UPC Arena, Brezn

© Christina Leitner

Stadiontest – Teil 3
08/04/2013

Brezen & Gebrüll in Graz

Launiges Liebenau – in der UPC Arena bei Sturm Graz geht die Liga-Serie des KURIER weiter.

von Christina Pertl

Der Sturm-Fan ist ein leidgeprüftes Wesen. Im Speziellen jener, der sich in der vergangenen Woche in die UPC-Arena wagte: Schwarze Kappe, düstere Gedanken und hochrotes Gesicht (nicht nur wegen der Rekordhitze) – so harrt er auf seinem Sitz der mutlosen Dinge auf dem Rasen. Schweigend, bis es doch genug ist: „Rettet’s wenigstens den an’ Punkt ham. Den wer’ ma nou brauchen gegen an direkten Gegner im Abstiegskampf“, brüllt’s plötzlich erbost und springt überraschend flink vom Klappsitz auf. Das Gesicht färbt sich noch eine Nuance dunkler, ist ja schließlich anstrengend so eine Schreierei. Das weiße T-Shirt mit der Aufschrift „Masta 2011“ erinnert an bessere Zeiten. Also eigentlich an alle Zeiten vor dem Anpfiff der Partie gegen Grödig.

Dabei hatte der Fußballabend in Liebenau ganz brauchbar begonnen: Eine Stunde vor Anpfiff ist die Grüppchenbildung vor Stadionbeisl und Fanshop bereits ausgeprägt. Die Stimmung ist gut, es wuselt rund um die Getränkestandln – kein Wunder, können hier doch pro Bier 10 Cent gespart werden im Vergleich zum Angebot hinter dem Drehkreuz. Aus allen Ecken des Bundeslandes ist die stürmische Fangemeinde in die Hauptstadt gepilgert. Der Slogan „Samma schwoaz, samma weiß, samma Sturm, samma Graaazer“ hat eben hoch vom Dachstein an bis in den tiefsten Süden seine Gültigkeit.

Ein Potpourri der steirischen Dialekte hallt durch den Gang unter der Tribüne. Aufgeräumt und sauber sieht es hier aus, dank hellem Beton. Nicht abgewohnt wie in Hütteldorf, aber auch nicht der Modernität letzter Schluss wie in Salzburg – bodenständig eben, wie es die Steiermark-Werbung verspricht. Da passen auch die typische Grazer Brezen und die Schilchermischung dazu.

Tribünen-Turnen

Das Publikum in Liebenau ist vergleichsweise jung. Selbst Damenrunden ohne männliche Begleitung gehören hier zum gewohnten Bild. Genauso wie die kulinarische Bedienstete, die während des Spiels auf der Tribüne turnt. „Bier“, ruft die Dame während sie ein Bein über das nächste Stahlrohr-Geländer schwingt. Ihr Ton lässt nicht darauf schließen, ob sie welches will oder verkauft – ein Blick auf den gefüllten Becherträger löst das Rätsel.

„Tor!“ ruft indes ein Bub im Kindergartenalter und reißt die Arme in die Luft. Sein Vater schüttelt traurig den Kopf: „Für die anderen.“ Zählt der Spross halt wieder aus Langeweile die Löcher im blauen Metallsitz. Das Spiel mit der schwarz-weißen Fahne hatte der Erziehungsberechtigte ja bereits zuvor verboten, als die Dame am Nachbarsitz ihr Augenlicht zu verlieren drohte.

„I hob eich doch g’sogt, ihr sollt’s wenigstens den anen Punkt hamspün!!!!“, setzt der Schreier zum letzten Akt an. Zustimmendes Nicken aus der Umgebung. Gut, dass das Spiel abgepfiffen wird. So ehrlich ist selbst der Stadionsprecher: „Danke, dass Sie bis zum Schluss geblieben sind.“

Von der Gruabn nach Liebenau

Fakten

Heimvorteil: SK Sturm Graz

Kapazität: 15.323

Nächstes Heimspiel: heute, 16.30 gegen Rapid (ORFeins, SKy live).

Geschichte

Die UPC-Arena (ehemals Arnold Schwarzenegger Stadion) ist das größte Stadion in Graz. 1994 bis 1997 wurde der Neubau anstatt des renovierungsbedürftigen Stadions Liebenau als Heimstätte für Sturm errichtet. Die „Blackies“ hatten zuvor in der legendären „Gruabn“ in Jakomini gespielt. Der dreifache Meister (1998, 1999 und 2011) wurde 1909 gegründet. 2006 erreichte die finanzielle Krise unter Präsident Hannes Kartnig ihren Höhepunkt, der Zwangsausgleich war die Folge. Mit neuer Klubführung gelang 2007 der Neuanfang.

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