Ex-Profi: Thomas Zündel, 25, war bis Freitag Spieler des SV Grödig. Bis auf Weiteres ist er arbeitslos.

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Wettskandal
11/29/2013

Grödig wirft den nächsten Spieler raus

Der Vertrag mit Thomas Zündel wurde „aufgrund eines großen Vertrauensbruchs“ aufgelöst.

von Andreas Heidenreich

Ich bin stolz, dass sie mir das jetzt aber gleich mitgeteilt haben“, verlautbarte Grödig-Manager Christian Haas noch am 14. November, nachdem ihm drei seiner Spieler mitgeteilt hatten, von Dominique Taboga zum Wett-Betrug angestiftet worden zu sein. Am Freitag hörte sich Haas aber etwas anders an.

Thomas Zündel, einer der drei, ist nicht mehr Spieler des SV Grödig. Der Vertrag mit dem Steirer wurde am Freitag einvernehmlich aufgelöst. Allerdings nicht aufgrund einer versuchten oder gar getätigten Spielmanipulation. „Sondern aufgrund eines großen Vertrauensbruchs“, begründete Haas. Offenbar hat der 25-jährige Verteidiger damals doch nicht all sein Wissen offenbart. Mittlerweile – am Donnerstag – tat er dies dann doch. Zunächst gegenüber der Polizei, dann auch gegenüber seinem Grödiger Arbeitgeber.

Treffen und SMS

Zündel gab an, von Taboga im Frühjahr 2013 angesprochen worden zu seien. Er habe im Vorfeld des Spiels des SV Grödig gegen Kapfenberg (0:1) am 5. April ein SMS von Taboga erhalten, ob er bei diesem „Projekt“ dabei sei. Eigenen Angaben zufolge traf sich Zündel – gemeinsam mit Taboga – auch mit dessen Hintermännern, lehnte jedoch ab. Taboga soll den Hintermännern indes versichert haben, dass seine Kollegen Nutz, Tschernegg, Zündel und Leitgeb mit von der „Partie“ wären. Zu einer tatsächlichen Manipulation soll es laut Haas im Spiel jedoch nicht gekommen sein.

„Ich habe geglaubt, dass Ruhe einkehrt. Leider ist keine Ruhe eingekehrt“, sagte der Grödig-Manager, der seinen Spielern als weitere Konsequenz jede Art von Glücksspiel verboten hat. „Pokern im Mannschaftsbus gibt es nicht mehr“, betonte Haas.

Im Gegensatz zu Zündel genießen die anderen einvernommenen Spieler weiterhin das Vertrauen des Klubs, betonte Haas. „Wenn ich aber dahinterkomme, dass mich einer anlügt, wird es Konsequenzen geben.“

Und zwar nicht nur von Vereinsseite, sondern auch vonseiten des ÖFB, wie § 113 der Rechtspflegeordnung des ÖFB unterstreicht: Seit 1. Juli gibt es auch die Meldepflicht für Bestechungsversuche. In Absatz (2) heißt es nun: „Wer einen unrechtmäßigen Vorteil für sich oder eine dritte Person erbittet, annimmt, versprechen oder gewähren lässt oder einen entsprechenden Versuch nicht unverzüglich dem zuständigen Verband meldet“, wird auf die gleiche Weise bestraft wie für eine vollzogene Manipulation. Dementsprechend wurde auch gegen Zündel – wie zuvor bei Taboga – ein Verfahren seitens der Bundesliga eingeleitet.

Freistellung

Während Zündel seit Freitag arbeitslos ist, wurde mit Dietmar Berchtold ein ehemaliger Profi-Kicker und nunmehriger Trainer der Akademie Vorarlberg von seinem aktuellen Arbeitgeber freigestellt, nachdem zuletzt auch er beschuldigt und einvernommen worden war.

„Er weist die Beschuldigungen jedoch entschieden zurück“, heißt es seitens der Spielergewerkschaft VdF, deren Vorstand Berchtold zuletzt ebenso angehörte wie Dominique Taboga.

