Sport | Fußball
24.12.2012

"Versuche, Herz sprechen zu lassen“

Der 20-Jährige blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück und freut sich auf seinen früheren Traumklub.

Hoch hinaus hat es David Alaba längst geschafft in seinen jungen Jahren. Als Champions-League-erprobter Legionär von Bayern München ist er bereits mit 20 Jahren Österreichs Kicker-Primus. Hoch hinaus wollte der Wiener auch bei seinem Treffen mit dem KURIER. Im neunten Stock des Haas-Hauses am Stephansplatz erzählte er im DO-&-CO-Restaurant, wie die Familie Alaba Weihnachten feiert, was er in seinem Urlaub so treibt – und wie er mit seiner Popularität umgeht.

KURIER: Weihnachten steht vor der Tür. Welche Bedeutung hat das Fest für Sie?
David Alaba: Eine große. Für mich ist es eine Zeit, in der ich zu meiner Familie und meinen Freunden nach Hause kann. Das tut mir richtig gut.

Sie und Ihre Familie sind Sieben-Tages-Adventisten. Was passiert da am Heiligen Abend?
Das läuft ganz normal ab. Ja, wir gehen in die Kirche. Und ja, wir singen auch Stille Nacht. Auf Englisch. Und dann wird in meinem Elternhaus gefeiert. Das ist ein Familientreffen. 20 bis 30 Leute kommen da zusammen.

Und Ihre Mutter muss die ganze Verwandtschaft bekochen?
Sie macht das gemeinsam mit meiner Tante und der Oma. Es gibt philippinisches Essen.

Sie verdienen viel. Haben Sie sich ein Limit gesetzt, wie viel Sie für Geschenke ausgeben möchten?
Ich versuche einfach, mein Herz auszuschöpfen und danach sprechen zu lassen. Meine Geschenke sollen etwas ausdrücken, da spielt Geld sicher keine Rolle.

Fällt es Ihnen leicht, zu erkennen, womit man wem Freude bereiten kann?
Das Schwierige ist doch, jedes Jahr etwas Neues zu finden. Bis jetzt war’s aber immer so, dass am Ende alle glücklich waren. Glaub’ ich jedenfalls.

An welches Weihnachts­geschenk erinnern Sie sich besonders gerne zurück?
An viele. Letztes Jahr zum Beispiel habe ich von meiner Tante ein Album mit Fotos und Zeitungsartikeln über mich bekommen. Sie hat das jahrelang ausgeschnitten und gesammelt. Mein ganzer bisheriger Weg ist da aufgezeichnet. Auch so ein Geschenk, das mit Geld nicht aufzuwiegen ist.

Haben Sie heuer einen besonderen Wunsch geäußert?
Nein, meine Eltern geben mir eh schon so viel. Sie unterstützen mich – speziell bei meinem Beruf – enorm. Das ist schon ein sehr, sehr großes Geschenk. Aber ich wünsche mir, dass ich meine Ziele, die ich mir für das kommende Jahr stecke, erreichen werde.

Und was sind Ihre Ziele?
Die behalt’ ich für mich.

Womit beschäftigen Sie sich neben dem Fußball? Gibt es etwas, das Sie berührt, das Sie überhaupt nicht mehr sehen wollen, oder das Sie ändern würden, wenn Sie könnten?
Sicher, Armut. Ich war vor ein paar Jahren in Nigeria, dem Heimatland meines Vaters. Ich hab’ gesehen, wie das Leben für andere Menschen sein kann. Da lernt man sehr viel und ist plötzlich wirklich dankbar für all das, was einem selbstverständlich vorkommt.

Sie haben Ihre Wohnung in München gegen ein Haus im Vorort Grünwald getauscht. Wie groß ist das gute Stück?
Groß. Ich brauche mehr Platz, weil meine Eltern wirklich sehr oft bei mir sind. Sie besuchen mich fast jedes Wochenende, genauso übrigens wie meine besten Freunde.

Sie haben nur zehn Tage Urlaub, ehe die Vorbereitung in München wieder losgeht. Was machen Sie in dieser Zeit?
Ich bleibe in Wien. Da bin ich zu Hause, und da kann ich auch am besten den Druck ablegen und Kraft tanken. Es ist sehr spaßig mit meinen Jungs, und am Abend wird auch einmal ausgegangen.

Und wie sieht’s mit den Bergen aus? Können Sie Ski fahren?
Na sicher. Das ist schön, aber es geht halt nicht mit meinem Beruf, weil die Verletzungsgefahr zu groß wäre.

Zehn Tage Weihnachtsfrieden. Machen Sie in dieser Zeit überhaupt keinen Sport?
Doch, ein paar Laufeinheiten sind angesagt.

