Sport | Fußball
05.12.2011

Teamchef Koller bleibt ein Zankapfel

Die Diskussion um die Leitung des Nationalteams ebbt nicht ab. Mittendrin: ORF-Chefanalytiker Herbert Prohaska.

Der ORF hat aus gegebenem Anlass nach dem EM-Qualifikationsspiel Aserbaidschan - Österreich am Freitag eine Expertenrunde ins Studio gebeten, um über die sportlichen Belange und die Bestellung des Schweizers Marcel Koller als neuer Trainer der österreichischen Nationalmannschaft zu diskutieren.

Diese Expertenrunde bestand aus Herbert Prohaska, Frenk Schinkels, Werner Gregoritsch, Roman Mählich, Ricardo Moniz, Helge Payer und Anton Polster. Vor allem Prohaska hat nicht mit kritischen Worten gespart. Seit Kollers Vorstellung letzten Dienstag schießt er nicht nur gegen den Neo-Teamchef, sondern vor allem gegen ÖFB-Sportdirektor Willibald Ruttensteiner ziemlich scharf. Unter anderem warf Prohaska dem Sportdirektor vor, einen Trainer zu holen, "wo der Willi Ruttensteiner das Vorgeben hat, wo wenig Gegenwehr kommt". (siehe Link unten)

Heimische Kandidaten

Als ORF-Chefanalytiker fand er in der Vergangenheit selbst bei einem Unentschieden auf den Färöer-Inseln positive Ansätze. In jeder Blamage wurden Aspekte erkannt, die Hoffnung auf Besserung vermittelten. Jetzt, nach dem 4:1-Erfolg über Aserbaidschan, dem ersten in der Fremde seit sechs Jahren, ist dem anscheinend nicht mehr so. Zu geringem bis keinem Lob für die gute Mannschaftsleistung des ÖFB-Teams mischte sich vorwiegend Kritik an der desolaten Leistung der aserischen Hintermannschaft.

Marcel Koller wurde - in Abwesenheit - erneut bereits im Vorfeld abgekanzelt. Er habe seit zwei Jahren keinen Job als Trainer gehabt, sei Schweizer, hätte keine relevanten Erfolge als Trainer vorzuweisen, kenne sich im österreichischen Fußball nicht aus und würde sich in an den Erfolgen vergangener Trainer messen lassen müssen.

Die von den Teilnehmern der Expertenrunde vorgeschlagenen Alternativen von Andreas Herzog über Kurt Jara bis hin zu Andreas Ogris erfüllen zwar einige der im Vorfeld genannten Kriterien (sie sind Österreicher und kennen sich im heimischen Fußball aus), ihre Erfolge als Trainer halten sich jedoch auch im Vergleich mit Koller in Grenzen. Dass der von der Runde ins Spiel gebrachte Jara seit fünf Jahren keine Mannschaft mehr trainiert hat, ist in seinem Fall kein Argument gegen eine Bestellung.

Guter Wille

Marcel Koller, der zwei Meistertitel in der Schweiz und einen Aufstieg in die deutsche Bundesliga vorzuweisen hat, war in den vergangenen zwei Jahren keineswegs untätig. Er war für das schweizerische Fernsehen als TV-Experte tätig, hat für Manager deren Spieler beobachtet und ein Angebot beim deutschen Zweitligisten 1860 München abgelehnt.

Kurz nach seiner Bestellung hat Koller seine Ambitionen mit dem österreichischen Team bereits angedeutet. Vor dem Abflug in die Schweiz hat er ein Training des SK Rapid besucht und ist bei Peter Schöttel vorstellig geworden. Auf seiner Facebook-Seite hat er Videos online gestellt, die ihn beim Anschauen und Analysieren des U-21-EM-Qualifikationsspiels der Österreicher gegen die Niederlande und auch des Spiels der Nationalmannschaft gegen Aserbaidschan zeigen. Koller beweist zumindest einmal schon guten Willen, auch wenn er erst ab dem 1. November offiziell im Amt ist.

"Ogris könnte jeden auf der Welt trainieren"

Auch Andreas Ogris wurde für einen Posten im ÖFB vorgeschlagen. Prohaska sagte, dass "wir mit Ogris einen Trainer mit Euro-Lizenz haben, der morgen, wenn er ein Angebot hätte, Barcelona, Real Madrid, jeden auf der Welt trainieren könnte". Für Ogris wäre das nach Trainer-Stationen bei Simmering, Schwadorf und dem FAC ein steiler Karriereaufstieg.

Roman Mählich und Ricardo Moniz baten beide darum, Herrn Koller Zeit zu geben und die ersten Resultate abzuwarten, ehe man seine Arbeitsweise beurteilen kann. Man darf gespannt sein, ob die hitzige Diskussion am Dienstag eine Fortsetzung findet. Nach dem abschließenden EM-Qualifikationsmatch gegen Kasachstan hat der ORF wieder eine Expertenrunde geladen.

Diesmal diskutieren Prohaska, Mählich und Schinkels als Vertreter des heimischen Fußballs mit Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur. Peter Moizi von den Ö3-Comedy-Hirten, Regisseur Michael Schottenberg und der Schauspieler Peter Simonischek sind mit von der Partie.

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