Die Personalie des Akademie-Trainers Berchtold ist mittlerweile Angelegenheit des ÖFB. „Es soll sich um ein Vergehen handeln aus seiner Zeit als Aktiver“, sagt Präsident Leo Windtner. Berchtold war u. a. in Ried Kollege des in U-Haft sitzenden Sanel Kuljic. Von 2007 bis 2010 spielte er auch in Grödig.

Die Grödiger haben indes andere Sorgen. Etwa, nach der Trennung von Taboga und Zündel sowie der Verletzung Cabreras – allesamt Verteidiger – eine neue Abwehr für das Spiel am Samstag gegen die Austria zu finden.

Für alle Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.

Verdächtige Spiele

Windtner sieht die Krise auch als Chance

Der österreichische Fußball-Bund disponierte kurzfristig um. Freitagvormittag sollte die Bilanz des Jahres 2013 präsentiert werden. ÖFB-Präsident Leo Windtner: „Das hätte ich wesentlich lieber getan. Zudem ja die österreichischen Klubs in den letzten Tagen sieben Punkte im Europacup geholt haben und so ein internationales Lebenszeichen gesetzt haben.“ So aber fand sich der Oberösterreicher wegen des Wettskandals auf einem Podium mit Liga-Boss Hans Rinner sowie den Juristen Thomas Hollerer (ÖFB) und Christian Ebenbauer (Bundesliga).

„Ich bin betroffen von dem Ausmaß. Natürlich hat der österreichische Fußball dadurch Schaden erlitten“, sagte Windtner. Immer wieder wiederholte er aber den Satz: „Aber ich sehe die Krise auch als Chance.“ Aber nur dann, wenn die Causa umfassend und lückenlos aufgeklärt werden könne. Denn: „Wir müssen die Glaubwürdigkeit zurückgewinnen.“

Im Sinne der Aufklärung gibt es am 9. Dezember einen Termin mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. Windtner: „Es hat sich ein Markt gebildet, den man sofort ausheben muss.“

Zudem wolle man so schnell wie möglich Akteneinsicht bekommen. Das hat die Staatsanwaltschaft bislang abgelehnt. Windtner: „Wir haben uns auch als Privatbeteiligte dem Verfahren angeschlossen.“

Die Bundesliga holt derweil Erklärungen aller ihrer Spieler ein. Liga-Chef Hans Rinner: „Wir haben alle Klubs aufgefordert, dass alle eine schriftliche Erklärung abgeben, ob eine Person hinsichtlich Spielmanipulation angesprochen worden ist.“ Das soll auch auf Regionalliga-Ebene ausgedehnt werden, was der Zustimmung der Chefs der Landesverbände bedurfte.

Zudem sind Rinner die Wettformen ein besonderer Dorn im Auge: „Wir wollen Ereigniswetten unterbinden.“ Weil Bundesliga und ÖFB dafür zu wenig Einfluss haben, will man sich Verbündete von der Größenordnung FIFA und UEFA suchen.

Schwarze Liste und 31 Verdächtige

Es war der bisher härteste Schlag gegen die Wettmafia in Österreich. Die Folgen der „Operation Rinas“ sind gewaltig. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat Donnerstagvormittag Hausdurchsuchungen in Wien, Niederösterreich, Kärnten und Salzburg durchgeführt. Außerdem wurden in einer akkordierten Polizeiaktion 20 aktive bzw. ehemalige Fußballer einvernommen. Darunter befinden sich jene sieben Profis, die Dominique Taboga bei Grödig und Kapfenberg (angeblich vergeblich) wegen Spielmanipulationen angesprochen hat.