Jeden Tag?
Nein, übertreiben wollen wir’s auch nicht. Aber ich hab’ einen Trainingsplan.

Weihnachten ist auch die Zeit des guten Essens. Achten Sie da auf die Ernährung?
Ich hab’ nie ein Problem mit gutem Essen gehabt, ich bin keiner, der schnell zunimmt. Aber vielleicht ändert sich das ja einmal.

Was sich geändert hat, ist Ihr Bekanntheitsgrad. Mittlerweile erkennt Sie fast jeder auf der Straße. Nervt das?
Sicher gibt’s Momente, in denen es ein bisserl nervig ist. Aber ich wollte eben immer Fußballer werden, und da gehört das dazu. Die Leute verstehen es aber auch, das Private zu respektieren.

Im Gegensatz zu dem einen oder anderen Ihrer Kollegen hört man sehr wenig über Ihr Privatleben. Warum?
Weil’s eben privat ist.

Ist es schwer, das Privatleben auch wirklich privat zu halten?
Es ist nicht das Einfachste. Es wird immer ein bisserl geschaut und geredet, wenn du irgendwo unterwegs bist. Belästigt wird man aber nicht. München ist auch eine Stadt, in der viele Promis leben. Vielleicht haben sich die Leute schon daran gewöhnt, dass man auf der Straße bekannte Gesichter trifft. Das ist vielleicht doch ein bisserl anders noch in Wien.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter hat Sie aber nicht gekannt, als er Sie auf Englisch angesprochen hat. Haben Sie ihm das übel genommen?
Nein, ist ja kein Problem, wenn er mich nicht kennt. Ich kenn’ ihn ja auch nicht.

Dabei sind Sie schon Führungsspieler im Nationalteam, bei den Bayern aber noch das Küken. Wie gehen Sie mit diesen verschiedenen Rollen um?
Es stimmt, dass ich der Jüngste bei den Bayern bin. Aber meine Mitspieler haben mich super aufgenommen. Da ist das Alter wurscht. Den Unterschied zum Team macht auch die andere Position, die ich spiele. Aber wenn ich auf dem Platz stehe, bin ich der David. Egal, wo.

Mehr als bei den Bayern hat man im Team den Eindruck: Wenn der Alaba den Ball hat, brauchen wir uns nicht zu fürchten. Sind Sie schon die klassische Führungsfigur?
Ich will keiner sein, der den Mund aufmacht und sagt: Es muss so oder so laufen. Das bin ich nicht. Ich will mit meinen Aktionen sprechen. Das ist meine Art.

Es dürfte Ihnen aber auch liegen, gute Stimmung zu verbreiten.
Ist gar nicht nötig. In der Nationalmannschaft und auch bei den Bayern haben wir ein sehr gutes Klima. Im Team sind wir vor allem eine sehr junge Mannschaft, und viele kennen sich schon seit Jahren aus den Nachwuchsnationalteams.

Denken Sie noch oft an Ihren Mittelfußknochenbruch, den Sie im August erlitten haben?
Nein, das ist abgehakt.

Sind Sie schon wieder bei 100 Prozent?
Das würde ich nicht sagen. Ich glaube, dass noch ganz wenig fehlt.

Sie wurden zum zweiten Mal zu Österreichs Fußballer des Jahres gewählt. Sind Sie stolz?
Ja, schon. Das ist für mich eine sehr große Ehre.

Haben Sie sich mit der Wahl beschäftigt und wissen, wer aller vor Ihnen gewonnen hat?
Ich weiß, dass Ivica Vastic am öftesten gewonnen hat, weil ich mit seinem Sohn viel Zeit verbringe. Der spielt bei den Bayern Amateuren, und wir sehen uns fast täglich. Sein Papa ist eine Legende.

Seine vier Titel dürften Sie aber bald eingeholt haben.
Das sind Dinge, die einfach kommen, das gehört aber nicht zu diesen Zielen, die ich nicht verraten will.

Der Gewinn der Champions League wird wohl eines davon sein. Was sagen Sie zu Arsenal, dem Achtelfinalgegner?
Geil.

Das war doch Ihr Traumklub.
Genau. Es ist Wahnsinn, gegen diesen Klub zu spielen. Einfach wird das nicht.

Wie schätzen Sie die Chancen in der WM-Qualifikation ein?
Wir sind sehr fokussiert und glauben daran. 2012 haben wir viele Schritte nach vorne gemacht.

Woran fehlt es noch, wo muss man noch den Hebel ansetzen?
An der Chancenauswertung. Da müssen wir im nächsten Jahr noch viel konsequenter werden.

Schau net so bled, hearst

Uli Hoeneß' Alaba-Anekdote