrt den Gegner (nicht die Deutschen, sondern den Fragesteller): stilunsicher mit "Trottel" und "fett".

- Abgesang

Jens Lehmann meinte im Juni: "Österreich hat gute Spieler, die vor allem gegen gute Mannschaften aufzeigen. Gegen schlechtere Teams lassen sie sich oft ein bisschen mit runter ziehen." Die Österreicher widerlegten den ehemaligen Weltklassetormann am 3. September. Gegen gute Deutsche gab es eine katastrophale Leistung. Bei den Österreichern begannen sieben Spieler von deutschen Bundesligaklubs. Bei den Deutschen waren es nur um zwei mehr.

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