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Trainer
05/21/2013

Stöger vs Schmidt nicht nur im Liga-Endspurt

Nicht nur im Titelkampf hat Austria-Trainer Peter Stöger die besseren Karten als Salzburg-Coach Roger Schmidt

von Stephan Blumenschein, Alexander Strecha

Zwei Runden noch zu spielen, sechs Punkte Vorsprung auf den einzigen Verfolger Salzburg: Wenn die Austria in dieser Saison nicht Meister wird, dann wohl nie mehr.

In Wien-Favoriten ist jedenfalls alles angerichtet, um Mitwochabend nach dem letzten Saisonheimspiel gegen Mattersburg (20.30 Uhr, live ORFeins, Sky) eine feucht-fröhliche Meisterparty feiern zu können.

Der Austria reicht ein Remis, egal wie Salzburg zeitgleich in Ried spielt, um aus eigener Kraft österreichischer Meister zu werden. Dass auch den Burgenländern ein Punkt reicht, um den Klassenerhalt zu schaffen, macht eine Titelentscheidung in der vorletzten Runde nur noch wahrscheinlicher.

Favorit

Austria-Trainer Peter Stöger hat also im Titelkampf im Duell mit Salzburg-Trainer Roger Schmidt klar die Nase vorne. Beide duellieren sich allerdings derzeit nicht nur um den Meisterteller, sondern auch um den vakanten Trainerjob beiWerder Bremen– wenn man den beiden wichtigsten deutschen Sportmagazinen glauben darf.

Montag Nacht ging es rund. Zunächst vermeldete die Sportbild, dass Roger Schmidt Nachfolger von Thomas Schaaf werden soll. Nur kurz danach titelte der Kicker "Stöger ist jetzt der Favorit".

Übliche Dementis

Am Dienstag kam, was im Fußballgeschäft in so heiklen Causen zu so heiklen Zeitpunkten einfach kommt: Es folgten die Dementis – sowohl aus Salzburg als auch aus Wien. Peter Stöger versicherte, keinen direkten Kontakt mit Werder zu haben. "Es ist aber eine Ehre, wenn mein Name in Deutschland genannt wird."

Schmidt wollte nur so viel zu dieser Causa sagen: "Ich will nicht jedes Gerücht kommentieren. Ich habe mich in der letzten Woche deutlich positioniert." Da hatte der Deutsche, der bei Red Bull bis 2014 unter Vertrag steht, angekündigt, dass er seine Arbeit in Salzburg unbedingt fortsetzen will.

Das wird Schmidt auch können, wenn ihn sein Arbeitgeber Red Bull weiterarbeiten lässt. KURIER-Recherchen ergaben nämlich, dass Schmidt in Bremen maximal Außenseiterchancen besitzt – im Gegensatz zu Stöger. Zwar hat es wirklich noch keine Verhandlungen zwischen Bremen und dem 47-Jährigen gegeben, aber Werder informierte sich intensiv über Stögers Arbeitsweise. So wurden auch die Bremen-Legionäre Zlatko Junuzovic und Sebastian Prödl befragt.

Normale Ablöse

Der Fast-Meistermacher steht bei Austria noch bis Sommer 2014 unter Vertrag. Eine Ausstiegsklausel hat Stöger nicht. Bremen ist aber sowieso bereit, Ablöse zu bezahlen. "Wenn wir den Trainer finden und dieser zu uns kommen möchte, dann werden wir alle Möglichkeiten suchen, diesen zu bekommen", stellte Sportchef Thomas Eichin Samstag im ZDF-Sportstudio klar.

Austrias Sportvorstand Thomas Parits gab Dienstag von sich, was derzeit jeder Austria-Fan hören will: "Wir werden Peter Stöger sicher nicht hergeben. Egal, was gezahlt werden würde."

Doch wenn der Austria-Trainer zu Bremen wechseln will, werden ihn die Austria-Verantwortlichen allerdings genauso nicht halten können, wie Wiener Neustadt Stöger 2012 nicht halten konnte. Damals beteiligte sich der 47-Jährige sogar aktiv daran, dass der Wechsel über die Bühne gehen konnte.

Dass für Stöger die Deutsche Bundesliga ein Ziel ist, daraus hat er noch nie einen Hehl gemacht. Und wer weiß, ob er noch einmal bei einem so renommierten Klub wie Werder Bremen ein Thema sein wird.

dapdFussball, tipp3 - Bundesliga, Saison 2011/2012, 34. Spieltag, FK Austria Wien - SC Wiener Neustadt, Donnerstag (10.05.12), Generali Arena, Wien: Neustadts Trainer Peter Stoeger gestikuliert. Das Spiel endet 3:1.Foto: Hans Punz/dapd

REUTERSWiener Neustadts coach Peter Stoeger reacts during during their Austrian league soccer match against Austria in Wiener Neustadt September 11, 2011. REUTERS/Christian Hofer (AUSTRIA - Tags: SPORT SOCCER)

APDer neue Austria-Trainer Peter Stoeger zeigt sich Sonntag, 15. Mai 2005 beim T-Mobile Bundesligaspiel FC Pasching gegen FK Austria im Paschinger Waldstadion nach dem 1:1 enttaeuscht. (AP Photo/RUBRA/Hermann Wakolbinger)

In Wien findet am 30. Juli 2005 das Fussball-Bundesligaspiel Austria gegen Ried statt. Im Bild die beiden Austriatrainer Frenkie Schinkels (L) und Peter Stoeger waehrend dem Spiel. REUTERS/Robert Zolles REUTERS