Taboga ist nun offiziell vom Opfer zum Beschuldigten mutiert. Der Ex-Grödig-Verteidiger wurde am Mittwoch beim Spazierengehen in Kärnten verhaftet und sitzt in U-Haft – ebenso wie Sanel Kuljic. Beim Ex-Teamstürmer besteht wie nun bei Taboga weiterhin Verdunkelungsgefahr. Der Niederösterreicher hatte die Affäre ins Rollen gebracht, weil er Kuljic und einen Komplizen aus Tschetschenien wegen Erpressung anzeigte.

Mittlerweile wird freilich auch der 31-Jährige „wegen Betruges in Zusammenhang von Spielmanipulation und Wettbetrug verdächtigt“, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg Marcus Neher erklärte.

Weiters werde gegen Taboga auch wegen Veruntreuung ermittelt, weil er 5000 Euro aus der Mannschaftskasse des SV Grödig genommen haben soll.

Neue Schlüsselfigur

Neben Kuljic und Taboga ist Johannes L. zur dritten Schlüsselfigur aufgestiegen. L. spielte in der Saison 2004/’05 mit Taboga beim damaligen Zweitligist Leoben. Zuletzt war der 32-jährige Kärntner Teammanager beim Svetits-Klub Austria Klagenfurt in der Regionalliga Mitte.

Der Ex-Profi, der noch in der Kärntner Unterliga für Sachsenburg aktiv war, wurde als einer der möglichen Drahtzieher ebenso wie zwei Albaner verhaftet.

Bei der Vernehmung dieses Trios kam es zu Geständnissen. Außerdem wurde bei beiden Albanern die jeweils idente Namensliste gefunden: 26 Fußballer (von der Bundesliga bis in die Regionalliga), die in Zusammenhang mit manipulierten Partien stehen sollen. Mit dieser Liste bekamen die Ermittlungen neuen Schwung.

Es gibt zusätzlich fünf Personen, die aufgrund von Einvernahmen auch noch zum engen Kreis der Verdächtigen gezählt werden. Derzeit umfasst die „schwarze Liste“ somit 31 Verdächtige. Die Polizei geht davon aus, dass sich dieser Kreis im Zuge der Einvernahmen noch ausweitet. Es soll bereits weitere Geständnisse geben.
Es dürfte laut Polizei sogar eine kriminelle Vereinigung großen Stils sein.

Bereits suspendiert wurde ein Trainer der Vorarlberger Nachwuchs-Akademie, der ebenfalls verdächtig ist.
Eine Schadenssumme konnte am Donnerstag bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz in Salzburg noch nicht beziffert werden. Die Ermittler wollten aus ermittlungstechnischen Gründen auch noch keine ungefähre Zahl sagen.

Bei den Betrügereien zwischen 2004 und 2013 wurde nicht nur das Ergebnis manipuliert – auch auf Elfmeter oder sogar Eckbälle soll nach Absprachen gewettet worden sein. Im Zentrum der Ermittlungen stehen nun Spiele von Leoben, Kapfenberg und Grödig – also ein Teil der Ex-Klubs von Taboga, Kuljic und L..
Als letzter Fall wird übrigens das 2:2 von Grödig gegen Rapid mit einem späten Elfmeterfoul von Taboga angeführt.

Taboga nicht gesperrt

Tabogas Unterkunft wurde ebenfalls durchsucht – der Haftbefehl war aber vorher schon ausgestellt, die Aussage von L. dürfte eine Rolle gespielt haben. Laut Polizei war der „Leidensdruck zu groß“.

Taboga ist übrigens offiziell noch nicht gesperrt. Immerhin wurde bei der Bundesliga ein Verfahren gegen ihn eingeleitet. Dieses kann jedoch erst abgeschlossen werden, nachdem der Beschuldigte selbst eine Stellungnahme abgegeben hat. Zum einen sei die Frist dafür noch nicht abgelaufen, zum anderen könne es erst dazu kommen, wenn Taboga wieder auf freiem Fuß ist, erklärte die Bundesliga.

Für alle Verdächtigen gilt wie immer die Unschuldsvermutung.

Gekaufte Spiele: Viele Verdachtsfälle

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