Sport | Fußball
20.06.2017

Videobeweis: Kontrollwahn oder doch Gerechtigkeit?

Hilfe für Referees? Emotionskiller? Der Videobeweis wird beim Confed-Cup getestet. Noch herrscht Verunsicherung.

Lange hat man gebraucht, um sich dazu durchzuringen. Noch viel länger wird jetzt darüber diskutiert werden. Der Videobeweis hat Einzug in den Fußball gehalten. Zumindest vorerst. Beim Confed Cup in Russland.

Wie das in der Praxis funktioniert? Per Funk ist der Schiedsrichter mit einem Assistenten verbunden, der mit einem Kollegen und einem Linienrichter auf mehreren Bildschirmen und damit aus 34 Perspektiven die Szenen quasi als TV-Konsument mitverfolgt. Die Überwacher kontaktieren den Schiedsrichter, wenn sie der Meinung sind, es wurde eine falsche Entscheidung getroffen.

Nur spielentscheidende Situation können Gegenstand einer Überprüfung sein, so wie bei Toren, Abseits, Roten Karten und Elfmetern. Der Schiedsrichter reagiert, indem er ein rechteckiges Symbol in die Luft zeichnet.

Allerdings ist der Referee nicht verpflichtet, die Entscheidung seiner Assistenten auch zu akzeptieren.

Erfolgreiche Testläufe in Russland

Beim Confed Cup wurde bei den Spielen zwischen Portugal und Mexiko (2:2), sowie Kamerun gegen Chile (0:2) je zwei Mal das elektronische Auge zurate gezogen. Was es gebracht hat? Die hoffentlich korrekten Ergebnisse. Entlarvt wurde ein portugiesischer Treffer von (Pepe) als Abseitstor, die Korrektheit des Tores von Cedric wurde bewiesen. Chiles Tor gegen Kamerun wurde zuerst als ordnungsgemäß und kurz darauf wegen Abseits ungültig erklärt. Beim zweiten Tor war es umgekehrt – das Video bewies den Regelverstoß.

Beim 3:2 der Deutschen gegen Australien kam der Videobeweis erneut zum Einsatz. Beim 2:3 durch Juric ließen die Referees prüfen, ober der Ball mit der Hand gespielt worden war.

Welche Schlüsse kann man daraus ziehen?

Verwirrung

Der Videobeweis hat jedenfalls viel dazu beigetragen, um den Spielen ihr richtiges Ergebnis zukommen zu lassen. Allerdings wurde kritisiert, dass die Pausen oft für Verwirrung bei Spielern und Publikum sorgten. Über zwei Minuten dauerte die längste Pause.

Klar ist, der Spielfluss wird unterbrochen, die im Fußball so lebendige Emotionalität eingedämmt. Und: Selbst der Videobeweis ist nicht immer Garantie dafür, die hundertprozentig richtige Entscheidung zu treffen.

Ebenfalls noch unklar ist die Frage: Wann wird der Videobeweis eingesetzt, wann nicht? Portugals Trainer, Fernando Santos, wunderte sich laut darüber, dass "der Videoreferee nur bei unseren Toren benutzt wurde, obwohl die Szene vor dem 2:2 durch Mexiko auch sehr komplex war." Auch die Spieler sind nicht restlos glücklich. Mexikos Javier Hernandez: "Ja, es wird schwierig, sich daran zu gewöhnen."

Infantino zeigt sich zufrieden

Was daraus werden wird? Der Confed Cup ist nur als Test zu bewerten. Fraglich ist, ob der Videobeweis auch bei der WM 2018 kommt. Darüber wird im März beraten. FIFA-Präsident Gianni Infantino tritt jedenfalls vehement dafür ein. Er sei "extrem glücklich" mit der technischen Unterstützung für die Schiedsrichter. "Die Tests während des Confederations Cup helfen uns, die Abläufe zu verbessern und die Kommunikation zu verfeinern."

Das System wird nun in einigen Liga weiter getestet. Zum Beispiel auch in der Deutschen Bundesliga. Die Regelhüter des Fußballs – und das ist der International Football Association Board (IFAB) – werden danach entscheiden, ob der Videobeweis eine dauerhafte Einrichtung werden wird.

Nach Angaben der Deutschen Bundesliga sind in der vergangenen Saison alle 23 Referees als Video-Assistenten ausgebildet worden. Die Schiedsrichter auf dem Feld werden jedenfalls noch instruiert, mit welcher Gestik sie dem Publikum den Videobeweis ankündigen. Um künftig mehr Klarheit als Verwirrung zu hinterlassen.