APAOZE07 - 09052006 - WIEN - OESTERREICH: ZU APA SI - Fussball: Stiegl Cup Finale: FK Austria Magna vs SV Matterburg. Im Bild: (v.l.n.r.)Filip Sebo, Frenkie Schinkels, Mario Tokic, Peter Stoeger und Sigurd Rushfeldt mit dem Stiegl Cup Pokal und den Meiste

Am Sonntag, den 8. Mai 2005, findet in Graz das Fussball-Bundesligaspiel GAK gegen Austria Wien statt. Im Bild Peter Stoeger und Frenkie Schinkels waehrend des Spiels. REUTERS/der Plankenauer REUTERS

fremdFussball, ADEG Erste Liga, Vienna .Bild zeigt Praesident Herbert Dvoracek, Peter Stoeger . .copyright Stefan Sigwarth, Tel. 0676/722 37 47

fremdFussball, ADEG Erste Liga, Vienna .Bild zeigt Peter Stoeger . .copyright Stefan Sigwarth, Tel. 0676/722 37 47

APA/ANDREAS PESSENLEHNERAPA4159615-2 - 26052011 - WIENER NEUSTADT - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT SI - Der neue SC Wiener Neustadt-Trainer Peter Stöger am Donnerstag, 26. Mai 2011, im Rahmen einer Pressekonferenz in Wiener Neustadt. APA-FOTO: ANDREAS PESSENLE

Peter Stöger (li) und Rene Wagner (re) im heutigen Bundesligaspiel zwischen Admira Wacker und Rapid Wien in der Südstadt.

LASK-Linz präsentierte am Montag den bei Rapid Wien in Ungnade gefallenen Team-Fussball-Peter Stöger als Neuzugang. UBZ: Stöger und LASK-Trainer Per Brogeland mit Stögers künftigen LASK-Dress mit der Nummer 20. APA-Photo: RUBRA

- UI-Cup/Semifinale/ Austria Wien vs FC Stade Rennes - Austria Wien-Spieler Peter Stöger nach Ende des Spiels gegen FC Rennes heute abend im Wiener Horr-Stadion. (electronic image) APA PHOTO/ Hans Klaus Techt

Riesige Freude der Gartenzwerge

Es ist angerichtet, die Austria vorbereitet auf eine mögliche Meisterfeier in der Generali-Arena. Voraussetzung für die Feierlichkeit ist ein Punktgewinn im Heimspiel (Mittwoch, 20.30 Uhr) gegen Mattersburg.

Trainerteam und Mannschaft haben sich mit höchster Konzentration auf diesen Showdown vorbereitet, selbst der freie Sonntag wurde gestrichen und für ein Training genützt.

Sollte die Austria um zirka 22.20 Uhr als Meister feststehen, dann wird es im Anschluss eine mit der Bundesliga abgesprochene Feier geben, wie Marketing-Leiter Michael Kohlruss erklärt: "Ein paar Minuten nach Schlusspfiff werden die Tore geöffnet, damit unsere Fans den Rasen betreten können. Unser Appell an die Austria-Anhänger: Bitte haltet euch daran, damit wir ohne Zwischenfälle feiern können." Wenn schon ein Platzsturm, dann kontrolliert und organisiert.

Violetter Gartenzwerg

Die Übergabe des Meistertellers durch Bundesliga-Präsident Hans Rinner erfolgt danach auf der Südtribüne im VIP-Bereich. Nach Schlusspfiff ist dann – im positiven Falle – eine Meisterkollektion mit T-Shirt, Schal, Pin und Schlüsselanhänger erhältlich. Das ausgefallenste Meisterstück: ein violetter Gartenzwerg mit Meisterteller. Äußerst dekorativ. Gut, dass es neben der Arena viele Schrebergärten gibt.

Die violetten meisterlichen Devotionalien sind eigentlich schon seit vergangenem Samstag fertiggestellt und warten nur auf den Absatz. 500 Meistershirts werden im Fanshop in der Osttribünen aufliegen. Auch das Cupfinale wirft in Sachen Merchandising seinen Schatten voraus, angedacht ist eine "Double"-Kollektion.

Der logische Schritt

Man kann jetzt nicht behaupten, dass der österreichische Fußballtrainer in den letzten Jahren ein Exportschlager gewesen wäre. Einer Stammgast in der Wüste (Hickersberger), einer Teamchef im Fürstentum (Pauritsch), zwei in der zweiten deutschen Liga (Pacult, Hasenhüttl) – aber sonst waren die internationalen Coaching-Zonen für Österreicher eine einzige Tabuzone.

Insofern ist allein schon das offenkundige Interesse von Werder Bremen an Peter Stöger eine Auszeichnung für die Arbeit des violetten Meistermachers in spe.

Dass Österreicher vor allem in Deutschland einen schweren Stand haben, mussten schon die beiden letzten Vertreter in der Bundesliga erleben: Peter Pacult wurde bei 1860 rausgeworfen, obwohl der Klub aus München an achter Stelle lag – so gut stand 1860 nie wieder da.

Und Kurt Jara wurde entlassen, nachdem er dem HSV den letzten Titel der Klubgeschichte (Ligapokal 2004) beschert hatte. Ein Ösi werde in Deutschland eben besonders kritisch beäugt, hatte Jara damals festgestellt.

Und heute? Heute scheint die Zeit reif für den nächsten österreichischen Coach in der Bundesliga. Wann, wenn nicht jetzt, wo die vielen rot-weiß-roten Legionäre Woche für Woche fast ausnahmslos für positive Schlagzeilen sorgen. Auch in Bremen dürfte man erkannt haben: In einem Land, aus dem Spieler wie Alaba, Baumgartlinger und Junuzovic hervorkommen, muss es zwangsläufig auch hervorragende Trainer geben.